Geld verdienen im Internet: Tops & Flops der Paywalls 2011
Nicht mehr alles ist kostenlos im Netz zu haben. Viele journalistische Inhalte verstecken sich mittlerweile hinter Bezahlschranken. Lohnt sich das für die Verlage? 2011 hat darauf erste Antworten gegeben.
Gedruckte Tageszeitungen verlieren immer mehr Leser, vor allem an Nachwuchs fehlt es eklatant. Zuwächse gibt es im Netz, doch die kostenlos verbreiteten Nachrichten und Analysen lassen sich über Onlinewerbung allein nicht refinanzieren. Bezahlschranken im Internet galten bereits als gescheitert, weil die "New York Times" nach einer radikalen Version vor einigen Jahren ihre gesamten Inhalte reumütig schließlich doch wieder gratis ins Netz stellte. Umso überraschender dann die Ankündigung Anfang des Jahres, dass man es noch mal versuchen wolle, mit einem anderen, viel "weicheren" Modell. Zwanzig Artikel pro Monat sind weiterhin kostenlos lesbar, wer mehr will, muss für 15 Dollar nytimes.com abonnieren. 324.000 Menschen taten dies bis Ende September, wahrlich keine schlechte Zahl, doch offenbar zu wenig, um das Unternehmen profitabel zu halten. Die New York Times Company machte 31,5 Millionen Dollar Verlust, Verlagschefin Janet Robinson trat daraufhin zurück, Verleger Arthur Sulzberger Jr. übernahm ihren Job übergangsweise. Der Hoffnungsschimmer: Trotz sinkender Verkaufszahlen der Druckausgabe sind die Vertriebseinnahmen der "New York Times" insgesamt, also inklusive der Internet-Ausgabe, um 3,4 Prozent gestiegen. Die stark gesunkenen Werbeeinahmen der Tageszeitung konnten durch die gestiegenen Anzeigenumsätze im Internet allerdings nicht aufgefangen werden.
Mit nytimes.com an der Spitze, der meistbesuchten Nachrichtenseite der Welt im Internet, ist die Zahl der journalistischen Premiummarken, die für ihre Netzausgaben Geld verlangen, inzwischen beträchtlich: Als diesbezüglich erfolgreichste Tageszeitung gilt weiter das "Wall Street Journal", das von einer Million Internet-Abonnenten 65 Millionen Dollar jährlich einnimmt. FT.com, der Online-Auftritt der britischen "Financial Times", verkauft sich monatlich an 230.000 Leser.
Die bisher härteste Türe im Internet hat Rupert Murdoch für seine englischen Traditionsblätter "The Times" und "The Sunday Times" installiert. Einzig deren Startseite ist freigegeben, jeder weitere Inhalt muss bezahlt werden. Mit dieser vorab heftig kritisierten Strategie hat News Corp. inzwischen 111.036 (September, "The Times") bzw. 105.954 ("Sunday Times") Abonnenten einfangen können.Ein Erfolg? Kritiker sind unschlüssig. Der Umsatz liege bei nur 25 Prozent von dem, was andere Tageszeitungen online verdienen, sagte der Medienanalyst Benedict Evans dem britischen Branchendienst "Mediaweek". Acht Pfund (9,60 Euro) kostet das Online-Abo monatlich.
Wenn schon über 100.000 Internet-Abos nur lauwarme Branchenreaktionen verursachen, können die Zahlen, die der Springer Verlag zuletzt im August zu seinen Online-Experimenten veröffentlichte, nur als enttäuschend gelten. 3114 digitale Ausgaben verkauft das "Hamburger Abendblatt" täglich, gar nur 1091 Mal wird für die "Berliner Morgenpost" online bezahlt. Und die Bezieher von Smartphone-Apps und ePaper-Ausgaben finden sich hier sogar miteingerechnet.