Interactive Media hat neben T-Online auch rund 60 weitere Medienmarken im Portfolio. Darunter mit Gutefrage.net, Kicker online und NetDoktor.de auch weitere reichweitenstarke- und Premium-Sites. T-Online selbst ist aus Vermarktungsperspektive in mehrfacher Hinsicht interessant: Zum einen kommen viele Nutzer sehr häufig auf die Site, was im Werbeverkauf im Sinne eines schnellen Reichweitenaufbaus ein gewichtiges Argument ist. Zum anderen gilt Interactive Media als Vorreiter im programmatischen Verkauf von Anzeigen, wovon Ströer Digital profitieren wird.

Allerdings hatte die Hängepartie um den Verkauf auch Auswirkungen: Interactive Media ist zuletzt personell ausgeblutet. Allen voran ging Geschäftsführer Philip Missler verloren, der inzwischen bei Amazon das Werbegeschäft leitet. Den Kaufpreis haben daneben zwei Punkte maßgeblich beeinflusst: Ströer darf – anders als es United Internet Media praktiziert - den Mailbereich nicht vermarkten und hat auch keinen Zugriff auf die Nutzerprofile, die durch die Mail-Nutzung entstehen könnten. Daneben dürfte ein weiterer wesentlicher Punkt für die Preisgestaltung das künftige Telekom-Werbebudget gewesen sein. Traditionell war die Telekom mit Abstand größter Kunde von Interactive Media.

Ströer wird nun auch endgültig zum Inhalteproduzenten. In der Ströer Content Group, die bislang eher eine Nebenrolle spielte, rechnet das Unternehmen mit einer besseren Kapitalisierung der Inhalte von T-Online und mit Synergien in beide Richtungen. So solle der Content von T-Online zum Beispiel über das Public-Video-Netz in Bahnhöfen und Einkaufszentren ausgespielt werden.

Allerdings ist das Portalgeschäft auch ein gehöriger Brocken, der Ströers Digitalbusiness deutlich umkrempeln dürfte: Denn bei T-Online arbeiten 255 Mitarbeiter, die täglich Inhalte produzieren und das Portal am Laufen halten. Ströer beschäftigte zum 31. Juni 721 Mitarbeiter im Digital-Business. Hinzu kommen nun auch 166 Personen von Interactive Media. Angesichts des Personals hätte der Kölner Konzern den Vermarkter vermutlich lieber einzeln übernommen. Doch die Telekom war offenbar nicht willens, T-Online weiter als Teil des Unternehmens zu halten – trotz der Tatsache, dass die Kundendaten dieser Nutzer stark mit den Produkten wie Telekom-DSL-Anschlüssen verbunden sind. Diese Kundenbeziehungen sollen auch weiterhin bei der Telekom verbleiben.


Autor:

Leif Pellikan
Leif Pellikan

ist Redakteur beim Kontakter und bei W&V. Er hat sich den Ruf des Lötkolbens erworben - wenn es technisch oder neudeutsch programmatisch wird, kennt er die Antworten. Wenn nicht, fragt er in Interviews bei Leuten wie Larry Page, Sergey Brin oder Yannick Bolloré nach.