Rechtsradikal und "jugendgefährdend" :
Medienwächter legen 112 Youtube-Seiten lahm

"Unzulässige und jugendgefährdende Musikvideos" gefunden: Youtube sperrt nach einem Tipp der Medienanstalt MA HSH Seiten mit rechtsradikalen Musikvideos. 

Text: Petra Schwegler

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Youtube handelt nach einem Tipp der MA HSH.
Youtube handelt nach einem Tipp der MA HSH.

112 Youtube-Seiten mit rechtsradikalen Musikvideos sind gesperrt. Dort hat die Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein (MA HSH) "jugendgefährdende und indizierte Inhalte" gefunden. Welche Adressen betroffen sind, ist bisher unklar. Nach einem Hinweis der Hamburger an Youtube LLC hat das Google-Unternehmen die betreffenden Inhalte für den deutschen Markt nun gesperrt.

"Dabei handelte es sich um unzulässige und jugendgefährdende Musikvideos, die von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) indiziert worden waren und der rechten Musikszene zuzuordnen sind", heißt es. Das freie Zugänglichmachen dieser Inhalte verstoße gegen Vorschriften des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags (JMStV).

Wie die Medienwächter auf die Inhalte gestoßen sind? Die MA HSH hatte nach eigenen Angaben im Rahmen ihrer Programmbeobachtung systematisch die Veröffentlichung indizierter Musik überprüft. Thomas Fuchs, Direktor der Medienanstalt, lobt nun "die schnelle Reaktion von Youtube auf den Hinweis der MA HSH". Dies sei ein Beleg dafür, dass eine konstruktive und verantwortungsbewusste Zusammenarbeit im Sinne eines effektiven Jugendmedienschutzes möglich sei.

Noch ein Betätigungsfeld für die Medienaufsicht

Nach der Werbung richten damit die Medienwächter bei Youtube den Blick wieder mehr auf die Inhalte. Zuletzt hatte ihnen vor allem die fehlende Kennzeichnung vieler Clips als Reklame aufgestoßen. So verdonnerte die MA HSH den Youtuber Flying Uwe im Juni zu 10.500 Euro Bußgeld – wegen unerlaubter Werbung.

Im zweiten Quartal 2017 hat die MA HSH übrigens bei dreizehn Angeboten Verfahren wegen unzureichender oder fehlender Werbekennzeichnung eingeleitet und Kontakt zu den Anbietern aufgenommen, um auf eine Nachbesserung zu pochen. "Dies führte in elf Fällen zur Anpassung der Werbekennzeichnung auf Youtube und Instagram", heißt es jetzt. 

Übrigens: Ob eine Sperre wirklich viel nutzt, ist fraglich. Reichweitenstarke Portale geben immer wieder Tipps, wie User die Schranken umgehen können … 


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.



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