Dmexco 2018 :
Video, Voice und KI: Das sind die Dmexco-Trends

Wie gehen Kreativität und Künstliche Intelligenz zusammen - und was ist dem User wichtig? So sehen Branchenexperten die Zukunft. 

Text: W&V Redaktion

Alexandra Kolleth, Direktorin für den Bereich Marketinglösungen und Mitglied der Geschäftsleitung von Linkedin DACH:
Alexandra Kolleth, Direktorin für den Bereich Marketinglösungen und Mitglied der Geschäftsleitung von Linkedin DACH:

Jan Bechler,  Gründer von Finc3 und Partner der OMR:

"Über die neue CI und die neue Ausrichtung ist ja schon viel geschrieben worden. Vor allem das Ziel, von einer Messe, die einmal jährlich stattfindet, zu einem ganzjährigen Medium zu werden, kommt uns bei OMR ja nicht ganz unbekannt vor. Ob und wie es den Kollegen gelingt, das umzusetzen, bin ich besonders gespannt und meine Aufmerksamkeit geht daher vor allem über die Messe im September hinaus. Bezüglich der zwei Messetage selber bin ich gespannt, ob die unruhige See, in der die dmexco in den letzten Monaten gewesen ist, signifikanten Einfluss auf Qualität und Quantität der Besucher und Aussteller haben wird. Denn am Ende wird in Köln entschieden, ob das neue Konzept der dmexco inhaltlich und wirtschaftlich aufgeht."

Alexandra Kolleth, Direktorin für den Bereich Marketinglösungen und Mitglied der Geschäftsleitung von Linkedin DACH:

"Ein bemerkenswerter Trend im Marketing ist, dass immer mehr B2B-Marketer auf Native Video Advertising setzen. Im Vergleich zu anderen Werbeformen bietet Videowerbung mehr Raum für Storytelling und Kreativität, gleichzeitig sorgt die native Platzierung für mehr Aufmerksamkeit und Interaktionen. Früher war das Format fast ausschließlich bei B2C-Marketern beliebt, mittlerweile hat sich der Wind jedoch gedreht: Laut einer Umfrage von Linkedin unter deutschen Marketing-Experten haben Unternehmen in Deutschland 2017 knapp 250.000 Euro für B2B-Videoanzeigen ausgegeben."

Adam Singolda, Founder und CEO von Taboola:

Taboola

"Video hat sich als effektive Plattform für das Storytelling für Marken und als Wachstumstreiber in der Monetarisierung für Publisher herauskristallisiert. In diesem Jahr hat die Branche sehr viel Zeit in die Idee des 6-Sekunden Videos investiert und ich bin gespannt, wie es sich weiterentwickeln wird. Ein weiterer Trend: Mobile Devices entwickeln sich zu einer Art von SEO, da diese ein Massenpublikum ins Open Web leiten. Nutzer schauen ohne bestimmte Intention pro Tag ca. 80 x auf ihr Smartphone. Dies ist eine große Chance für Publisher, personalisierte Nachrichten für Leser von Qualitätsinhalten bereitzustellen. Ich bin begeistert, dass einer der größten Schwerpunkte der Konferenz in diesem Jahr AI ist. Ich glaube Themen wie AI, VR, Mixed Reality, autonome Fahrzeuge und Drohnen, Audio und bessere medizinische Systeme sind die Zukunft und sie entstehen hauptsächlich durch Revolutionen wie Deep Learning."

Florian Haller, Hauptgeschäftsführer der Serviceplan Gruppe:

"Die Dmexco bleibt für mich die digitale Leitmesse unserer Branche mit einem internationalen Anspruch – hier geht die Messe meines Erachtens einen richtigen und wichtigen Weg. Ich erwarte mir allerdings wieder mehr Nähe zu den essentiellen Fragen von Marke, Medien und Kommunikation in Zeiten der Digitalisierung. Und dafür etwas weniger Bombardement durch Technologiedienstleister."

André Gebel, Vorstand Beratung und Strategie von Coma:

"Ich glaube, dass wir uns zunehmend mit Voice beschäftigen werden, da die Beliebtheit von Sprachassistenten wie Alexa stetig steigt. Einzig die KI hinter der Hardware hinkt den Anforderungen noch etwas hinterher und lässt so manche Euphorie im Keim ersticken. Augmented Reality könnte mit den Bestrebungen von Snapchat und Facebook (Shopping Ads) eine Renaissance erleben und mit IGTV werden wir im Bereich Videodreh ein bisher eher spärlich genutztes Format von 9:16 im Fokus sehen. Es wird nicht mehr primär für TV & YouTube, sondern für Instagram und die neue randlose Smartphone Generation produziert. Eine "Social First"-Denke und Produktion wird zum wichtigen Indikator für den Erfolg von Kampagnen."

