Mit der 2018 erfolgten Neustrukturierung konnte sich die Seite bei einigen gut abgrenzbaren Produkt- und Servicekeywords wie "Stadtrad" und "Rahmengröße" stark verbessern. Gleichzeitig kann Gazelle seitdem bei wichtigen Trendkeywords wie "Elektrofahrräder" oder "E-Bike" keine Top-Platzierungen mehr erreichen. Welche Ursachen das aktuelle Abschneiden hat und wo Gazelle derzeit noch ungenutztes Potenzial auf der Straße liegen lässt, zeigt der aktuelle SEO-Check der Resolution Media.

Content in manchen Seitenbereichen noch ausbaufähig

Mit 2,7 Punkten erreicht gazelle.de ein ausbaufähiges Ergebnis im Bereich Content. Sowohl auf Kategorie- als auch auf Produktebene befinden sich nur geringe Textinhalte. Besonders in den Kategorien fallen die Texte für die meisten Fahrrad-Typen negativ auf. Die Suchintention wird hier nur unzureichend erfüllt.

Auf Produktseiten findet man zwar die jeweiligen Key Facts, dies auch recht detailliert und informativ, aber nur wenig zusätzlichen Text. Die Texte auf der, aus User-Sicht zunächst vielversprechenden Modellübersicht, gehen in den groß angelegten Bildelementen völlig unter. Positiv fallen die ratgebenden Inhalte auf. Hier werden die Themen mehr oder weniger holistisch abgebildet, angereichert mit etlichen Bildelementen und gelegentlich auch Videomaterial. Auch das eigene Unternehmen wird ausführlich vorgestellt. Zusätzlich werden Handbücher zu den einzelnen Modellen angeboten.

Keine Keywordstrategie erkennbar

Ohne eine erkennbare Strategie im Bereich Keywords erreicht Gazelle lediglich 2,0 Punkte. Die fehlende Strategie schlägt sich auch in den Rankings nieder. Die Domain rankt zwar mit ihren Produktkeywords wie "Stadträder", "Mutter Fahrräder" oder "Hollandräder", jedoch platzieren sie bei wichtigen generischen Keywords wie "Fahrräder" oder "E-Bike" überhaupt nicht.

Diese Diskrepanz lässt vermuten, dass die Domain nur dank der individuellen Produktkategorisierung punktet und nicht aufgrund einer durchdachten Keywordstrategie. Doch auch die Konkurrenz fährt nur hinterher. Weder Giant noch Scott, Cube, Hercules oder Kettler ranken zufriedenstellend mit den erwähnten generischen Keywords oder den Produktkeywords. Lediglich Hercules und Kettler sind mit dem Keyword "Fahrräder" in den Top 30 zu finden und damit vom Zielbereich weit entfernt.

Zusätzlich verzichtet Gazelle auf eine generelle Unterteilung zwischen den Geschlechtern. Dadurch werden Ranking-Potenziale nur unzureichend ausgeschöpft. Eine weitere Besonderheit bildet die Kategorie Kinderfahrrad. Diese Kategorie ist lediglich über die Suchmaske zu finden. Auch hier radelt Gazelle an der potenziellen Zielgruppe vorbei, obwohl eine dazugehörige Kategorieseite existiert.

Auch bei der Implementierung der Keywords gibt es noch Verbesserungspotenziale. Die relevanten Keywords sind in den Titles, H-Überschriften und in der Seitennavigation vorhanden. Einbindungen in die ALT-Tags fehlen dagegen teilweise, da kein Inhalt hinterlegt ist. Insbesondere auf den Produktseiten geht Gazelle inkonsequent mit der H-Strukturierung vor. Zudem sollte über eine höhere Variabilität nachgedacht werden. Oftmals wird nur der Produktname in den Überschriften H1 bis H3 verwendet. Hier bietet sich die Verwendung zusätzlicher Keywords an, die dem Kunden sofort mitteilen, dass es sich beispielsweise um ein Trekkingfahrrad handelt.

