Studie zu künstlicher Intelligenz :
Marketer glauben an KI – nutzen sie aber kaum

Künstliche Intelligenz ist die Zukunft des Marketings. Doch noch gibt es einen großen Unterschied zwischen dem wahrgenommenen Nutzen von KI im Marketing und dem Einsatz. 

Text: Verena Gründel

Die meisten Marketing-Manager haben künstliche Intelligenz im Blick – wissen aber noch nicht genau, wie sie an das Thema rangehen
Die meisten Marketing-Manager haben künstliche Intelligenz im Blick – wissen aber noch nicht genau, wie sie an das Thema rangehen

Künstliche Intelligenz wird im Marketing unverzichtbar. Fast jeder, der im Marketing tätig ist (93 Prozent) attestiert KI eine große Wichtigkeit für die Marketingaufgaben in der nahen Zukunft. Das zeigt die Studie „KI – Die Zukunft des Marketing“ der SRH Hochschule in Berlin/International Management University. Das sind die wichtigsten Erkenntnisse:

  • 87,5 Prozent aller Teilnehmer sagen, dass KI im Marketing mehr eingesetzt werden sollte.
  • 85 Prozent glauben, dass KI das Marketing stark verändert wird. 47 Prozent rechnen sogar damit, dass diese Veränderungen stärker sind als die Veränderungen durch Social Media. Für 55 Prozent wird KI entscheidend sein für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen
  • Jedoch gibt es einen großen Unterschied zwischen dem wahrgenommenen Nutzen von KI im Marketing und dem tatsächlichen Einsatz: Für rund 80 Prozent der Marketing-Manager ist KI wichtig für den Erfolg von Unternehmen, jedoch nutzen nur 31 Prozent KI in ihrer täglichen Arbeit. 
  • Die Marketing-Verantwortlichen sehen sehr positive Effekte auf die Marketing-Kernaufgaben und auch auf die Team-Konstellation: 71 Prozent der Befragten glauben nicht, dass Jobs wegfallen oder die Anzahl von Kreativen im Team reduziert wird.
  • Das eigene Wissen schätzen Marketing-Manager sehr gering ein: Fast ein Drittel der Marketing-Abteilungen haben weniger als 5 Prozent Mitarbeiter, die sich mit Consumer Data & Insights befassen. Den Mangel an Data Scientists sieht die Studienautorin Claudia Bünte, Professorin für International Business Administration mit dem Fokus Marketing/AI im Marketing, als eine der größten Herausforderungen. "Diese Funktionen müssen sehr teuer eingekauft werden, entweder durch hohe Gehälter oder externe Dienstleister." 

Die Studie identifiziert sechs Typen von Marketing-Managern in Bezug auf KI:

  1. Embracer: höchste Zustimmungsraten zu allen KI-Fragestellungen
  2. Data-Driven-Optimiser: KI ist die natürliche, nächste Stufe
  3. Opportunisten: KI = kurzfristige Lösungen für die Marketing-Effektivität
  4. Skeptiker: starke negative Einschätzungen von KI Auswirkungen
  5. Strategen: KI ist richtungsweisend, auch über Marketing hinaus
  6. Pragmatiker: KI ist ein Tool für die Vereinfachung täglicher Aufgaben

Sei ein Pragmatiker, kein Skeptiker

Claudia Bünte

Claudia Bünte, Professorin für „International Business Administration“

In der Studie haben die Manager-Typen "Opportunisten" und "Skeptiker" mit jeweils 27 Prozent die höchste Prozentzahl erreicht. Dagegen werden "vor allem die Pragmatics KI wirkungsvoll einsetzen", sagt Bünte. "Weil sie schnell ausprobieren, ohne überzogene Vorstellungen vom anfänglichen Impact zu haben." Auch der Typ der Data-Driven-Optimiser sei ein Early Adopter in Sachen KI, weil er keine Berührungsängste vor Daten und Algorithmen hat.

Vor allem große Unternehmer und Marktführer nutzen KI sehr stark – ihr Fokus liegt auf der datengetriebenen, langfristigen Nutzung von KI im Marketing. Auch kleine Unternehmen nutzen tendenziell mehr KI, hier insbesondere der Manager-Typ "Pragmatiker". Die tägliche Routine wird hier durch KI reduziert, damit sich die Marketing-Manager mehr um inhaltliche Themen kümmern können – Es scheint einen Zusammenhang zwischen dem aktuellen Einsatz von KI und dem Erfolg des jeweiligen Unternehmens zu geben. 

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Autor:

Verena Gründel

ist seit April 2017 für das Marketingressort der W&V tätig. Davor schrieb sie für iBusiness über Digitalthemen. Nach Feierabend kocht und textet sie für ihren Foodblog – und gleicht das viele Essen mit ebenso viel Sport aus. Wenn sie länger frei hat, reist sie am liebsten mit dem Auto durch Lateinamerika, von Mexiko bis an die Südspitze Argentiniens.