10 Jahre Twitter :
"Twitter gibt seinen Nutzern mehr Kontrolle"

Twitter feiert sein zehnjähriges Bestehen. Gute Gelegenheit für ein Fazit für den deutschen Markt. Ein Gespräch mit Deutschland-Chef Thomas de Buhr in etwas mehr als 140 Zeichen.

Text: W&V Redaktion

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Twitter feiert seinen zehnten Geburtstag. Entspannt zurücklehnen wird sich der in Medien- und Kommunikationsbranche so beliebte Dienst jedoch nicht. Die Rolle als Themen- und Meinungsmedium soll geschärft, eine bessere Plattform für Vermarkter entwickelt und das vielen immer noch zu komplexe Nutzererlebnis vereinfacht werden. Ein Gespräch mit Deutschland-Chef Thomas de Buhr.

Herr de Buhr, Twitter feiert sein zehnjähriges Bestehen. Ganz so lang sind Sie hier noch nicht dabei, aber: Wie fällt ihr Fazit für die Entwicklung im deutschen Markt aus?

Absolut positiv. Deutschland ist für Twitter ein ungemein wichtiger Markt und entsprechend investieren wir hier sehr stark. Im letzten Jahr haben wir in Hamburg ein neues Büro eröffnet, ein Sales-Team aufgebaut und ein wirklich starkes Umsatzwachstum erreicht. Am Standort in Berlin haben wir vor kurzem ein neues Büro bezogen und das Team in Deutschland seit Anfang 2015 von unter 10 auf jetzt fast 30 Personen ausgebaut. Mit dem Wachstum 2015 sind wir sehr zufrieden und verfolgen einen mittel- bzw. langfristigen Wachstumsplan. Über die letzten Jahre hat sich Twitter zu einem essenziellen Bestandteil der deutschen Gesellschaft entwickelt. Von der Bundestagswahl 2013 über die Weltmeisterschaft 2014 bis zu den Gesprächen rund um den sonntäglichen Tatort ist Twitter der Ort, an dem sich in Deutschland News ereignen und an dem darüber debattiert wird. Das gilt auch für Marken und Werbetreibende.

 

Aha. Wo steht Twitter denn in Deutschland in Zahlen, was Nutzer, aber auch Werbegeschäft angeht?

 Mit 320 Millionen Nutzern pro Monat und über 500 Millionen Tweets täglich erreicht Twitter ein globales Publikum aus potenziellen Kunden. Twitter vernetzt Menschen auf der ganzen Welt zu Themen, die ihnen wichtig sind. 12 Millionen Menschen kommen daher jeden Monat auf die deutsche Plattform, eingeloggte und nicht-eingeloggte Besucher zusammengenommen. Weltweit haben wir im letzten Quartal 710 Mio US-Dollar Umsatz gemacht. In Märkten wie Deutschland, in denen wir unter 10 Prozent unseres globalen Umsatzes machen, schlüsseln wir die Einnahmen zwar nicht auf, aber auch hier läuft es sehr gut.

 

Welche Rolle spielen Sie in den Mediaplänen?

Eine immer wichtigere, schließlich hat sich Twitter zu einem relevanten Marketingkanal entwickelt, dessen Reichweite und Vielseitigkeit als Marken-, Werbe- und Serviceplattform für große und kleine, lokale und internationale Unternehmen Mehrwert bietet. Allein in Deutschland sind über 90 Prozent der Top 100 Werbekunden auf Twitter aktiv. Gleichzeitig finden Werbetreibende auf der deutschen Plattform in Relation zu anderen sozialen Netzwerken ein überdurchschnittlich einkommensstarkes und gebildetes Publikum. Außerdem ist die deutsche Medienelite quasi vollzählig vertreten, so dass wertvolle Kontakte zu Meinungsbildnern aufgebaut werden können.

 

Und welche Rolle wollen Sie perspektivisch spielen?

Wir werden unseren Stellenwert sukzessive ausbauen. Twitter verfolgt einen systematischen Fahrplan, um die Marketing-Leistungen zu verbessern. Dazu zählen die Entwicklung einer leistungsfähigen Plattform für Vermarkter, verbesserte Möglichkeiten bezüglich Messung, Bidding und Relevanz sowie Erhöhung der Bandbreite im Twitter-Angebot.

 

Sie haben kürzlich eine Studie zu Engagement Marketing durchführen lassen. Wie viel Aufbauarbeit ist im Werbemarkt für Twitter noch zu verrichten? Gibt es Branchenfelder, die sie gezielt ansprechen wollen?

Auch für Unternehmen gilt: "Twitter ist, was Du daraus machst!" Mit einer zunehmenden Palette an Werbeformaten können Marken ihre Zielgruppen effektiver denn je erreichen. Twitters Werbe-Produkte schaffen zugleich eine Brücke zu Kunden und zu anderen Medien in der Sales-Unterstützung, Marken-Pflege, Customer Service oder Employer Branding.

