Lösen Wearables bald Telefone ab? :
So will Apple seine Watch anschieben

Telefonieren ohne Telefon - respektive Smartphone: Das bietet ausgerechnet Apple nun an. Der Konzern hat vor zehn Jahren mit seinem iPhone den Handymarkt revolutioniert.

Text: Susanne Herrmann

Mit der Armbanduhr telefonieren, auch ohne dass das Smartphone in der Nähe ist: Das kann die Apple Watch Series 3.
Mit der Armbanduhr telefonieren, auch ohne dass das Smartphone in der Nähe ist: Das kann die Apple Watch Series 3.

Kommt nun die Wearables-Revolution aus Cupertino? Die Apple Watch Series 3, die es seit Freitag zu kaufen gibt, kann nun auch telefonieren. Wer sehr aktiv oder mit leichtem Gepäck unterwegs ist, braucht sein Smartphone also gar nicht mehr mitzunehmen - und kann, so verspricht Apple, trotzdem Telefonate, Textnachrichten, Musikstreaming, Siris Assistenzdienste nutzen.

Ok: So ganz ohne Telefon geht es nicht. Die Apple Watch Series 3 (GPS + Cellular) funktioniert nur, wenn der Besitzer ein iPhone seit Serie 6 daheim liegen hat und darauf das aktuelle Betriebssystem iOS 11 läuft. Und doch: Indem Apple erneut das tut, womit es seine bisherigen Erfolge erzielte, bahnt sich hier unter Umständen Richtungsweisendes an.

Wo ist der Haken an der telefonierenden Watch?

Ein Software-Fehler kann unterwegs für Verbindungsprobleme sorgen. Der Grund dafür ist die Verknüpfung mit bekannten WLAN-Netzen. Nach Recherchen des Apple-Blogs "iMore" geht de Apple Watch nach Möglichkeit in Wifi-Netze, um die Batterie zu schonen. Mit WLANs, in die das iPhone des Nutzers einmal eingeloggt war, verbindet sich die Uhr aber dummerweise selbst dann, wenn eine Passworteingabe oder die Zustimmungs erforderlich sind. Da die Uhr dafür keine Eingabemöglichkeit hat, kann es also passieren, dass das Gerät in einem WLAN ohne Internet-Verbindung feststeckt.

In Deutschland kann sie zum Start nur im Mobilfunknetz der Deutschen Telekom genutzt werden. Apple Watch und iPhone müssen beim selben Mobilfunkanbieter sein - das macht die Variante "Cellular" derzeit für Kunden anderer Anbieter weniger attraktiv. Bisherigen Angaben zufolge ist auch kein Roaming möglich, selbst in anderen europäischen Ländern, wo es kostenlos wäre.

Und dann ist das noch der Preis: Die sparsamste Ausführung geht los bei 450 Euro - teurer wird es dann je nach Armband und Ausführung. Für Sportler gibt es Nike-Designs, die ebenfalls schon für 450 Euro zu haben sind. Die Ausführung Hermes geht bei 1250 Euro los.

Was kann die Apple Watch 3?

Die Akustik ist viel besser als bei den älteren Modellen: Auch die konnten ja in der Nähe des iPhones bisher als Freisprechanlage eingesetzt werden - mit teils mäßiger Tonqualität. "Verblüfft" über die Verbesserungen der Series 3 waren beispielsweise die Kollegen von der "FAZ". Außerdem biete sie mehr Rechenleistung und arbeite so deutlich schneller.

Siri auf der Watch kann nun sprechen. Und sie ist es auch, die auf die Daten in der Cloud zugreift, wichtiges aufs Display liefert - und so langfristig dsa iPhone vielleicht doch eines Tages überflüssig macht.

310,4 Millionen Wearables werden 2017 verkauft werden, errechnet IT-Berater Gartner - etwa 17 Prozent mehr als 2016. Allein 41,5 Millionen Smartwatches sollen in diesem Jahr über den Tisch gehen, prognostiziert das Beratungsunternehmen. "Sie sind auf dem Weg, von 2019 bis 2021 neben Bluetooth-Headsets die meistverkauften Wearables zu sein", schreiben die Analysten. Für 2021 rechnen sie mit fast 81 Millionen verkauften Smartwatches. "Smartwatches sind auf dem Weg, bis 2021 das größte Umsatzpotenzial aller Wearables zu haben", sagt Angela McIntyre, Research Director bei Gartner.

 


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Die Lieblingsthemen von @DieRedakteurin reichen von abenteuerlustigen Gründern über Medien und Super Bowl bis Streaming. Marketinggeschichten und außergewöhnliche Werbekampagnen dürfen aber nicht zu kurz kommen.