Interview mit Facebook-Managerin Nicola Mendelsohn :
Mobile Video, Messaging, Mittelstand: Facebooks Pläne für 2017

Der Wachstumskurs des sozialen Netzwerks ist ungebrochen. Doch um ihn beizubehalten, braucht Facebook in Deutschland vor allem KMUs. Facebooks Europa-Vize Nicola Mendelsohn lupft den Vorhang für 2017.

Text: Ralph-Bernhard Pfister

Nicola Mendelsohn ist Facebooks VP EMEA
Nicola Mendelsohn ist Facebooks VP EMEA

Menschen miteinander verbinden, die Welt entdecken lassen und ausdrücken lassen, was sie bewegt – so lautet Facebooks offizielle Mission. Runtergebrochen auf Geschäftliches heißt das: Werbungtreibende die Plattform entdecken lassen, sie mit ihrer Zielgruppe verbinden und ihnen zeigen, wie sie ihre Botschaften platzieren. Um im Werbegeschäft weiter zu wachsen, ist gerade ein Segment in Deutschland wichtig: der Mittelstand. Den will Nicola Mendelsohn stärker aktivieren. Als Vice President EMEA ist sie für über 120 Länder zuständig - Deutschland ist einer der wichtigsten. Und nicht ohne Eigenheiten.

"Deutschland gehört zu den führenden Märkten, was den Übergang zu Mo­bile angeht, gerade bei der Videonutzung. Laut Marktforschung von Millward Brown geschieht bereits heute 42 Prozent der werberelevanten Videonutzung digital", sagt die Britin im W&V-Interview. "Wir nähern uns dem Moment, an dem mehr Videoinhalt digital und besonders auf Mobilgeräten als auf Fernsehern konsumiert wird. In vielen Aspekten ist Deutschland ein Land, in dem die Verbraucher sehr fortgeschritten sind und sich sehr schnell bewegen – viel schneller als die Werbungtreibenden."

Diese Langsamkeit gehört zu den Dingen, die Mendelsohn und die deutsche Facebook-Mannschaft unter Marianne Bullwinkel in den Griff bekommen wollen. Der Appell der Britin ist deutlich: "Ich denke, die Werbungtreibenden hier haben nicht so schnell auf den Wandel im Medienkonsum reagiert wie in anderen Märkten. Die Balance stimmt in Deutschland nicht, damit müssen wir uns beschäftigen. Wenn die Menschen hier über drei Stunden täglich damit verbringen, sich Inhalte auf ihren Smartphones anzusehen, dann müssten Werbungtreibende dort auch vertreten sein. Um mit ihren Botschaften in relevanter und personalisierter Form präsent zu sein, könnten Unternehmen mehr tun – und da sollten sie sich fragen, ob ihre Balance im Marketingmix stimmt."

Gerade kleine und mittlere Unternehmen will Facebook vom Marketing auf der Plattform überzeugen. Diesem Zweck dienen Programme wie die E-Learning-Plattform Blueprint oder eigene Events. "Wir bieten solche Fortbildungen an, weil es wichtig ist, die Kreativ-Community und unsere ­Partner mitzunehmen, denn wir entwickeln uns sehr schnell", erläutert Mendelsohn. Und verweist auf Erfolge: "Mehrere Tausend Unternehmen haben dort gelernt, wie sie Facebook und Instagram nutzen können, um ihre Geschäftsziele zu erreichen. Und die meisten davon haben inzwischen Videos und Videowerbung gepostet."

Der Vorteil für die KMUs: Der Budgeteinsatz ist deutlich niedriger als etwa bei TV. Und mit dem richtigen Händchen können sie hier Konkurrenz mit dickerem Geldbeutel auch überholen. Facebook jedenfalls betont, dass einige der cleversten Werbungtreibenden auf der Plattform KMUs seien.

Mehr zu Facebooks Unterstützung für kleinere Unternehmen, zur Positionierung in Debatten um Joint Industry Committes und zu den großen Trends wie Mobile und Video lesen Sie in W&V 50/51.


Autor:

Ralph Pfister
Ralph-Bernhard Pfister

Ralph Pfister ist Koordinator am Desk der W&V. Wenn er nicht gerade koordiniert, schreibt er hauptsächlich über digitales Marketing, digitale Themen und Branchen wie Telekommunikation und Unterhaltungselektronik. Sein Kaffeekonsum lässt sich nur in industriellen Mengen fassen. Für seine Bücher- und Comicbestände gilt das noch nicht ganz – aber er arbeitet dran.