#facebookdown :
Ein halber Tag ohne Facebook bedeutet für Mediensites fünf Prozent Verlust

Ohne Facebook-Traffic? Die Agof-Zahlen zeigen für den vergangenen Freitag einen durchschnittlichen Verlust von fünf Prozent der Zugriffe. 

Text: Leif Pellikan

Facebook liefert an nahezu alle Sites Nutzer
Facebook liefert an nahezu alle Sites Nutzer

Ein halber Tag ohne Facebook bedeutet für redaktionelle Medienanbieter fünf Prozent weniger Abrufe. Was zuvor eine Bauchzahl war, lässt sich nach der technischen Facebook-Panne am vergangenen Freitag nun auch in Zahlen nachweisen. Facebook hatte für etwa einen halben Tag bis etwa 14 Uhr keine Medienmeldungen verbreitet. Nahezu alle Medien schrieben über #facebookdown, auch W&V

Dieser schwarzblaue Freitag (26.1.) führte in der Top-50 der redaktionellen Aof-Angebote zu einem durchschnittlichen Rückgang der jeweiligen Kontakte von 4,4 Prozentpunkten im Vergleich zum Freitag (19.1.) davor. Das heißt: Rechnerisch fehlten jeder Site knapp fünf Prozent der Zugriffe. In den Top 10 gingen 4,5 Prozentpunkte verloren, in den Top 100 noch 3,9 Prozentpunkte. 

Facebook sorgt bei redaktionellen Sites aktuell für etwa zehn bis 20 Prozent der Zugriffe oder Page-Impressions. Dies gilt als Richtkorridor. Seit etwa einem dreiviertel Jahr sinken die Werte jedoch. Und diese Tendenz dürfte in naher Zukunft drastische Konsequenzen haben.

Denn Facebook-CEO Marc Zuckerberg hatte unlängst erklärt, dass Posts von direkten Freunden künftig priorisiert würden. Zwischen den Zeilen war zu lesen, dass Posts von Medien und Unternehmen faktisch nur noch verbreitet werden, wenn sie schnell signifikant hohe Interaktionsraten erzielen - oder die Verbreitung bezahlt wird. 

Die Zahlen im Detail

Die Relevanz von Facebook für die redaktionellen Angebote wird beim Blick auf die tagesaktuellen Zahlen der Agof deutlich. Am schwarzblauen Freitag reduzierten sich die Kontakte der Top 50 im Vergleich zum vorangegangenen Donnerstag (25.1.) um 5,4 Prozentpunkte.

Das gleiche Bild ergibt sich für eine Top 10 (minus 5,6 Prozentpunkte) genauso wie für eine Top 100 (minus 4,3) oder Top 200 (minus 5,3) der redaktionellen Angebote. (Ausgenommen haben wir nur den Kicker, der an Freitagen immens zulegt und auf Rang fünf der redaktionellen Angebote rangiert. Aber selbst der Kicker verlor im Wochenvergleich zehn Prozentpunkte).

Natürlich hat Facebook nicht für jede Site die gleiche Relevanz, nicht jede Redaktion kündigt jeden Text auf Facebook per Post an. Und natürlich hängen die Agof-Werte vom jeweiligen Tag ab, eine tägliche Schwankung von fünf bis 15 Prozent für einzelne Sites ist keine Seltenheit.

Aber jener schwarze Facebook-Freitag fällt aus der Rolle. Der Vergleich mit dem Donnerstag (18.1.) vor einer Woche zeigt dies: Hier lagen die durchschnittlichen Zugriffe des schwarzblauen Freitags zwischen 13 Prozent (Top-200) und 16 Prozent (Top-30) hinter den vorangegangenen Werten.

So viele Verluste gab es am vergangenen Freitag

Kontakte (Page-Impressions) des 26.1. im Vergleich 

 

Redaktionelle Sites

Fr. 19.01.2017

Do. 25.01.2017

Do 18.01.2017

 

Top-10

96,5%

94,4%

84,0%

 

Top-30

93,8%

95,0%

83,2%

 

Top-50

95,6%

94,6%

85,3%

 

Top-100

96,1%

95,7%

86,6%

 

Top-200

96,7%

94,7%

87,2%

 

Quelle: W&V: Berechnung, Rubrizierung der redaktionellen Angebote, ausgenommen wurde Kicker Online. Daten: AGOF.

 

 

Es gibt - wie erwartet - allerdings auch einige Profiteure, sowohl für den Vergleich zum vorangegangenen Donnerstag als auch zum Freitag vor einer Woche. Das Plus von Sites wie Chip Online, Express.de, Gala.de und Zeit Online mit jeweils mehr als fünf Prozent ist jedoch sicher nicht auf Facebook zurückzuführen - außer die Zugriffe kamen allesamt am späten Nachmittag.

Nur in Summe verschönern sie die negativen Folgen von #facebookdown zu Teil beträchtlich. Zeit Online hatte beispielsweise acht Prozent mehr Zugriffe gegenüber dem Freitag vor einer Woche.  


Autor:

Leif Pellikan
Leif Pellikan

ist Redakteur beim Kontakter und bei W&V. Er hat sich den Ruf des Lötkolbens erworben - wenn es technisch oder neudeutsch programmatisch wird, kennt er die Antworten. Wenn nicht, fragt er in Interviews bei Leuten wie Larry Page, Sergey Brin oder Yannick Bolloré nach.