Bitkom-Studie :
Wie die Deutschen zu digitalen Finanzprodukten stehen

Digitale Finanzprodukte sind im Kommen. Doch wenn es um das liebe Geld geht, sind die Deutschen misstrauisch. Die Bitkom hat nachgefragt.

Text: W&V Redaktion

Für die Studie befragte der Bitkom 1.007 Menschen ab 14 Jahren.
Für die Studie befragte der Bitkom 1.007 Menschen ab 14 Jahren.

Für digitale Finanz-Angebote sieht der IT-Verband Bitkom künftig großes Potenzial. Laut einer aktuellen Studie können sich rund 25 Prozent der Internetnutzer vorstellen, online einen Kredit aufzunehmen, sieben Prozent haben das schon getan. "Die digitale Wirtschaft verändert unseren Umgang mit Geld", sagte Ulrich Dietz, Vizepräsident des Bitkom am Montag. Sogenannte Fintechs, Start-ups aus der Finanzbranche, seien dabei wichtige Treiber in dem hochregulierten Sektor, der traditionell als sehr konservativ gelte.

70 Prozent der Internetnutzer führen demnach Bankgeschäfte bereits heute online durch. Am meisten genutzt werden dabei von ihnen herkömmliche Anwendungen wie der Abruf des Kontostands (100 Prozent) und Überweisungen tätigen (96 Prozent). Neue Kreditkarten fordern dagegen nur noch 13 Prozent der Befragten online an, eine persönliche Finanzberatung haben nur noch sechs Prozent in Anspruch genommen.

In vielen Fällen wird demnach schon das Smartphone für Bankgeschäfte genutzt. "Der Trend beim Online-Banking geht weg vom Desktop-PC und hin zu mobilen Geräten", sagt Dietz. "Dabei wird das Smartphone noch weiter an Bedeutung gewinnen, vor allem dank innovativer Apps, die Online-Banking auf dem Mobilgerät immer intuitiver und unkomplizierter machen."

Darüber hinaus entstünden derzeit viele Modelle wie die Peer-to-Peer-Finanzierung. Dabei treten auch private Personen als Kreditgeber auf. Zwei Prozent der Internetnutzer haben sich der Befragung zufolge über diesen Weg bereits Geld geliehen, neun Prozent könnten es sich vorstellen. Der Trend zur Peer-to-Peer-Finanzierung oder dem sogenannten Crowdlending sei noch nicht besonders ausgeprägt, sagt Dietz. Die Angebote würden aber auch noch nicht so gut funktionieren.

Viele Nutzer würden heute Digitalunternehmen ihr Geld anvertrauen, doch dafür bestehe noch großer Aufklärungsbedarf, betonte Dietz. Der Studie zufolge gaben 67 Prozent der Befragten an, die Finanzwelt immer weniger zu begreifen, 66 Prozent meinten, sie verstünden digitale Angebote überhaupt nicht. "In Sachen Benutzerfreundlichkeit ist noch viel zu tun", sagte Dietz. "Banken und Fintechs müssen jetzt Aufklärungsarbeit leisten und Vertrauen aufbauen."

Dabei komme derzeit eine "Tsunami-artige Flutwelle von Fintechs auf die Verbraucher zu". Viele von ihnen würden im Vergleich zur traditionellen Finanzindustrie vielfach Nischenprodukte anbieten. Zuletzt gab es auch zahlreiche Übernahmen kleiner Start-ups durch große Branchenplayer. "Wir werden noch eine Marktbereinigung bei den Fintechs erleben", sagte Dietz.

Ein zentraler Faktor sei auch die Treue der Nutzer zu ihrer Bank. Drei Viertel der Nutzer in Deutschland hätten noch niemals ihr Konto gewechselt, aber nur 23 Prozent sind mit ihrer aktuellen Bank tatsächlich zufrieden. 67 Prozent der Befragten gaben als Grund an, dass der Aufwand für einen Wechsel sehr hoch sei, fünf Prozent wussten demnach gar nicht, wie sich das Konto kündigen lässt.

Für die Studie befragte der Bitkom 1.007 Menschen ab 14 Jahren, darunter 814 Internetnutzer und 572 Online-Banking-Nutzer.