Die URL-Struktur liefert zusätzlich Potenzial, um Keywords einzubinden und den Kunden eine übersichtliche Gliederung aufzuzeigen. Hier sollte Gazelle auch auf die korrekte Sprache achten, da viele Keywords in Niederländisch verfasst sind. Relevante W-Fragen werden darüber hinaus erst auf den Produktseiten beantwortet. Kategorieseiten, die beispielsweise das Thema E-Bike näherbringen können, fehlen grundsätzlich.

Bei der internen Verlinkung werden die wichtigen Keywords in der Hauptnavigation und im Footerbereich verwendet. Zusätzlich gibt es eine Breadcrump-Navigation, die auch verlinkt ist. In den Fließtexten sind keine passenden Keywordverlinkungen vorhanden. Lediglich auf den Kategorieseiten befindet sich ein Button mit eindeutigem Call-to-Action. Dieser ist aber nur teilweise mit relevanten Keywords ausgestattet. Auffällig an diesen Verlinkungen ist, dass eine Produktseite mit Filterung aufgerufen wird. Jedoch handelt es sich dabei nicht um die eigentliche Produktübersichtsseite, sondern um eine vergleichbare Seite, die keine Produkte anzeigen kann. Hier gilt es, in puncto User Experience nachzubessern.

Auch die Suchergebnisse können nur teilweise überzeugen

Mit 3,0 Punkten schneidet Gazelle zwar ordentlich ab, es gibt aber auch hier noch Luft nach oben. Der Title einer URL setzt sich bei Gazelle aus der H1 und der Brand zusammen. Der Title wird nicht individuell für jede Seite formuliert und ist daher oft sehr kurz.

Beispiel: https://www.gazelle.de/stadtraeder

Der Title lässt sich für die Beispiel-URL einfach optimieren: "Gazelle Stadträder - Für jeden Radfahrer ein passendes Rad – Gazelle".

Des Weiteren fallen unschöne Tipp- und Rechtschreibfehler wie "pendler bike" oder "lifestyle rader" ins Auge, die die Suchergebnisse unseriös erscheinen lassen.

Gazelle verwendet für viele URLs die Standard-Description "Seit 1892 hat die Koninklijke Gazelle 250.000 Fahrräder pro Jahr. Handwerkskunst in Elektro-Bikes, Stadt- und Trekkingräder und robuste Lifestyle Fahrräder!". Somit werden keine sinnvollen Keywords in individuellen Descriptions verwendet. Zum anderen sind einige Descriptions inhaltlich zu lang und werden in den SERPs daher auspunktiert.

Gazelle zeichnet die Breadcrumb mit strukturierten Daten aus. Zusätzlich verwendet die Seite das neue Markup "speakable", um sprechbare Inhalte für Voice Search bereitzustellen. Produkte oder auch Kontaktangaben werden nicht mit schema.org-Markup ausgezeichnet. Dadurch erhält die Seite auch leider keine Rich Snippets in den Suchergebnissen von Google.

Seitengeschwindigkeit noch nicht auf Rennrad-Niveau

Im Technik-Bereich bekommt Gazelle 3,3 Punkte. Einerseits können alle relevanten Seitentypen, sowohl laut dem Mobile Testing Tool von Google als auch nach eigener Überprüfung, einwandfrei auf mobilen Endgeräten genutzt werden. Andererseits schneidet gazelle.de bei der Seitengeschwindigkeit, sowohl mobil als auch auf dem Desktop, nur mittelmäßig ab.

Bei webpagetest.org weisen die Seitentypen große Unterschiede auf. Getestet wurde mit einer 4G-Verbindung. So hat beispielsweise die Startseite eine TTFB von lediglich 1,2 Sekunden, das Rendering startet nach 3,4 Sekunden und die Gesamtladezeit liegt bei 6,5 Sekunden. Die Produktseite hingegen liegt bei einer TTFB von 2,7 Sekunden, das Rendering startet nach 4,8 Sekunden und die Gesamtladezeit liegt bei 10,4 Sekunden.

Laut thinkwithgoogle.com liegt die Site Speed bei 3,2 Sekunden in Deutschland bei einer 4G-Verbindung. Damit ist die Seite deutlich langsamer als die der Wettbewerber Kettler und Giant. Für das eher durchschnittliche Abschneiden ist wohl hauptsächlich das fehlende Cachen von JavaScript-, CSS- und Font-Dateien verantwortlich. Weiterhin sollten Bilder erst laden, nachdem alle wichtigen Ressourcen geladen sind.

