Facebook-Datenskandal :
Was Smartphone-Hersteller über Facebook-Nutzer wissen

Nach Cambridge Analytica gibt es neue Vorwürfe in Sachen Datenmissbrauch gegenüber Facebook. Diesmal waren Handyhersteller die Nutznießer.

Text: W&V Redaktion

Der nächste Datenskandal bei Facebook kündigt sich an: Wie die New York Times erfahren haben will, hat Facebook mit rund 60 Telefonherstellern, darunter Apple, Microsoft und Samsung, über ein Jahrzehnt lang Nutzerinformationen ausgetauscht. In den Datensätzen fanden sich Angaben über die Ausbildung der Facebook-Nutzer, ihren Beziehungsstatus, ihre Arbeit, ihre politische Einstellung, Religionszugehörigkeit und geplante Event-Besuche.

Die Daten sollen über die integrierten APIs der Telefone ausgetauscht worden sein. Diese APIs wurden von Facebook bereits vor einem Jahrzehnt gelauncht und erlaubten es den Geräteherstellern, Facebook-Features wie den Like-Button oder Messaging auf ihren Telefonen zu integrieren. Damit wollte das Social Network seine Verbreitung steigern. Facebooks VP für Produkt-Partnerschaften, Ime Archibong, reagierte prompt auf die Vorwürfe. Man habe mit den Partnern Abkommen unterzeichnet, die die Nutzung der Facebook-Informationen nur gestatten, um Facebook auf den Geräten nutzbar zu machen, heißt es in einem Blog-Posting.

Außerdem seien die Facebook-Funktionen auf den Geräten nur mit Zustimmung eines Nutzers aktiviert worden. "Und im Gegensatz zu Behauptungen der "New York Times" waren Daten von Freunden - wie etwa Fotos - nur auf den Geräten zugänglich, wenn Leute sich entschieden hatten, ihre Informationen mit diesen Freunden zu teilen", schrieb Archibong.

In Deutschland löste der Zeitungsbericht nach dem jüngsten Datenskandal um Cambridge Analytica empörte Reaktionen aus der Politik aus. Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) erklärte, der Fehler liege im Facebook-System. "Es ist ein Geschäftsmodell, seine Nutzer bis ins Kleinste auszuforschen, und die Daten mit Geschäftspartnern auszutauschen." Elisabeth Winkelmeier-Becker aus der Unionsfraktion warf die Frage auf, "ob Facebook aufgrund seiner falschen Rechtsansicht auch an anderer Stelle bewusst Nutzerdaten ohne dazu berechtigende Einwilligung weitergegeben hat". Facebook hatte die Schnittstellen vor einigen Wochen in Unterlagen für den Bundestag erwähnt.

mit dpa


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