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Netflix schockt Anleger

Es geht nicht mehr so steil bergauf wie gewohnt - jetzt straft die Börse Netflix für zu wenig Wachstum.

Text: W&V Redaktion

Die zentrale von Netflix hat schlechte Nachrichten für die Anleger.
Die zentrale von Netflix hat schlechte Nachrichten für die Anleger.

Der Online-Videodienst Netflix ist im zweiten Quartal nicht so stark gewachsen wie allgemein erwartet - was die Anleger prompt abstraften. Im US-Heimatmarkt kamen in den Monaten April, Mai, Juni 670.000 neue Nutzer hinzu, international waren es 4,47 Millionen. Analysten und auch Netflix selbst hatten mit deutlich größerem Wachstum gerechnet. Ende Juni brachte es der Streaming-Riese insgesamt auf gut 130 Millionen Mitgliedschaften.

Der Ausblick auf das laufende Vierteljahr kam ebenfalls nicht gut an: Netflix, das derzeit etwa in Indien große Expansionspläne verfolgt, geht von fünf Millionen neuen Nutzern aus. Die Prognosen der Analysten hatten bei 6,3 Millionen gelegen. Im abgelaufenen Quartal schoss der Umsatz im Jahresvergleich um 40 Prozent auf 3,9 Milliarden Dollar in die Höhe, blieb aber ebenfalls unter den Erwartungen.

Obwohl der Gewinn in den drei Monaten bis Ende Juni verglichen mit dem Vorjahr von 65,6 Millionen auf 384,3 Millionen Dollar (328,0 Millionen Euro) wuchs, war die Enttäuschung an der Wall Street groß. Allerdings zählte Netflix zuvor auch lange zu den Überfliegern an der Börse - seit Jahresbeginn hatte sich der Aktienkurs schon mehr als verdoppelt. Einige Experten hielten eine Korrektur deshalb schon länger für unausweichlich. Nach einer starken Kursrallye neigen Anleger dazu, bei Anzeichen einer möglichen Trendwende Gewinne mitzunehmen.

Streaming-Marktführer Netflix versucht indes, die Konkurrenz mit immensen Investitionen auf Abstand zu halten. Das Unternehmen bekräftigte in seinem Quartalsbericht, dieses Jahr bis zu acht Milliarden Dollar in neue TV-Produktionen zu stecken. Rivalen wie Amazon, Hulu oder der Bezahlsender HBO geben bei Weitem nicht so viel aus, doch bald will Disney einen eigenen Streaming-Service starten. Netflix rechnet mit verschärftem Wettbewerb, betonte aber gegenüber Aktionären, dass der Markt "genug Platz für mehrere Parteien" biete.

Bereits gestern wurde bekannt, das Netflix in den USA seine Marketingausgaben zur Abonnentengewinnung massiv erhöht hat: 100 Dollar kostet jeder neue Zuschauer, hat ein Marktforschugnsunternehmen errechnet.

W&V-Redaktion/dpa


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