Online-Vermarkterkreis :
ePrivacy-Verordnung kostet Medien 35 Prozent der Werbeumsätze

Die deutschen Medienanbieter rechnen mit Einbußen von bis zu 500 Millionen Euro pro Jahr, sollte das EU-Gesetz in seiner jetzigen Form verabschiedet werden.  

Text: Leif Pellikan

Christian Herp fürchtet für die Branche und seinen Vermarkter iq digital herbe Umsatzeinbußen
Christian Herp fürchtet für die Branche und seinen Vermarkter iq digital herbe Umsatzeinbußen

Was schon lange im Markt als Zahl herumgeisterte, mach der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) jetzt öffentlich: 35 Prozent der Werbeumsätze in der digitalen Welt sind durch die europäische ePrivacy-Verordnung nach jetziger Fassung gefährdet. Die Zahl nennt der Online-Vermarkterkreis (OVK) im BVDW jetzt als Ergebnis einer Umfrage bei den Mitgliedern. 

Der BVDW warnt bereits seit mehr als zwei Jahren vor den Plänen der EU-Kommission zur ePrivacy-Verordnung (alles hierzu im Dossier). Im Schnitt ergeben sich 35 Prozent, mehr als 30 Prozent nennt der OVK jedoch als gesichert.

"Die Einführung einer E-Privacy-Verordnung in der derzeit diskutierten Version kann in Deutschland signifikanten wirtschaftlichen Schaden in der digitalen Vermarktung und damit auch bei den vermarkteten Digitalangeboten bewirken", sagt OVK-Vize Christian Herp (Geschäftsführer von iq digital media marketing). "Die inhaltliche Vielfalt bei den digitalen Angeboten ist ernsthaft in Gefahr."

Die Gründe

Als Grund nennt der OVK unter anderem Technikschranken, die Webanalyse durch Dritte verhindern und das Kopplungsverbot zwischen Website-Betreiber und Nutzer. Demnach dürfen Inhalte nicht an eine zwingende Zustimmung zu Datenverarbeitung gekoppelt werden.

Medienanbieter dürfen Nutzer, die kein Tracking wollen, also nicht ausschließen oder benachteiligen. Aber ohne Tracking und Targeting werden die Preise stark verfallen. Selbst ein mehr an Werbevolumen würde dies nicht kompensieren und Nutzer eher dazu verleiten, Werbeblocker zu installieren. 

Thomas Duhr (IP Deutschland), Vize-Präsident im BVDW, warnt: "Die Ergebnisse bestätigen unsere Erwartungen: Die Realisierung einer Verordnung in der aktuell auf EU-Ebene diskutierten Fassung würde jeden vierten Arbeitsplatz in der Digitalen Wirtschaft in Deutschland gefährden. Digitalisierung geht anders."

Das kumulierte Umsatzrisiko im Display-Werbemarkt in Deutschland könnte in Folge der ePrivacy-Verordnung eine Größenordnung von bis zu 500 Millionen Euro netto pro Jahr betragen. Und das vor dem Hintergrund, dass die europäische Datenschutzgrundverordnung bereits ausgewogene und abschließende Datenschutzregelungen für die Digitale Wirtschaft bereit hält. Die ePrivacy-Verordnung im aktuell zur Diskussion stehenden Entwurf wäre laut dem OVK lediglich eine überflüssige Vorschaltregulierung. 


Autor:

Leif Pellikan
Leif Pellikan

ist Redakteur beim Kontakter und bei W&V. Er hat sich den Ruf des Lötkolbens erworben - wenn es technisch oder neudeutsch programmatisch wird, kennt er die Antworten. Wenn nicht, fragt er in Interviews bei Leuten wie Larry Page, Sergey Brin oder Yannick Bolloré nach. 


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