Interview: Ex-Facebook-Aktionär Peter Kabel glaubt nicht an 104 Milliarden Dollar Börsenwert

Der Börsengang erfolgt heute, 104 Milliarden Dollar ist Facebook nun auf dem Papier wert. Ex-Facebook-Aktionär Peter Kabel hat seine Anteile längst gewinnbringend verkauft und erklärt im Interview, warum er nicht erneut Papiere der Community kaufen wird. 

Text: Leif Pellikan

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Der Börsengang erfolgt heute, 104 Milliarden Dollar ist Facebook nun auf dem Papier wert. Eine gigantische Wette auf die Zukunft. „Ob eine Bewertung angemessen ist, weiß man erst später“, sagt Ex-Facebook-Aktionär Peter Kabel. Er selbst hatte Mitte 2009 für einen knapp sechsstelligen Dollar-Betrag Anteile der Social Community gekauft - und längst wieder vekauft. W&V-Redakteur Leif Pellikan hat mit dem einstiegen New-Economy-Star ein Interview geführt. 

W&V: Herr Kabel, Facebook wird irgendwo zwischen 85 bis 100 Milliarden Dollar bewertet. Ist das absurd? Sie hatten sich bei Facebook 2009 eingekauft, was war seinerzeit Ihre Fantasie für die Firma? 

Peter Kabel: Die Börse bewertet immer die Zukunftsaussichten eines Unternehmens. Ob also eine Bewertung angemessen ist, weiß man daher erst in der Zukunft.  Ich bin Mitte 2009 mit einem knapp sechsstelligen Dollar-Betrag eingestiegen. Damals war die Bewertung etwa 10 Milliarden Dollar. Ich habe meine Aktien dann Ende 2010 wieder verkauft. Die Bewertung lag damals bei etwa 40 Milliarden Dollar. 

Können Sie jetzt einem Freund guten Gewissens raten, Facebook-Aktien zu kaufen?

Zwar hat Facebook bereits eine wahrhaft unvergleichliche Geschichte geschrieben und kann dies unter Umständen auch noch fortsetzen. Aber in den Aktienmärkten zählen nicht zuletzt Vergleiche. Ohne Benchmarks entwickelt sich oft pure Spekulation. Ich würde daher aktuell erst einmal abwarten, wohin sich die Aktie in den nächsten Wochen entwickelt. 

Wann und warum haben Sie die Aktien wieder abgestossen?

Weil ich den Eindruck gewonnen habe, daß die Erwartungen von Investoren und damit auch die Bewertung ins Kraut geschossen waren. Und weil diese Art vorbörslicher Aktien in der Regel nur über sogenannte Special Purpose Vehicles (sinngemäß: private Investmentfonds) gehandelt werden, über die man nicht alleine investiert. Die Gruppe der Investoren, denen ich mich angeschlossen hatte, kamen Ende 2010 alle zum Ergebnis, daß wir verkaufen wollen. 

Wie schwer ist zu beurteilen, ob sich die Wette mit den Facebook-Aktien lohnt? Eine Firma mit 3,7 Milliarden Dollar Umsatz im Jahr 2011 und einer Milliarde Gewinn spricht nicht unbedingt für einen Wert von 104 Milliarden Dollar. Was sind die zentralen Variablen für die Bewertung?

Wachstum, Wachstum, Wachstum: In Bezug auf die Nutzung, beim Umsatz und gleichzeitiger Stabilität bei den Kosten. Außerdem: Wie schnell wird es Facebook gelingen, wichtige Wachstumsmärkte wie den Mobile-Bereich und China zu erschließen? Wie wird es gelingen neben der reinen Werbung vermehrt auch Umsätze aus Transaktionen zu erlösen? Schafft es CEO Mark Zuckerberg genügend Vertrauen bei Verbrauchern und Businesspartnern aufzubauen und auch zu halten, um sensible Geschäfte auf seiner Plattform zu bündeln. 

Kann Facebook mit Werbung in die Regionen von Google vordringen (37,9 Mrd. Dollar Umsatz in 2011)?

Denkbar. Aber das wird noch einige Zeit dauern. Auch Google hat dazu einige Jahre benötigt und das Werbe-Angebot von Google war disruptiv und gleichzeitig vergleichsweise einfach zu verstehen. Werbekunden werden aber Facebook sehr bald im Bezug auf Werbewirkung mit anderen Plattformen wie sie zum Beispiel Google messen.

Bereuen Sie heute den Verkauf Ihrer Facebook-Anteile?

Nein, jeder Investor möchte den Markt immer im Timing schlagen. Das gelingt aber niemandem. Daher macht Reue keinen Sinn. Wenn ich glauben würde Facebook sei aktuell mehr als den Ausgabepreis wert, könnte ich mich ja um den Kauf von Aktien zum IPO bemühen. Was ich übrigens nicht getan habe.

Peter Kabel hatte die Internet-Agentur Kabel New MEdia gegründet, an die Börse gebracht und auch die Insolvenz miterlebt. Danach war er unter anderem Digital-Chef bei Jung von Matt. Heute ist er Hochschulprofessor in Hamburg, Berater, Investor. Zu seinen Beteiligungen zählen unter anderem die Spielefirma und Facebooks größter kunde Zynga, die Flirtsite Meetone und die App-Firma Ijoule.


Autor:

Leif Pellikan
Leif Pellikan

ist Redakteur beim Kontakter und bei W&V. Er hat sich den Ruf des Lötkolbens erworben - wenn es technisch oder neudeutsch programmatisch wird, kennt er die Antworten. Wenn nicht, fragt er in Interviews bei Leuten wie Larry Page, Sergey Brin oder Yannick Bolloré nach. 



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