In allen Sparten verbreiteten sich unwahre Inhalte, am häufigsten jedoch waren politische Themen betroffen. Mit deutlichem Abstand folgten Tweets oder Retweets zu modernen Mythen (urban legends), und dann mit weiterem Abstand solche zu Wirtschaft, Terrorismus, Wissenschaft, Unterhaltung und Naturkatastrophen.

Der Schnellballeffekt für Unwahres nahm mit der Zeit zu und war in den US-Wahlkampfjahren 2012 und 2016 besonders stark.

Lügen sind spannender

Ein wichtiger Punkt, der offenbar zum Weiterleiten anregt: Unwahre Inhalte wirken den Forschern zufolge oft spannender, neuartiger auf die Twitter-Nutzer. Ihre Antworten darauf zeigen größere Überraschung, stärkere Angst und mehr Ekel. Wahre Nachrichten hingegen lösten öfter traurige Reaktionen aus, aber auch Vorfreude und Vertrauen.

Software-Roboter, die automatisch Tweets absetzen, treiben die Weiterverbreitung von Unwahrheiten dabei eindeutig an - aber: "Menschliches Verhalten trägt mehr zur unterschiedlichen Ausbreitung von Unrichtigem und Wahrheit bei als automatisierte Roboter", schreiben die Forscher. Das solle man auch bei der Bekämpfung dieses Trends im Blick behalten.

Plattformen in der Pflicht

Auch andere US-Experten glauben, dass man Mittel gegen die Ausbreitung von unwahren Behauptungen im Netz finden muss. Ob dies alleine durch Fakten-Checks gelingen kann, bezweifeln der Politikwissenschaftler David Lazer (North Eastern University) und mehr als ein Dutzend Kollegen in einem "Science"-Begleitartikel jedoch. Viele Menschen bevorzugten schlicht Informationen, die ihre vorhandenen Sichtweisen bestätigen.

Die Fachleute sehen deshalb vor allem die Anbieter Sozialer Medien in der Pflicht. "Die Plattformen könnten den Konsumenten Hinweise auf die Qualität der Quellen liefern." Auch könnten sie aus den sogenannten Trending-Themen die Aktivität von Bots herausfiltern. Trotz erster derartiger Ansätze sollten Facebook, Twitter und Co. dabei mit unabhängigen Fachleuten zusammenarbeiten. "Wir müssen unser Informations-Ökosystem für das 21. Jahrhundert neu designen." Das könne aber nur interdisziplinär und in weltweiter Zusammenarbeit gelingen.


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W&V Redaktion
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