Der Quelltext ist zwar gut strukturiert und übersichtlich gestaltet, ist mit knapp 3.000 Zeilen aber zu groß. Der eigentliche Inhalt der Seite fängt erst ca. bei Zeile 1.400 an. Weiterhin enthält der Quelltext viel Inline JavaScript, welches ausgelagert werden sollte.

Das Backlink-Portfolio fährt der Konkurrenz hinterher

Für das Backlink-Portfolio erhält Gazelle 2,3 Punkte. Im Vergleich zum Wettbewerber Giant (Links: 2.286 / DomPop: 135) schneidet Gazelle (Links: 685 / DomPop: 127) in der Gesamtanzahl der Links zwar deutlich schlechter ab, bei der Domain-Popularität ist man allerdings nahezu gleichauf. Kettler gewinnt den Vergleich zu Gazelle und Giant allerdings klar und deutlich (Links: 46.723 / DomPop: 502).

Hinsichtlich der Qualität liegt Gazelle deutlich hinter Giant (12 zu 30), hat aber den gleichen Wert bei der Bewertung des LinkResearchTools Power*Trust-Score wie Kettler (beide 12).

Die Deeplinkratio bei Gazelle ist mit 29,6 Prozent deutlich geringer als bei der Konkurrenz. Kettler weist mit einer Deeplinkratio von 96,1 % den höchsten Wert auf, gefolgt von Giant mit 73,7 Prozent.

Potenziale und Nachholbedarf in fast allen Bereichen

Wer als User gazelle.de aufruft und sich durch die Seiten bewegt, gewinnt zunächst einen guten Eindruck. Bei genauer Betrachtung durch die SEO-Brille ergibt sich dann aber ein etwas schwächeres Bild, was sich auch im langfristigen Sichtbarkeitsverlauf niederschlägt. Daher vergeben wir an Gazelle eine Gesamtpunktzahl von 2,7.

Dieser relativ niedrige Score ist das Ergebnis einiger negativer Punkte in fast allen Bereichen unseres Tests. Das bedeutet aber auch gleichzeitig noch großes Potenzial. Im Bereich Content können mit einer besseren Keywordstrategie auf den Produkt- und Kategorieseiten, sowie einer entsprechenden Anreicherung des redaktionellen Contents noch mehr Rankings abgegriffen werden.

Auch in der Suchergebnisdarstellung kann man sich mit einigem redaktionellen Aufwand, verbunden mit der Auszeichnung von strukturierten Daten, vom Wettbewerb abheben.

Neben den redaktionellen Maßnahmen sollte Gazelle in jedem Fall das technische Problem der schlechten Ladezeiten angehen. Dadurch entsteht ein hohes Frustrationspotenzial, vor allem für mobile Nutzer, die sich unterwegs schleppend über Produkte und Kompetenzen informieren können. Auch vor dem Hintergrund, dass Google mehr und mehr Wert auf die Ladezeiten legt.

Zur Methodik: Untersucht wurde im Mai 2019 die Performance in der SEO anhand der fünf Hauptkriterien Content, Keywords, Darstellung in den Suchergebnissen, Technik und Backlink-Portfolio in jeweils drei Unterkriterien. In diesen werden jeweils bis zu fünf Punkte vergeben, deren Mittel dann die Punktzahl des Hauptkriteriums bildet. Deren Durchschnitt wiederum ergibt das Gesamtergebnis von maximal fünf Punkten.

*Über die Autoren: Paul Kieser ist Content Marketing Manager bei Resolution Media, in der die Performance-Geschäftseinheit von UDG United Digital Group nach dem Verkauf an Omnicom Media Group im Jahr 2018 aufgegangen ist. Die SEO-Checks sind Teil der strategischen Kooperation zwischen den beiden Unternehmen, über die UDG United Digital Group weiterhin Performance-Marketing-Services anbietet.


Autor:

W&V Redaktion
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