Jolanta Baboulidis, Geschäftsführerin von Twitter in Deutschland: "Während die Nutzer vieler anderer Plattformen eher sagen: 'Schau mich an', sagen die Nutzer von Twitter ganz klar: 'Schau dir das hier mal an'. Das macht Twitter einzigartig. Menschen, die Twitter nutzen, sind aufgeschlossen und neugierig. Sie möchten Neues entdecken und dies mit der Gemeinschaft teilen und diskutieren. Das macht sie so wertvoll als Werbezielgruppe."

Kaufkräftige Multiplikatoren

Bei ihrem Amtsantritt im März hatte die Staatsministerin für Digitales, Dorothee Bär (CSU), im Interview mit der Welt halb im Schwezr gesagt, auf Twitter seien "ohnehin nur Politiker, Journalisten und Psychopathen unterwegs". Und dass Twitter "auch nicht der Hort der Innovation in Deutschland" sei (dort waren ihre Aussagen zu Flugtaxis mit Häme quittiert worden).

Die Analyse von Twitter und Kantar Media zeichnet ein anderes Bild der Twitterer als gebildet, einkommensstark und markenbewusst (was Politiker, Journalisten und Psychopathen nicht ausschließt). Damit seien die deutschen Twitter-Nutzer eine besonders attraktive Zielgruppe für die Markenkommunikation. Laut Kantar Media und Twitter verfügen 28 Prozent von ihnen über ein monatliches Haushaltseinkommen von mehr als 3000 Euro (Internetnutzer: 23 Prozent). 37 Prozent haben einen akademischen Abschluss (Internetnutzer: 27 Prozent).

Für qualitativ hochwertige Produkte (54 Prozent, Internetnutzer: 49 Prozent) seien sie bereit, mehr zu bezahlen. Erst recht, wenn das Produkt von einer bevorzugten Marke stammt (49 Prozent vs. 41 Prozent). Habe eine Marke das Vertrauen der Twitter-Nutzer gewonnen, zeigen diese sich loyal und nehmen häufiger an Treueprogrammen teil (41 Prozent vs. 33 Prozent).

Ein Problem bleibt, dass sich via Twitter Unwahrheiten schneller verbreiten als korrekte Meldungen; Twitter reagierte darauf zuletzt unter anderem damit, gegen falsche Profile stärker durchzugreifen. Andererseits hat der Kurznachrichtendienst davon profitiert, dass Facebook in diesem Jahr seinerseits Probleme mit Fake Accounts und Fake News, Updates und Datenschutzskandalen hatte.

Einer PwC-Befragung im Sommer zufolge erwarteten nur 27 Prozent der Bundesbürger, auf Social-Plattformen wahrheitsgemäße Meldungen zu finden (Zeitungen: 56 Prozent). 39 Prozent schenken Facebook heute weniger Vertrauen als noch vor zwei Jahren. Bei Twitter sind es 31 Prozent weniger, bei YouTube 29 Prozent.

Im Frühjahr meldete Twitter schwarze Zahlen (61 Mio. Dollar Gewinn) - dank steigender Nutzerzahlen und Werbeerlöse. Für das dritte Quartal 2018 meldete das Unternehmen 326 Millionen aktive Nutzer weltweit, Facebook 2,27 Milliarden.


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Die Lieblingsthemen von @DieRedakteurin reichen von abenteuerlustigen Gründern über Medien und Super Bowl bis Streaming. Marketinggeschichten und außergewöhnliche Werbekampagnen dürfen aber nicht zu kurz kommen.