"Mich überzeugte auf Anhieb das melodramatische Potenzial der Geschichte", sagt Madconald. "Die Tatsache, dass künstliche Intelligenz einer weiteren Maschine Empfindungen verleiht, sie in eine Art Kampfsituation bringt und sie dann in den Sonnenuntergang entkommen lässt, ist eine starke emotionale Reaktion eines Roboters. Die charmant vereinfachende Art und Weise, wie KI die Geschichte geschrieben hat, fasziniert auf emotionale Weise und ist auch unerwartet genug, um dem Film eine eindeutig nicht-menschliche Note zu geben."

Drehbuch basiert auf ausgezeichneter Autowerbung

Die künstliche Intelligenz wurde, teilt Lexus mit, "mit preisgekrönten Automobil- und Luxuswerbungen gefüttert", die Preise in Cannes gewonnen haben. Dazu kamen Daten von Unruly, um zu verstehen, was Zuschauer anspricht "und wie Aktionen, Objekte, Orte und Emotionalität in verschiedenen Kombinationen und Sequenzen verwendet werden, um die gewünschten Botschaften zu vermitteln". Um die Vorlieben intuitiv agierender Menschen beim Thema Autowerbung kennenzulernen, flossen außerdem die Ergebnisse einer Studie von Mind X (Abteilung für angewandte Wissenschaften der University of New South Wales) ein.

Dennoch sei aber zu beachten gewesen, dass dabei kein beliebiger, austauschbarer Film herauskommen sollte. Darum flossen Daten zur Marke Lexus ein. "Es war ein ebenso anspruchsvolles wie faszinierendes Projekt. Anfangs war es fast unmöglich zu wissen, welche Qualität und Verständlichkeit die KI produzieren würde", sagt Alex Newland, Mitbegründer von Visual Voice. "Umso befriedigender und aufregender ist es, nun den fertigen Film als Ergebnis einer echten, eigenständigen kreativen Leistung zu sehen."

Die Macher kommen zu dem Schluss, dass das Drehbuch der KI "reich an menschlichen Emotionen ist und sich nicht von einem konventionellen, von Menschen geschriebenen Skript unterscheiden lässt". Darüber hinaus verleihe die KI dem Auto "eine überraschende emotionale Tiefe, während das menschliche Verhalten mit einem gesunden Zynismus betrachtet wird – wie beispielsweise die Gewohnheit, Katastrophen auf dem Bildschirm zu betrachten."

KI und Film - das Thema nimmt an Bedeutung zu. So hat zum Beispiel der Kameramann und Produzent Eugen Gross das Start-up Aiconix gegründet, das KI und Machine Learning zur Videooptimierung einsetzt. Dabei analysiert eine Software während der ERstellung von Online- und TV-Videobeiträgen die Strukturen, um "Inhalte optimal an die Bedürfnisse der Zielgruppe anzupassen", damit Klickraten steigen und nicht zu früh ausgeschaltet wird.

„Schreiben KIs die besseren Drehbücher?”


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Die Lieblingsthemen von @DieRedakteurin reichen von abenteuerlustigen Gründern über Medien und Super Bowl bis Streaming. Marketinggeschichten und außergewöhnliche Werbekampagnen dürfen aber nicht zu kurz kommen.