Bürgerproteste :
F* off Google: So wehren sich die Kreuzberger gegen den Campus

Die Kreuzberger Anwohner machen weiter gegen den geplanten Google-Campus mobil. Eine Website bündelt die Proteste.

Text: Anja Janotta

Die Website
Die Website

Der geplante Startup-Campus von Google in Kreuzberg erregt weiterhin die Gemüter. Nun haben die Gegner sogar eine eigene Website ins Leben gerufen, um das Internetunternehmen an dem Vorhaben zu hindern - mit dem selbsterklärenden Namen Fuck off Google.

Google würde die Gentrifikation beschleunigen, die Mieten in die Höhe treiben und für einen Braindrain Richtung USA sorgen, heißt es dort. Auch die Steuerflucht und die Datensammelwut des Konzerns werden angeprangert. Ein angeschlossenes Wiki sollen die Nutzer weiter befüllen können - mit Material, "das uns hilft, Google aus Kreuzberg zu vertreiben", wie es heißt.

Berlin Kreuzberg ist der siebte der Google-Standorte, an denen der Konzern Startups zusammenführen und bei ihrer Entwicklung unterstützen will. In Tel Aviv, London, Seoul, Sao Paulo, Warschau und Madrid sind Begegnungs- und Inkubatorenzentren wie das geplante in Kreuzberg bereits installiert worden.

Was Google in Kreuzberg plant

Google selbst sieht sich in Deutschland auf einem guten Weg. Im kommenden Jahr, vielleicht schon im Sommer, soll der Standort in den alten Räumen des Kreuzberger Umspannwerks in Betrieb genommen werden. 3000 Quadratmeter groß ist die Fläche, auf der fünf bis zehn feste Google-Mitarbeiter arbeiten werden. Umschwirrt von umtriebigen Startups aus Berlin. Die ausstehenden Baugenehmigungen sind mittlerweile alle erteilt worden.

Schon seitdem bekannt wurde, dass Google in den traditionellen Hausbesetzer-Kiez Kreuzberg ziehen will, hagelte es Proteste. Sogar Farbbeutel-Angriffe gab es schon. Die Angst vor einer Gentrifzierung sitzt offenbar tief.

Google selbst beschwichtigt. Bei einem Tag der Offenen Tür im vergangenen Sommer hatte der Konzern seine Pläne vorgestellt. 700 Besucher kamen - allerdings wohl keiner der Gegner, mit denen man offensiv den Kontakt sucht. Der neuen Protestseite begegnet Google mit einem Appell: "Wir möchten gute Nachbarn in Kreuzberg sein."

Allen künftigen Nachbarn bietet der Konzern in einem offiziellen Statement an: "Melden Sie sich bei uns und erfahren Sie mehr über den Campus und sein Konzept.  Unsere Erfahrung ist: Sobald man miteinander redet und versteht, was wir dort wirklich vorhaben, kommt das Projekt sehr gut an."

Von den Betreibern der Website, die anonym bleiben wollen, hat W&V bislang noch kein Statement erhalten.


Autor:

Anja Janotta, Redakteurin
Anja Janotta

seit 1998 bei der W&V - ist die wohl dienstälteste Onlinerin des Hauses. Am liebsten führt sie Interviews – quer durch die ganze Branche. Neben der W&V-Morgenpost, Kreativ- und Karrierethemen schreibt sie ab und zu was völlig anderes - Kinderbücher. Das jüngste dreht sich um  ein paar nerdige Möchtegern-Influencer.