Wirtschaftskammer Österreich :
Shitstorm: Dieser Film für den 12-Stunden-Arbeitstag regt die User auf

Mehr als 12.000 Dislikes sind schon eine reife Leistung für ein 3-Minuten-Video eines Wirtschaftsverbands aus Österreich. Darum sind die User so erbost. 

Text: Annette Mattgey

Einfach mal Urlaub machen: Die angeblichen Vorteile des 12-Std-Tags.
Einfach mal Urlaub machen: Die angeblichen Vorteile des 12-Std-Tags.

Sie hatte es doch nur gut gemeint, die Wirtschaftskammer Österreich. "Geht’s dem einen gut, geht’s uns allen gut", lautet der wiederkehrende Claim ihres aktuellen Werbevideos, das seit Montag online ist. Darin erläutert der Verband die seiner Meinung nach ausschließlich positiven Auswirkungen einer Flexibilisierung der Arbeitszeiten bis hin zum 12-Stunden-Arbeitstag. Kurzurlaube, Freizeitgestaltung, Familie - alles besser machbar.

Allerdings ist das Vorhaben, das nun von der rechtskonservativen Regierung angepackt wird, seit Jahren umstritten. Bislang ist in Österreich in der Regel nach acht Stunden Feierabend, aber nun soll es Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern erlaubt sein, freiwillig bis zu vier Stunden länger zu arbeiten. Vizekanzler Heinz-Christian Strache, argumentiert, dass viele Bauarbeiter ein solches Modell gerne nutzen würden, weil sie dann schon am Freitag freinehmen und Zeit mit der Familie verbringen könnten.

Um für ihr Anliegen zu trommeln, hat die Wirtschaftskammer Österreich rund 54.000 Euro in einem 3-minütigen Animationsfilm investiert. Auch eine eigene Homepage gibt es.

Hier das umstrittene Video:

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Unter dem Youtube-Video wurden inzwischen mehr als 500 Kommentare hinterlassen, viele empören sich über den "Sommerhit 2018" und die "Propaganda". Die Urheber geben sich einsichtig: "Wir sind davon überzeugt, dass die flexiblen Arbeitszeiten ein Gewinn für alle sind: für die ArbeitnehmerInnen, für die Betriebe und für den Standort. Wir haben aber auch verstanden, dass Sie mit unserer Darstellung der flexiblen Arbeitszeiten nicht einverstanden sind. Wir möchten Sie daher zu einer sachlichen Diskussion Ihrer Bedenken auf Facebook einladen."

Doch auch bei Facebook überwiegen die kritischen Stimmen.


Autor:

Annette Mattgey, Redakteurin
Annette Mattgey

Seit 2000 im Verlag, ist Annette Mattgey (fast) nichts fremd aus der Marketing- und Online-Ecke. Für Markengeschichten, Kampagnen und Karriere-Themen hat sie ein besonderes Faible. Aus Bayern, obwohl sie "e bisi anners babbelt".