Klaus Schwab, Geschäftsführer und Partner der Plan.Net Gruppe:

Plan.net

"Wir beschäftigen uns gerade intensiv mit der Frage, welche Rolle Künstliche Intelligenz bei der kreativen Entwicklung von Marketingmaßnahmen spielen kann. Wie wird KI die Kreationsaufgaben in Zukunft verändern? Hat KI dabei das Potential auch zur schöpferischen Kraft zu werden oder bleibt es immer "nur" ein Werkzeug im Kreativprozess? Ich bin davon überzeugt, dass in KI noch Möglichkeiten stecken, die wir bisher noch nicht mal erahnen können. Dafür arbeiten wir gerade mit KI-Experten an Lösungsansätzen und Prototypen, die uns im kreativen Prozess unterstützen können."

Christopher Kollat, Managing Director DACH von Monotype:

"In Kürze ist es soweit und die dmexco, für mich bislang eine der wichtigsten Veranstaltungen im digitalen Marketing, öffnet wieder ihre Tore. Seit dem letzten Jahr hat sich viel getan: ein neues Management, ein mutiger Relaunch, eine geschärfte Positionierung und das Ziel, von der Messe zum Medium zu werden. Wir von Monotype sehen die diesjährige Dmexco als einen Wendepunkt für die Veranstaltung, der sie für die kommenden Jahre definieren wird. Wir freuen uns, dass die Messe einen stärkeren Fokus auf die DACH-Region legen wird und gleichzeitig auch weiterhin globale Marken miteinschließt. Auch wenn es Startschwierigkeiten geben könnte, ist und bleibt die Dmexco ein wichtiges Forum für den Austausch von Best Practices und innovativen Ideen im digitalen Marketing."

Rolf Illenberger, CEO und Gründer von Viond:

"Das neue Konzept der Dmexco klingt überzeugend. Der Wandel von der reinen Messe hin zu einer begleitenden Plattform wird zu mehr Vernetzung auch außerhalb der Messe führen. Und ich freue mich natürlich auf die Experience Hall, in der die neue Dmexco VR Lounge zu finden sein wird. Dort erhalten Aussteller die Möglichkeit, sich mit einer VR Experience auf ganz neue Art vorzustellen. Viond wird als Partner der Dmexco für die Umsetzung der Technologie sorgen und ich freue mich bereits heute auf die Ideen und Projekte, die von den Ausstellern kommen werden. Ich bin zuversichtlich, dass VR in den kommenden 3 bis 5 Jahren in jedem Marketing-Mix zu finden sein wird."

Tim Nedden, Gründer und Geschäftsführer von Finc3 Commerce:

Ich finde aktuell drei Themen besonders spannend: Zweifelsohne der weitere Ausbau der Advertising-Lösungen im Amazon-Universum. Die Kombination aus massiven Reichweiten auf und außerhalb von Amazon mit harten User- und Kaufdaten bietet für Marken fast aller Branchen noch extreme Wachstumspotenziale. Hier wird es spannend sein, wie sich Amazon selber entwickelt, wie aber auch das Ökosystem drumherum wachsen wird. Insgesamt schauen wir stark auf den wachsenden Einfluss von KI-Lösungen, um zu verstehen, wie wir durch deren Einsatz die Effektivität und Effizienz im Performance Marketing weiter steigern können. Aufgrund meiner Vergangenheit in der Radio-Branche fasziniert mich derzeit die weitere Entwicklung im Audio-Marketing- und Voice-Bereich. Durch Google Home, Alexa und Co werden Radio und Audio endlich rückkanalfähig und ich bin gespannt zu sehen, welche neuen Möglichkeiten hier entstehen."

 Simon Umbreit, Mitgründer und Geschäftsführer der Oddity Group:

Oddity

"Die Full-Service- und "Digitalagentur"-Angebote erreichen das Ende ihres Lebenszyklus und müssen sich selbst transformieren. Welcher Markt bleibt neben im Kern IT-implementierenden und extrem spezialisierten Formaten? Wer ist mutig genug neue Formate ins Rennen zu schicken? Das wird in den kommenden Jahren entscheidend sein. Spannend ist auch, wie sich der Markteintritt von chinesischen Anbietern in Deutschland weiter gestalten wird. Wird WeChat WhatsApp verdrängen? Oder wird sich WhatsApp als zentrale und alles steuernde App durchsetzen? Im Bereich Commerce erwarte ich in Europa einen spannenden Wettbewerb zwischen Amazon und Alibaba. In Zuge dessen bin ich gespannt, welches Konzept sich durchsetzt und ob es weiteren Playern gelingen wird hier in Deutschland relevante Angebote aufzubauen. Die Zukunft ist noch nicht geschrieben."