 

Andere Social-Media-Angebote haben Twitter in den Nutzerzahlen überholt – und stoßen auch durch die ihnen zugeschriebenen Zielgruppen auf großes Markeninteresse. Gibt es einen Plan gegen Instagram, Snapchat & Co.? Wird Twitter zunehmend visueller?

Grundsätzlich konzentrieren wir uns auf uns selbst. Wir arbeiten immer an der Verbesserung von Twitter. Und dabei geht es selbstverständlich auch um visuelle Features. In den letzten Monaten ist hierzu bei Twitter bereits viel passiert: Periscope hat seinen globalen Siegeszug angetreten und kann inzwischen direkt in der Timeline abgespielt werden, die GIF-Search wurde gestartet und selbstverständlich stehen nach wie vor Foto-, Video- und auch unser Vine-Tool zur Verfügung. Darüber hinaus haben wir zusammen mit Yelp das Geo-Tagging optimiert. Und speziell für Werbekunden ist jüngst erst das Video-Format "First View" hinzugekommen, dass wir gemeinsam mit Volkswagen als erstem Werbekunden in Europa exklusiv gestartet haben.

 

Oder liegt die Lösung eher in der Fokussierung auf die eigene Kernzielgruppe – in Deutschland Medien- und Kommunikationsbranche - und die Echtzeitkommunikationsrolle?

Die Lösung liegt in der Fokussierung auf die einzigartigen Kompetenzen von Twitter. Und dazu zählt insbesondere der Live-Charakter. Nur auf Twitter tauschen sich die Nutzer über alle Grenzen hinweg zu den Themen aus, die sie gerade beschäftigen - öffentlich und live. Für Marken bietet sich damit die herausragende Möglichkeit, sofort und live auf Ereignisse zu reagieren, die in ihrem Themenumfeld stattfinden, und sich als Teil einer Gemeinschaft zu positionieren.

 

Zur Euro 2016 startet ja auch eine Kooperation mit Ströer. Große Live-Events oder auch feststehende Ausstrahltermine von Tatort bis Oscar-Verleihung gehören zu den Situationen, in denen Twitter diesen Echtzeitcharakter ausspielen kann. Mit welchen Maßnahmen wollen Sie diesen Teil noch pushen?

Eine der großen Stärken von Twitter ist die Live-Kommunikation. Entsprechend verfolgen wir einen langfristig angelegten Fahrplan, um die Plattform kontinuierlich weiterzuentwickeln und zu verbessern. Alle neuen Funktionen, Updates und Maßnahmen zahlen darauf ein, Twitter noch einfacher, persönlicher und interessanter zu machen. Twitter gibt seinen Nutzern mehr Kontrolle über das Produkterlebnis und das, was ihnen wichtig ist. Die Nutzer entscheiden selbst, wie sie Twitter erleben möchten, welche Funktionen sie für sich nutzen und wie sie ihr Erlebnis personalisieren.

 

Soll gerade das Aufgreifen von Sportthemen auch ein Hebel sein, um mehr Nutzer für Twitter selbst zu gewinnen?

Durchaus, schließlich bieten Sportthemen und -ereignisse wie die EM und Olympia in diesem Jahr mit ihrem hohen Emotionalisierungsgrad perfekte Anlässe, um sich auf Twitter live und unter Gleichgesinnten auszutauschen. Aber Twitter ist viel mehr. Twitter ist ein digitaler Ort des Weltgeschehens, auf dem sich die Dinge live ereignen und weiterentwickeln. Menschen und Medien nutzen Twitter, um Neuigkeiten zu teilen, sich auf dem Laufenden zu halten und darüber zu reden.

 

Wie sieht es mit weiteren neuen Ansätzen für den deutschen Markt aus, etwa dem Rollout von Moments oder auch der Inhalte- und Werbeaussteuerung auf Drittseiten oder in Apps?

Selbstverständlich ist es unser Ziel, neue Funktionen anzubieten, die das Erlebnis weiter verbessern: Schon heute können sich Gruppen bei Twitter selbst organisieren und gemeinsamen Interessen nachgehen. Dieses Erlebnis möchten wir deutlich ausbauen und mehr Möglichkeiten zu Verfügung stellen. Wir wollen auch die Rolle von Twitter als Themen- und Meinungsmedium im Produkterlebnis weiter schärfen. Schon heute bietet Twitter zahlreiche Möglichkeiten, Themen zu suchen, Inhalte zu finden und zu teilen. Neben den Nutzern selbst sollen dabei auch immer die Werbetreibenden von den Entwicklungen profitieren.


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