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Facebook legt Tinder lahm

Den Zugang von App-Entwicklern kappt Facebook, private Nutzer bekommen dafür mehr Erklärungen, was mit ihren Daten passiert.

Text: W&V Redaktion

Als Konsequenz aus dem Datenskandal um Cambridge Analytica beschneidet Facebook App-Entwickler im Zugriff
Als Konsequenz aus dem Datenskandal um Cambridge Analytica beschneidet Facebook App-Entwickler im Zugriff

Facebook hat erstmals eigene Zahlen veröffentlicht, wie viele Daten an Cambridge Analytica geflossen sind. Demnach sollen Informationen von möglicherweise bis zu 87 Millionen Nutzern weltweit an die Analysefirma gelangt sein. Cambridge Analytica selbst will von einem App-Entwickler nur 30 Millionen Datensätze erhalten haben. 

Aus Deutschland könnten 309.815 Facebook-Mitglieder betroffen sein, teilte das Social Network auf Anfrage von n-tv. mit.

Als eine Schutzmaßnahme für die Zukunft führte Facebook am Mittwoch für Apps, die auf sein Netzwerk zugreifen wollen, neue und härtere Regeln ein. Wie das Handelsblatt meldet, wurde unter anderem die Dating-App Tinder zum Opfer der Umstellung der Log-In-Prozeduren: Die App war am Mittwochabend nicht zu benutzen.

Am Mittwoch schaffte Facebook auch die Möglichkeit ab, nach Nutzer-Profilen über Telefonnummer und E-Mail-Adresse zu suchen. Das Online-Netzwerk glaube, dass über diese Funktion öffentlich zugängliche Informationen der Mehrheit der Nutzer von außerhalb der Plattform abgesaugt worden seien. Das sind meist Basis-Informationen wie Profilfoto, Wohnort oder Arbeitgeber.

Zuckerberg zeigte sich in einer rund einstündigen Telefonkonferenz mit Journalisten erneut selbstkritisch. Facebook habe nicht genug unternommen, um seine Nutzer zu schützen, bekräftigte er. "Das war unser Fehler, das war mein Fehler." Zuvor hatte Facebook weitere Einschränkungen für den Zugang von App-Entwicklern zu Nutzerdaten angekündigt. Dazu gehören etwa der Zugang zu Terminen und Informationen über Anrufe auf Smartphones. Für die Mitglieder wird es zudem einfacher, Facebook-Apps zu entfernen.

Weitere Neuerungen kündigte Facebook am Donnerstag im Blog an. Facebook geht es dabei vor allem darum, seine Dienste und die Voraussetzungen dafür in leicht verständlicher Sprache zu erklären. Die Aktualisierungen betreffen zum einen die Nutzungsbedingungen, zum anderen die Datenrichtlinie. Darin will Facebook klarmachen, welche Daten gesammelt und wie sie für Facebook, Instagram, Messenger und andere Produkte verwenden werden. Besser erläutert wird unter anderem, wie es zu Personalisierung kommt, etwa um passende Gruppen, Freunde und Seiten vorzuschlagen.

Wer sich zu den Nutzungsbedingungen und zur Datenrichtlinie äußern will, kann sein Feedback binnen der nächsten sieben Tage geben. "Wir werden die finalisierten Dokumente dann veröffentlichen und dich darum bitten, diesen auf Facebook zuzustimmen", schreiben Erin Egan, VP and Chief Privacy Officer, Policy und Ashlie Beringer, VP and Deputy General Counsel. "Zeitgleich werden wir Informationen dazu bereitstellen, welche verschiedenen Möglichkeiten du im Hinblick auf deine Privatsphäre hast." Vor wenigen Tagen hatte Facebook neue Privatsphäre-Einstellungen vorgestellt, die auch den Bestimmungen der Datenschutzgrundverordnung Rechnung tragen. 

Auch in der Politik schlägt die Diskussion um die Datenverwendung von Apps und Social-Media-Anwendungen weiter hohe Wellen. Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) rügte Facebook und forderte Konsequenzen auf europäischer Ebene. "Facebook ist ein Netzwerk der Intransparenz", sagte Barley am Donnerstag in Berlin. "Ethische Überzeugungen fallen kommerziellen Interessen zum Opfer." Facebook lebe vom Vertrauen seiner Nutzer. "Facebook hat dieses Vertrauen verspielt", sagte Barley.

Barley mahnte, die Aufklärung dürfe nicht beim Fall von Cambridge Analytica stehen bleiben. "Es muss geklärt werden, ob weitere App-Betreiber in großem Umfang Nutzer- und Kontaktdaten missbraucht haben." Es sei an der Zeit für eine deutliche Reaktion der EU-Staaten.

"Für soziale Netzwerke braucht es klare Regeln. Wir werden überprüfen, ob die Möglichkeiten der neuen europäischen Datenschutzverordnung ausreichen", sagte sie. "Wir müssen klare Anforderungen an die Betreiber sozialer Netzwerke auf europäischer Ebene gesetzlich festschreiben." Facebook müsse gegenüber Behörden in der EU auch die Funktionsweise seiner Algorithmen offenlegen.

Zuckerberg wird am 11. April zu dem Thema im US-Kongress aussagen. Er räumte am Mittwoch auch ein, es sei falsch gewesen, unmittelbar nach der US-Präsidentenwahl im November 2016 den möglichen Einfluss gefälschter Nachrichten bei Facebook auf den Wahlausgang herunterzuspielen. Er hatte damals erklärt, die Vorstellung sei "verrückt". Jetzt bezeichnete er seine damalige Äußerung als leichtfertig. Zuckerberg betonte zugleich, er glaube auch nach den Turbulenzen der vergangenen Wochen und Monate, dass er die richtige Person für die Facebook-Spitze sei. Es gehe darum, aus den Fehlern zu lernen, die unweigerlich passierten.

Die Kritik im Datenskandal und die Aufrufe, Facebook nicht mehr zu nutzen, hätten die Nutzung des Online-Netzwerks kaum gebremst, sagte Zuckerberg. "Ich glaube nicht, dass es einen bedeutenden Effekt gab."

am/mit dpa

Zuckerberg wird am 11. April zu dem Thema im US-Kongress aussagen. Er

räumte am Mittwoch auch ein, es sei falsch gewesen, unmittelbar nach

der US-Präsidentenwahl im November 2016 den möglichen Einfluss

gefälschter Nachrichten bei Facebook auf den Wahlausgang

herunterzuspielen. Er hatte damals erklärt, die Vorstellung sei

«verrückt». Jetzt bezeichnete er seine damalige Äußerung als

leichtfertig. Zuckerberg betonte zugleich, er glaube auch nach den

Turbulenzen der vergangenen Wochen und Monate, dass er die richtige

Person für die Facebook-Spitze sei. Es gehe darum, aus den Fehlern zu

lernen, die unweigerlich passierten.

 

Die Kritik im Datenskandal und die Aufrufe, Facebook nicht mehr zu

nutzen, hätten die Nutzung des Online-Netzwerks kaum gebremst, sagte

Zuckerberg. «Ich glaube nicht, dass es einen bedeutenden Effekt gab.»


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W&V Redaktion
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