Tech-Blogger Sascha Pallenberg :
"Keine Firma bezahlt Foxconn so schlecht wie Apple"

Wenn Apple chinesische Arbeiter ausbeutet - was macht dann eigentlich Samsung? Kurz vor der Ausstrahlung der Skandal-Doku "Apple-Check" hat W&V Online mit Tech-Blogger Sascha Pallenberg über die dunkle Seite des digitalen Lifestyles gesprochen.

Text: Uli Busch

- 7 Kommentare

Am Montagabend zeigt die ARD den "Apple-Check": Aufnahmen aus Produktionshallen der Apple-Zulieferer, in der Arbeiter für Hungerlöhne unter schwierigsten Bedingungen schuften. W&V Online hat mit Tech-Blogger Sascha Pallenberg darüber gesprochen, wie er die Bedingungen vor Ort einschätzt und ob es in den Fabriken anderer Smartphone-Hersteller genauso zugeht. Sascha Pallenberg schreibt von Taiwan aus für Mobilegeeks.de , testet hierfür unter anderem Neuigkeiten auf dem Tablet- und Smartphone-Markt.

Herr Pallenberg, was halten Sie von den WDR-Vorwürfen, dass Apple in China gegen die örtlichen Gesetze zum Arbeitsschutz verstoße?

Auch wenn ich die Sendung natürlich noch nicht gesehen habe, sind das wohl keine neuen Vorwürfe. Apple wird seit gut drei Jahren damit konfrontiert und dieses Thema kommt immer wieder auf. Ich sehe es ehrlich inzwischen ziemlich gelassen. Wenn man zehn Mal in der Tagesschau einen Vulkanausbruch sieht, dann nutzt sich das Thema irgendwann einmal ab und ich bezweifle, dass die ARD hier nur ansatzweise neue Erkenntnisse liefern wird.

Laut Apple will zumindest Foxconn die Arbeitsbedingungen verbessern. Glauben Sie daran?

Nun es liegt vor allen Dingen in der Hand der Zulieferbetriebe diese zu verbessern. Letztendlich sind sowohl Foxconn, wie auch Apple gewinnorientierte Unternehmen. Diese produzieren ja nicht in China, weil sie dort so schöne Landschaften haben oder eine bessere Infrastruktur. Hier geht es um den Profit und der wird auch in Zukunft im Vordergrund stehen. Apple kann versuchen einzuwirken, wird aber immer abwägen müssen wie sich dies dann auf ihre Gewinnmarge auswirkt. Foxconn ist nicht umsonst von Taiwan nach China gezogen. Das ist Raubtierkapitalismus pur und als nächster Standort wird Brasilien auf der Liste stehen.

Viele Apple-Fans kritisieren, dass die Reportage nur Apple beleuchte. Wie sieht es bei anderen Smartphone Herstellern, etwa Samsung und HTC, in den Fabrikhallen der Zulieferer aus?

Apple steht als ehemals wertvollstes Unternehmen im Mittelpunkt der Berichterstattung. Insbesondere auch, weil man sich gerne als fortschrittliche Firma des 21. Jahrhunderts präsentiert, die ganz gezielt ihre Produkte in ein unschuldiges Weiss taucht. Samsung, HP, Dell, Nokia, Acer... die Liste ist lang und die Arbeitsbedingungen sind ähnlich hart. Auch Samsung kam immer wieder ins Visier der Medien wegen angeblicher Kinderarbeiter in seinen Fabriken. In einem unterscheidet sich Apple jedoch von den zuvor genannten Firmen: Keine Firma bezahlt Foxconn so schlecht und setzt die Arbeiter derartigen, immer komplizierter werdenden Fertigungsprozessen aus. Die Zusammensetzung eines iPads wird zum Beispiel mit gerade einmal ca. sechs US-Dollar vergütet, was angesichts des komplizierten Prozesses ein absolutes Schnäppchen ist. Dies ist natürlich auch nur möglich, wenn man in einem Umfeld produziert, welches seine Arbeiter 50 bis 70 Stunden die Woche für gerade einmal 500 Euro arbeiten lässt.

Sie leben in Taipeh. Machen sich die asiatischen Konsumenten - auch weil die Fertigungshallen in direkter Nachbarschaft sind - mehr Gedanken darüber, wie ihr Smartphone entsteht als die deutschen? Wird über das Thema in den Medien in Asien berichtet?

