ARD-Reportage :
Shitstorm über Amazon: ARD zeigt Online-Händler als Ausbeuter

Nach der kritischen ARD-Reportage "Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon", tobt die Diskussion über den Online-Händler im Social Web. Neben zahlreichen schockierten Usern gibt es auch solche, denen die massiven Vorwürfe gleichgültig sind.

Text: Franziska Mozart

14. Feb. 2013 - 3 Kommentare

Nach der kritischen ARD-Reportage "Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon", tobt die Diskussion über den Online-Händler im Social Web. Viele User geben bei Facebook und Twitter ihre Boykott-Absichten bekannt und kommentieren den ARD-Beitrag. Der Großteil zeigt sich empört über die ausbeutenden Arbeitsbedingungen, unter denen Leiharbeiter aus dem EU-Ausland für Amazon arbeiten, über menschenunwürdige Unterkünfte und über eine Security-Firma mit möglichen Verbindungen zur Neo-Nazi-Szene.

"Ich kaufe bei denen sicher nichts mehr" - "Schämen Sie sich!" - "Was ich auf ARD gesehen habe ist erschreckend, und menschenunwürdig. Werde nie wieder was über Amazon Bestellen und ich hoffe, ihr werdet das gleiche tun." So und ähnlich lesen sich viele Kommentare auf der deutschen Facebook-Seite von Amazon. Doch die Diskussion ist so hitzig, wie es angesichts der emotional packenden Dokumentation zu erwarten ist. Denn gleichzeitig werfen viele Usern den Empörten vor, sich moralisch ambivalent zu verhalten, wenn sie einerseits nun Amazon verteufelten, andererseits aber T-Shirts tragen, die in Fern-Ost unter ebenfalls menschenunwürdigen Bedingungen produziert wurden. "Kommt doch mal von dem Gutmenschentum runter. Das hält doch eh nur bis zum nächsten Superangebot", so einer der vielen Vorwürfe.

Amazon selbst schweigt weiterhin zu den Vorwürfen, sowohl im Social Web, als auch angesichts der Anfragen, die zahlreiche Redaktionen nun an die Amazon-Pressestelle gerichtet haben, etwa Spiegel Online. Das passt allerdings zur Kommunikationsstrategie, die sich auch schon in der ARD-Reportage gezeigt hat. Auch bei den Reportern Diana Löbl und Peter Onneken hat sich das Unternehmen trotz mehrmaliger Anfragen nicht gemeldet.


3 Kommentare

Kommentieren

Anonymous User 16. Februar 2013

Ich finde auch, dass die Tatsache, dass Amazon 15% Provision von den Verkäufer verlangt und keine MwSt bezahlt ist absurd. Eine einfache Rechnung vom 100% eines Produktes sagen wir von 100 € sind 50% Wareneinsatzkosten, 19 % sind MwSt und 15% Amazon Provision. Das bedeutet, von 100 € bleibt für den deutschen Händler nur 16 €. Davon zahlen die meisten Händlern noch Verpackung und Versand. Und es bleiben nur 10 €.
Der Händler hat eine Sklavenarbeit, generiert keine Arbeitsstelle in Deutschland, da mit ein solcher Hungerlohn kann niemand bezahlt werden und dazu zahlt Amazon keine Steuer in der EU.
Aber wer ist Verantwortlich für diese Misere? Eigentlich die Deutschen Kunden die lieber teurer bei Amazon kaufen, als bei den deutschen Händlern von kleinen Shops.

Anonymous User 14. Februar 2013

Gesetzeslücken zum Sparen von Steuern würde ich auch jederzeit geschäftlich ausnutzen. So funktioniert der Markt, auf dem wir uns mittlerweile bewegen. Es ist Aufgabe der Politik solche Möglichkeiten für alle gleich und zum gleichen Zeitpunkt abzuschaffen. Ein Unternehmen allein kann als gutes Beispiel niemals etwas erreichen. Und oft ist es sogar egal das schlechte Beispiel zu sein. Wenn man billig ist kaufen die Leute trotzdem.

Und zum Thema Leiharbeiter: 8,50€ sind nicht die versprochenen 9,50€ aber auch nicht gefühlt Sittenwidrig. Darum mussten die Reporter da auch so mit Prozenten rumschwirbeln um es skandalös klingen zu lassen. Das vorher 9,50€ versprochen wurden sowie eine Anstellung bei Amazon direkt ist natürlich trotzdem frech.

Viel schlimmer fand ich den Teil über H.E.S.S. erst wollte ich lachen, ist mir aber irgendwie im Hals stecken geblieben.

Anonymous User 14. Februar 2013

Ich habe bei Amazon in Deutschland Werne von August bis Ende Dezember 2012 gearbeitet. Arbeiter, also Menschen, zählen bei dem Unternehmen rein gar nichts.
Diese Problematik und dazu, dass Amazon in Deutschland kaum Steuern zahlt, sollte vielmehr durch die Presse publik gemacht werden.

-An dieser Stelle aber schon mal ein Dank an die Presse, die in Vergangenheit immer mehr berichtet hat und schon zu Veränderungen geholfen hat- Ein Dank von mir und allen anderen zig tausend Menschen denen damit geholfen wurde!.

Ändern tut sich erst dann was, wenn den Kunden von Amazon immer mehr deutlich vor Augen gehalten wird, wem diese da eigendlich die Milliarden Umsätze zu gute kommen lassen, ich bin davon überzeugt, dass die nächste Bestellung mal nicht mehr bei Amazon getätigt werden würde.
Denn das ist das EINZIGE Druckmittel gegen Amazon- Verringerung der Umsätze- nur dadurch, lassen sich bei diesem Unternehmen Veränderungen erzielen und diese dazu zwingen, würdevoller mit den Menschen umzugehen.

Wenn ich jetzt alle Missstände hier aufzeigen wollte und wie mit Menschen dort umgegangen werde, müsste ich quasi hier einen kleinen Roman schreiben.

An alle Kunden: überlegt euch bitte einmal, ob ihr wirklich noch bei Amazon bestellen wollt. Wenn Euch die Situation der Menschen egal ist, dann vieleicht nicht, dass Amazon in Deutschland z.B. keine Umsatzsteuer bezahlt und so z.B. den kleinen Buchhändler mit den ganzen Familien die dort dran hängen, in den Ruin treibt.

Amazon nutzt jede Gesetzeslücke und so führt Amazon seine Umsatzsteuer von fast 4% in seiner in Luxemburg ansässigen Hauptzentrale ab, statt 19% in Deutschland zu bezahlen.
Die kleine Buchhändlerin kann da nicht mehr mithalten.

Wenn Amazon in Deutschland derartige Gewinne erzielt aufgrund der hier vorliegenden Infrastrukturen, dann sollen gefälligst auch hier die Steuern bezahlt werden. Von uns allen wurden die doch geschaffenen Infrastrukturen wie Straßen, Schienen etc. etc. bezahlt- dann sollen Milliardenumsätze auch logischer weise den Deutschen zu gut kommen, die mal dafür gezahlt haben

Diskutieren Sie mit