Traffic-Rankings zu den Parteien bei der Wahl :
Im Google-Bundestag geht rot-rot-grün

Searchmetrics hat Keyword-Rankings und Social Visibility der Parteien ausgewertet. Suchbegriffe und Sichtbarkeit ergeben ein ganz anderes Bild als die Wahlumfragen.

Text: Susanne Herrmann

Kombiniert man die Anzahl der Top-Suchbegriffe, die zu einer Partei führen (ohne Parteinamen), und die Klicks aufs Suchergebnis, ergeben sich nach Searchmetrics diese Reichweiten, in SItze umgerechnet.
Kombiniert man die Anzahl der Top-Suchbegriffe, die zu einer Partei führen (ohne Parteinamen), und die Klicks aufs Suchergebnis, ergeben sich nach Searchmetrics diese Reichweiten, in SItze umgerechnet.
Wird die CSU mitgerechnet, sind rechnerisch eine Groko und Rot-rot-grün möglich, aber auch Jamaika hat eine Mehrheit.

Wird die CSU mitgerechnet, sind rechnerisch eine Groko und Rot-rot-grün möglich, aber auch Jamaika hat eine Mehrheit.

Gleich mal vorweg: Da sie nicht bundesweit antritt, sondern ausschließlich in Bayern (und hier statt der CDU) wählbar ist, fehlen bei den folgenden Grafiken die Zahlen, die die CSU beigesteuert hätte. Auf diese Stimmen aber kann die CDU zählen - sie ist also selbst im Netz stärker als auf diesem Schaubild.

Und das sieht trotzdem völlig anders aus als das, was derzeit die Wahlumfragen für den kommenden Sonntag anzubieten haben: Da nämlich liegen die Schwesterparteien CDU und CSU solide vorn, die SPD pendelt sich um die 20 Prozent ein, alle anderen kämpfen um Platz drei und damit um ein Quäntchen Einfluss. Im Google-Bundestag hingegen könnten SPD, Linke und Grüne ein ganz solides Bündnis schmieden (sofern man das so nennen könnte): 342 von 598 Sitzen würden sie erringen, wäre es nicht Wählers Stimme, sondern die Kombination aus Suchmaschinen-Rankings (Platz eins im Suchergebnis) und Online-Traffic, die über die Mehrheiten im Bundestag entscheiden würde.

Update: Searchmetrics hat auf Nachfragen wie unter anderem von uns die CSU mit eingebaut. Das Bild, dass dann entsteht, dürfte konservative Wähler beruhigen: Auf Kosten der anderen Parteien legt die CDU mithilfe der CSU auf 193 Sitze zu.

Wird die CSU mitgerechnet, sind rechnerisch eine Groko und Rot-rot-grün möglich, aber auch Jamaika hat eine Mehrheit.

Wird die CSU mitgerechnet, sind rechnerisch eine Groko und Rot-rot-grün möglich, aber auch Jamaika hat eine Mehrheit.

 

Das Netz entscheidet aber nicht. Die Searchmetrics-Analyse ist dennoch spannend. Die Datenprofis haben untersucht, welche Inhalte die Parteien im Netz anbieten und wie diese gefunden und geklickt werden.

Zum Beispiel nach Keyword-Rankings: der Anzahl der Suchbegriffe, für die eine Parteien-Website unter den Top-100-Suchergebnissen zu finden ist. Nach der reinen Anzahl der Suchbegriffe läge die Linke vorn (mit 4589 Keywords), die AfD ganz hinten (mit 779). Update: Mit Einbeziehung der CSU schießen die Schwesterparteien CDU/CUS auf Rang eins. Gemeinsam haben sie 10.025 Keywords in den Top 100 (CDU allein: 4.319).

Allerdings: Betrachtet man den Traffic, der aus den Suchbegriffen resultiert, ist die AfD nicht zu schlagen. 51 Prozent des Traffics entfielen dann auf die AfD, zwischen 13 und 10 auf FDP, SPD und CDU, auf Grüne und Linke je 7 Prozent. Sie platziert sich also zwar nicht bei besonders vielen Keywords unter den Top-Suchergebnisse, dafür aber bei Suchbegriffen mit einem hohen Suchvolumen.

Dabei sind die Parteinamen bei den Suchbegriffen enthalten. Rechnet man sie heraus (Grafik unten), schafft die AfD die Fünfprozenthürde nicht, sofern man die CSU mitrechnet. Ohne die CSU hat die SPD den größten Anteil (35 Prozent, CDU ohne CSU: 26 Prozent).