Es ist wie in Deutschland, es macht sich hier niemand Gedanken dazu. Man kann es auf eine ganz einfache Formel bringen: Damit der Hunger der westlichen Konsumenten nach immer neuen Gadgets gestillt werden kann, müssen in Asien Arbeiter leiden. Übrigens heißt dies nicht, dass ich vor dieser Situation resigniere, ich stelle dies einfach nur sehr rational fest. Und nein, das Thema wird hier so gut wie gar nicht aufgegriffen, es sei denn es gibt einen Streik in den entsprechenden Werken.


7 Kommentare

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Anonymous User 21. Juli 2014

@SaschaPallenberg

Lese den Artikel erst jetzt und finde diesen sehr widersprüchlich. Wie kann denn ein Tech-Blogger, der "unter anderem Neuigkeiten auf dem Tablet- und Smartphone-Markt testet", gleichzeitig die westlichen Konsumenten dafür verantwortlich machen, dass in Asien Arbeiter leiden? Richtet sich mobilegeeks.de denn nicht an genau diese Konsumenten ????

Natürlich sind die Arbeitsbedingungen (die sich laut Medienberichten im Jahr 2014 gebessert haben) in vielen Produktionsstätten nicht ok. Es gilt aber, diese zu verbessern und nicht den Konsumhunger zu bremsen. Denn westlicher Käufer kurbeln die Wirtschaft in Asien an und was würden Millionen von Arbeitern machen, wenn das nicht wäre? Auf den Reisfeldern arbeiten?

Anonymous User 4. Februar 2013

@Andreas Pizsa

1. ist Asien ein Kontinent und kein Land, ergo gibt es auch hier ordentliche Unterschiede z.B, zwischen Taiwan, wo ich lebe und Mainland China
2. Sage ich nicht anderen, dass sie es anders machen sollen! Der Satz kommt sicherlich nicht in meinem Interview vor. 500 Euro sind in weiten Teilen Chinas eine ganze Menge Geld. Aber es gibt auch eine Hoechstgrenze der Wochenarbeit-Stunden und die werden bei Foxconn immer wieder ueberschritten, was ergo illegal ist!
3. Meine 400 Euro Blogger in Deutschland stehen nicht 70 Stunden in der Woche am Fliessband, leben auch nicht in Wohnsilos mit 20 Leuten auf dem Zimmer und duerfen nur einmal im Jahr fuer eine Woche zurueck zur Familie.

Um es mal zusammenzufassen... ich verstehe den Kommentar nicht einmal ansatzweise und ehrlich gesagt waere ich derjenige, der nun mit einem dicken WTF antworten muesste ;)

Anonymous User 4. Februar 2013

@Andreas Pizsa
Wir beschäftigen auch 400 EUR-Jobber. Die arbeiten dafür ungefähr 12 bis 20 Stunden in der Woche. Je nachdem. Nicht 70. Und bei uns arbeiten sie in einer sehr lockeren Umgebung, ohne Akkord, wo sie noch viel lernen jeden Tag. Und viel der Zeit ist auch "arbeitsfrei" - z.B. in Meetings und Fortbildungen dabei zu sein.

Ich bin sicher, das ist bei Sascha nicht anders. Also bitte hier nicht andere Leute grundlos diskreditieren. Okay?

Anonymous User 4. Februar 2013

Lebt selbst in Asien.
Lässt in Deutschland drei 400-Euro-Jobber für sich arbeiten.*
Und sagt Anderen, dass sie's bitte anders machen sollen als er.
WTF.

*http://de.wikipedia.org/wiki/Sascha_Pallenberg

Anonymous User 4. Februar 2013

@mrnebu:
Ihre Aussage ist nicht nur arrogant, sondern auch falsch. Apple verkauft nicht mal annähernd die meisten Geräte im weltweiten Schnitt. Viele Android-Pendants gehen vielfach öfter über die Ladentheken. Allerdings drückt Apple die Produktionskosten am aggressivsten und erzielte damit bis vor einiger Zeit nicht zuletzt auch aufgrund der perversen Preispolitik und den riesigen Gewinnspannen pro verkauftem Gerät die größten Renditen.

Anonymous User 4. Februar 2013

Du kannst davon ausgehen, dass Samsung mindestens gleiche Stückzahlen benötigt.

Anonymous User 4. Februar 2013

nennt man mengenrabatt.. keine firma benötigt auch soviele stückzahlen wie apple, deshalb bekommen sie auch den günstigsten preis..

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