Marcus Reiser, Managing Director von 21TORR:

 "UX-Design, Customer Experience Plattformen, native App-Lösungen und AI sind bei uns akute Kernthemen. Wir sehen einen klaren Trend, der in Richtung zukunftsorientierter Services und Plattformen geht, mit deren Hilfe Unternehmen Prozesse vereinfachen und automatisieren, sowie in rasanter Geschwindigkeit neue Produkte und Services in den Markt bringen können. Weiterhin beschäftigen uns auch Vermarktungskonzepte und Kampagnen, um die entstandenen Services gezielt und digital-first zu kommunizieren."

Thomas Weyand, Vice President DACH bei ContentSquare:

"Chatbots sind ein Zukunftsthema: Sie versprechen Kundenservice in Echtzeit, tagsueber wie nachts – und das bei geringen Kosten für Unternehmen und ihre Kunden. Ein Segen kann der Einsatz von Chatbots aber nur sein, wenn die künstliche Intelligenz auch in adäquater Weise auf Kundenwünsche reagiert. Organisationen müssen daher die Benutzererfahrung mit Chatbots für den Kunden so reibungslos wie möglich gestalten. Deshalb ist es wichtig, die automatisierten Antworten regelmäßig zu optimieren und an das (Chat-)Verhalten der Kunden anzupassen. Entscheidend für den Erfolg von Chatbots wird sein, dass Lösungen die Interaktionen zwischen Nutzern und Chatbot so gut analysieren und dass das daraus gewonnene Wissen so genutzt werden, dass die automatisierten Antworten des Bots immer besser an die tatsächlichen Bedürfnisse und das Verhalten des Kunden angepasst werden können."

Volker Helm, Managing Director DACH & Nordics von Quantcast:

Quantcast

"Alexa oder iRobot gehören heute schon zum Alltag. Roboter und künstliche Intelligenz erleichtern unser Leben und nehmen uns Arbeit ab. Klar ist, hier ist noch Luft nach oben. Auch was KI und Automatisierung im Marketing betrifft. Wir werden in Zukunft intelligente Systeme sehen, die mehr und mehr operative Aufgaben im Marketing übernehmen werden. Persönlich spannend finde ich zudem das ganze Thema Augmented Reality und virtuelle Welten – Technologien, die auch aus Marketingsicht interessant sind."

Frank Unger, Regional VP bei Zuora:

"Ein wichtiger Trend für das digitale Marketing ist die Subscription Economy. Geschäftsmodelle befinden sich im Wandel, Verbrauchsmodelle werden immer flexibler, angefangen beim Bikesharing bis hin zum Cloud Computing. Außerdem wünschen sich Kunden mehr Personalisierung. Innovative Abonnementprodukte und -dienstleistungen lassen kein festes Konzept zur Preisgestaltung pro Verbrauch zu. Das Marketingteam sollte sich voll und ganz auf die Ausarbeitung von Kampagnen fokussieren, die während der laufenden Vertragszeit den durchschnittlichen Umsatz pro Benutzer weiter erhöhen. Um Preise und Verpackungen kreativer und proaktiver gestalten zu können, bedarf es einer Plattform, die alle Abläufe flexibel unterstützt, ohne einzuengen.“

Helge Ruff, Geschäftsführer von OneTwoSocial, München:

"Das Unternehmen ist von einem sozialen Netzwerk zu einem Konzern gewachsen. An Facebook, Instagram und Whatsapp geht derzeit kein Weg vorbei. Die Herausforderung für Facebook ist jedoch, seine Angebote langfristig attraktiv zu halten. Entwickeln sich die Plattformen nicht weiter, langweilen sich die Nutzer über kurz oder lang. Auf der anderen Seite gibt es derzeitig auch wenig Konkurrenz zu befürchten. Plattformen wie Vero sind schneller wieder verschwunden, als dass man sich an sie gewöhnen konnte. Daher ist meine Prognose, dass sich das Unternehmen auch langfristig attraktiv hält, in dem es verstärkt auf Video-Content (auch Live) setzt und das Network mit neuen interaktiven Elementen anreichert. Das Thema AR könnte in diesem Zusammenhang eine Rolle spielen, denn Realität und Digital vermischen sich zunehmend. Trotzdem muss sich der Konzern vor Angreifern schützen. Die bisherigen Akquisitionen waren rückwirkend sehr smart. Ich bin sicher, dass bald weitere Plattformen als auch komplementäre Geschäftsmodelle auf der Einkaufsliste von Mark Zuckerberg stehen."


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