So verteilen sich die Klicks auf die gefundenen Parteiseiten.

So verteilen sich die Klicks auf die gefundenen Parteiseiten.

Die Searchmetrics-Experten erklären die AfD-Schwäche in dieser Kategorie so: "Dies deutet darauf hin, dass die anderen Parteien eher für informationelle Keywords ranken, während die AfD hauptsächlich für navigationale Begriffe rankt – das heißt: sie werden von Leuten gefunden, die gezielt nach ihrer Webseite suchen. Wer allgemeiner nach einem Thema sucht, landet mit hoher Wahrscheinlichkeit bei einer der anderen Parteien."

Ob das die Sabotage-Theorie der AfD widerlegt oder untermauert? Die Adword-Werbung sei nicht so ausgeliefert worden wie geplant; AfD-Wahlwerber Thor Kunkel klagte, Google benachteilige seine Partei im politischen Wettbewerb.

Mit welchen Themen punkten Parteien im Web?

Searchmetrics hat die Suchbegriffe nach politischen Themen gefiltert und den Traffic-Index für die Top-Themen je Partei ausgewertet. Den besten Gesamtwert erzielt damit die FDP. Die Liberalen punkten bei der Onlinesuche mit Stichworten wie Bildung, (FDP) Flüchtlinge und Soziale Marktwirtschaft; zu diesen Suchbegriffen werden sie viel gesucht und gut gefunden und geklickt (siehe Grafik).

Die FDP platziert sich mit wenigen, aber starken Themen gut bei der Onlinesuche.

Die FDP platziert sich mit wenigen, aber starken Themen gut bei der Onlinesuche.

Im Vergleich dazu, so die Searchmetrics-Auswerter, taucht die CDU für viele Themen nur unter den Top-Suchergebnissen auf, wenn sie in Verbindung mit dem Stichwort "CDU" gesucht werden (Gesamt-Index 185). Update: Ähnliches gilt für die CSU, die aber immerhin einen Indes von 236 erzielt. Gefunden wird die bayerische Partei vor allem mit dem "Bayernplan" und der "Maut". Recht gut gefunden, auch ohne Parteinamen dazu, werden noch die Grünen (Index 274). 

Fazit von Searchmetrics: "In vielen Fällen entsprechen die Keywords den traditionellen Schwerpunktthemen der Parteien. Die Linke rankt für 'Mindestlohn', 'Panama Papers' und 'Rente mit 63 Mogelpackung'. Die Grünen ranken für 'Globalisierung', 'Flüchtlingen helfen' und 'Klimaschutz'. Dass aber die FDP auf Position 9 für 'soziale Gerechtigkeit' rankt, mag für manche eine Überraschung sein."

Im Social Web kommt keiner an der CDU vorbei

Searchmetrics hat auch die Social Visibility ausgewertet, also wie oft die Parteien im Social Web geteilt und geliked werden.  Unangefochtener Spitzenreiter ist die CDU mit einer Social Visibility von 63.777.649. Mit weitem Abstand folgen FDP (4,5 Mio.), Grüne (3,9 Mio.), Linke (2,7 Mio.), SPD (1,8 Mio), CSU (225.000) und AfD (10.959). Nicht viel anders sieht es bei den Spitzenkandidaten auf Facebook aus: Angela Merkel (CDU) hat fast 2,5 Mio. Facebook-Fans, Martin Schulz (SPD) gute 410.000, Sarah Wagenknecht (Linke) 390.000 und Christian Lindner (FDP) 195.000. Grünen-Kandidat Cem Özdemir liegt mit 130.000 deutlich dahinter und gar nicht allzu weit vor AfD-Kandidatin Alice Weidel (85.000). Hier führt Searchmetrics auch die CSU auf - mit dem Kandidaten Joachim Herrmann und seinen 16.000 Facebook-Freunden.

Bei alledem nicht vergessen: ein Klick ist kein Kreuzchen, Traffic nicht gleichzusetzen mit Wählerwillen. Wenn Sie Ihren also kundtun wollen, die Wahlkabinen sind am Sonntag für Ihre Stimme offen.


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Die Lieblingsthemen von @DieRedakteurin reichen von abenteuerlustigen Gründern über Medien und Super Bowl bis Streaming. Marketinggeschichten und außergewöhnliche Werbekampagnen dürfen aber nicht zu kurz kommen.