Interview mit Frederik Frede :
Freunde von Freunden: "Das Ziel ist zeitloser, googlebarer Content"

"Freunde von Freunden" hat sich in den vergangenen Jahren als Onlinemagazin etabliert. Das Portal finanziert sich über Content Marketing und Kooperationen. Mitgründer Frederik Frede hat mit W&V Online über Werbung gesprochen, die nicht nach Werbung aussieht.

Text: Franziska Mozart

19. Oct. 2015 - 1 Kommentar

Freunde von Freunden (FvF) hat sich in den vergangenen Jahren als internationales Lifestyle-/Interior-/Design-Onlinemagazin etabliert. Das Portal finanziert sich über Content Marketing und Kooperationen und sichert den drei Gründern und ihren inzwischen 25 Angestellten das Einkommen. Mitgründer Frederik Frede hat mit W&V Online über Werbung gesprochen, die nicht nach Werbung aussieht.

Freunde von Freunden ist ein werbefinanziertes Online-Magazin, auf dem keine klassischen Werbemittel zu sehen sind. Wie versteht Ihr Werbung?

Wir wollen Werbung mit Sinn machen und Marken in unsere Geschichten einbetten, ohne dass es aufdringlich ist. Das Ziel ist zeitloser, googlebarer Content. Wir achten immer darauf, dass die werblichen Inhalte die gleiche Qualität haben wie die rein redaktionellen Inhalte. Das heißt aber auch, dass wir nur mit Marken zusammen arbeiten, die zu uns passen.

Wie stellt Ihr diese Qualität sicher?

Wir entwickeln Kommunikationskonzepte, die weit über Home Portraits hinausgehen, aber der Qualität des Inhalts und Kultur unserer Markenpartner entsprechen. Die internationale FvF-Community, die wir präsentieren, ist das Herzstück von FvF und genießt höchstes Vertrauen. Alle Ideen und kommerziellen Projekte entstehen in Abstimmung und mit Zustimmung aller Teilnehmer. Der ständige und transparente Austausch mit Freunden ist uns sehr wichtig. 

Einer unserer langjährigen Vertragspartner - neben Kunden wie Mini, USM und 25Hours Hotels - ist zum Beispiel seit fast drei Jahren Vitra. Oft beginnt ein Artikel mit einer Suche in unserem Netzwerk nach interessanten Menschen, die wir redaktionell vorstellen wollen. Unser Team geht dann dort hin, macht Fotos vom Wohn- oder Arbeitsumfeld und wenn wir dann sehen, dass dort Vitra-Möbel stehen, recherchieren wir weiter in diese Richtung. Natürlich nur, wenn unser Gesprächspartner einverstanden ist, dass wir das Porträt auch für Vitra nutzen. Sicherlich wird in fünf Jahren Werbung nicht generell so aussehen, wie wir sie machen, wir sind schon sehr nischig. Aber es gibt schon diese Bewegung hin zu Werbung mit echten Menschen, auch in der Klassik.

Wie schützt Ihr euch vor dem Vorwurf verkaufte Redaktion?

Der Anteil an Kooperationen liegt bei FvF bei etwa 50 Prozent, das ist nicht wenig. Aber wir arbeiten transparent, es gibt immer einen entsprechenden Hinweis, wenn bei einem Artikel eine Marke bezahlt hat. Das nehmen uns die Leser auch nicht übel, immerhin kommen 25.000 pro Tag auf die Seite. Wir sprechen ja vor allem die Creative-Class an. Diese Leute wissen, wie Wirtschaft funktioniert und wie Werbung funktioniert, wollen aber nicht verarscht werden.

Eure Inhalte laufen aber auch bei "Spiegel Online" und "Zeit Online". Wie gehen die mit dem Thema Content Marketing in Euren Texten um?

Sehr unterschiedlich. Bei "Spiegel Online" ist das kein Problem, bei "Zeit Online" dürfen nur Texte laufen, die nicht in einer Kooperation entstanden sind.

Seit wann könnt Ihr von Freunde von Freunden leben?

Die Idee haben Torsten Bergler, Timmi Seifert und ich 2009 entwickelt und den Blog zuerst nur nebenbei betrieben. Doch seit 2012 gibt es eine offizielle Gesellschaftsform und wir und unsere fast 25 Angestellten der beiden Firmen können davon leben. m Hintergrund gab es immer die Agentur MoreSleep, die FvF entwickelt hat. Als wir mit unserer Website begonnen haben, hieß die Agentur noch NoMoreSleep, die wurde 2010 an TBWA verkauft. Die Konstellation Medienunternehmen mit Kreativagentur im Rücken ist ja ein Trend, den man auch bei Vice oder Monocle auch sehen kann.

Unser Ziel mit FvF war immer, zu zeigen, wie ein Gegenentwurf zur kampagnengetriebenen Werbung aussehen kann und wie wir Werbung gerne machen würden. Im ersten Halbjahr 2015 haben wir eine halbe Million Euro Umsatz gemacht, das ist doppelt so viel wie im Vorjahreshalbjahr.

Klingt nicht gerade nach mehr Schlaf, wie der Agenturname verspricht.

Wir sind effektiver und das Team größer geworden. Im Sommer geben wir auch gerne Hitzefrei und wir haben jedes vorstellbare Angestelltenverhältnis bei uns vertraglich integriert. Es gibt immer viel zu tun aber jeder kann sich bei uns persönlich entfalten und kreativ einbringen.


1 Kommentar

Kommentieren

Anonymous User 20. Oktober 2015

2014 also 0,5 Mio € Umsatz. Bei 25 MAs = 20 TEURO pro Kopf - Umsatz, nicht Gewinn! Sehr nachhaltiges Geschäftsmodell...

Diskutieren Sie mit