Sascha Lobo: "Ich versuche, interessant zu bleiben"

Social-Media-Missionar Sascha Lobo referierte bei der Vok Dams „Sommer-Trend-Tour“. Dort sprach W&V mit ihm über Events, junge Werber, Eigenmarketing und seinen ersten Roman.

Text: Katja Schönherr

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Social-Media-Missionar Sascha Lobo referierte bei der Vok Dams „Sommer-Trend-Tour“. Dort sprach W&V mit ihm über Events, junge Werber, Eigenmarketing und seinen ersten Roman.

W&V: Sie sind der Meinung, Social Media und Events seien "eine Art Zwillingspärchen“. Warum?
Lobo: Sie haben zwei zentrale Elemente gemeinsam. Erstens: Sowohl Events als auch in zunehmendem Maße die Kommunikation in sozialen Medien finden in Echtzeit statt. Zweitens: Beides beruht auch auf sozialer Interaktion. Der pompöseste Event ist schließlich nichts wert, wenn die anderen Teilnehmer doof sind. Für soziale Netzwerke gilt dasselbe.

Wie lassen sich diese Gemeinsamkeiten fürs Marketing nutzen?
Man muss sich ihrer Wechselwirkung bewusst sein. Der Anlass für Kommunikation ist doch das Erleben. Und wenn man etwas Tolles erlebt hat, ist man auch dazu bereit, sich im Internet weiter auszutauschen. Diese Wechselwirkung wird besonders wichtig, weil Veranstaltungen heute nicht nur zu einer Zeit an einem Ort stattfinden, sondern zusätzlich im Netz dokumentiert werden. Wenn man zu einem angeblichen Sensationskonzert nur zwei maue Twitter-Botschaften findet, wird man schnell miss­trauisch.

Haben Werbeagenturen das Social Web verstanden?
Manche, zum Glück längst nicht alle, versuchen leider immer noch, auf dieselbe Art und Weise Geld zu verdienen wie in den letzten 50 Jahren. Aber es hat sich zu viel verändert; sie müssen sich auf die sozial vernetzte Kommunikation einlassen. Übrigens halte ich Agenturen heute für notwendiger als je zuvor. Gerade Markenkommunikation ist so vielschichtig geworden, da ist in jeder Hinsicht intensive, vor allem strategische Beratung gefragt.

Haben Sie beim ADC-Festival in Frankfurt nicht noch auf die Agenturen geschimpft?
Den Werbe-Nachwuchs hatte ich da gerügt, weil kaum einer der Jungen beim ADC und den vielen zugehörigen Veranstaltungen getwittert hat. Man kann sich nicht als professionelle Kommunikations-Avantgarde fühlen, dann aber nichts Neues ausprobieren und im Kinospot die Krone der Werbeschöpfung sehen. Es steht jedem frei, Twitter oder Facebook doof zu finden. Aber bevor man urteilt, muss man sich mal die Mühe machen, es kennenzulernen – schon aus einer hoffentlich vorhandenen Kommunikations-Professionalität heraus.

Werden Social-Media-Kampagnen oft nur halbherzig angegangen?
Die allermeisten Kampagnen werden halbherzig angegangen, aber bei Social Media fällt’s eben auf. Wenn Millionen Menschen einen Kinospot doof finden, ist nicht sicher, dass ein Verantwortlicher davon auch nur erfährt. Bei Social Media ist das vollkommen anders, da schreiben die Menschen ihren Kommentar einfach ins Netz.

Was meinen Sie, wie lange der Hype um Sie persönlich noch anhält?
(lacht) Na, für immer! Im Ernst: Was meine eigene Marke angeht, so beherzige ich, was ich auch Unternehmen rate: Ich versuche, interessant zu bleiben. Das kann man zum Beispiel erreichen, indem man beständig Neues produziert. Ich habe gerade einen Roman geschrieben.

Etwa über die Liebe in Zeiten von Facebook?
Nein, er hat mit dem Internet wenig zu tun, außer dass er während der New Economy spielt. Falls es jemanden interessiert, also hoffentlich alle: Das Buch heißt "Strohfeuer“ und erscheint im September bei Rowohlt Berlin. Hochklassige Experten für Markenkommunikation dürften Anleihen an meine Person auf dem Cover wiedererkennen.


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