Hier einige wichtige Felder und Akteure im Überblick:

Online-Banken:

Seit jeher gehörte zum Bild einer Bank ein Netz von Filialen. Mit dem Internet ist es möglich, alles online zu erledigen - selbst bei der Kontoeröffnung hält man den Personalausweis vor die Kamera. So kann eine Bank massiv Geld sparen. Laut Bitkom führt fast ein Drittel der Verbraucher die Bankgeschäfte inzwischen ausschließlich über das Web. Zugleich hat das Modell seine eigenen Kostenfallen für die Anbieter und ist eine Herausforderung beim Kundenservice, wie man jüngst bei der Berliner Firma Number26 sehen konnte. Das Unternehmen kündigte einigen Kunden, weil sie sehr häufig Geld abgehoben hätten - das ist für sie kostenlos, aber die Online-Bank muss jedes Mal Gebühren bezahlen. Weil sich Number26 Zeit mit einer Erklärung ließ, gab es Kritik im Internet.

Andere Anbieter wie MyBucks wollen mit Hilfe von Internet-Technologie Kunden mit kleinem oder mittlerem Einkommen in wachstumsstarken Schwellenländer optimierte Kredite vermitteln. Um die Bonität und Kreditwürdigkeit der Kunden zu prüfen, setzt das Unternehmen technologie-basiertes Scoring und selbstlernende Algorithmen ein. Damit solle der "Teufelskreis der Armut" durchbrochen werden.

Peer-to-peer-Kredite:

Man muss sich das Geld nicht unbedingt von einer Bank leihen, wenn andere Menschen nach einer Anlagemöglichkeit suchen - das ist die Geschäftsidee. Online-Plattformen wie LendingClub, Auxmoney oder Lendico wollen die Seiten zusammenbringen, Algorithmen sollen das Ausfallrisiko kleinhalten. Das Versprechen sind niedrigere Zinsen für Kreditnehmer und höhere für Sparer. Auch hier ist der Verzicht auf klassische Infrastruktur ein wichtiger Kostenfaktor: "Wir brauchen keine Bankentürme", sagen die Manager. LendIt schloss sich im Oktober mit Funding Circle zum größten Vermittler zwischen Investoren und kreditsuchenden Firmen zusammen. Zugleich ist auch das neue Geschäft nicht frei von Problemen: Der Pionier LendingClub wurde vom Vorwurf finanzieller Unregelmäßigkeiten erschüttert, Gründer Renaud Laplanche trat zurück.

Geldanlage:

Neben Peer-to-Peer-Krediten gibt es noch andere Möglichkeiten, wie Sparer Geld bei Fintechs anlegen können. So nutzen Anbieter wie Weltsparen die Zinsdifferenz zwischen verschiedenen Ländern für Anlage-Chancen außerhalb des Heimatlandes.

Günstige internationale Überweisungen:

Überweist man Geld von einem Land ins andere, werden oft relativ hohe Gebühren fällig. Start-ups wie Transferwise aus London sahen darin eine Marktlücke und bieten den Service günstiger an.

Mobile Payment:

Auf den ersten Blick ist es egal, ob man beim Bezahlen eine Bankkarte nutzt oder ein Smartphone vor das Lesegerät hält. Doch damit können zum einen die Geldströme im Hintergrund anders verlaufen - die Mobil-Zahlungen werden oft von Kreditkartenfirmen wie Mastercard oder Visa abgewickelt. Zum anderen vermuten Experten, dass damit die Kundenbindung zur Hausbank geschwächt werden kann, unter anderem weil sie weniger präsent ist. Eine andere Lösung sind Kartenleser, die Smartphones oder Tablets zu Kassengeräten machen. Kleine Unternehmen sollen damit auch mehr Daten der Kunden nutzen können, die sie bei Bar-Zahlungen nicht erhalten.

Überweisung innerhalb von Apps:

Schnell den Anteil an einem Abendessen überweisen - dafür will man sich keine großen Umstände mit dem Eintippen langer Kontonummern machen. Dienste wie die ehemalige Ebay-Tochter PayPal lassen dafür direkt in der App Geld schicken.

Onlinekauf auf Kredit:

Das schwedische Start-up Klarna wurde damit groß, jetzt springt auch PayPal auf den Zug auf - statt einer Bank ermöglichen Online-Firmen das Einkaufen auf Pump im Internet.

Blockchain:

Der Technologie der Digital-Währung Bitcoin wird zugetraut, herkömmliche Verfahren zur Absicherung des Zahlungsverkehrs abzulösen. Das Prinzip ist, dass verschlüsselte Daten über alle Transaktionen nacheinander gespeichert werden (daher auch der Name "Blockchain", Kette von Blöcken). Da die gesammelten Informationen an vielen Orten aufbewahrt und jedes Mal abgeglichen werden, fallen eventuelle Manipulationen sofort auf. Neben Start-ups schauen sich auch traditionelle Institute die Technologie an. Ein Nachteil des Systems ist die ständig wachsende Größe der Blockchain, die jedes Mal übermittelt werden muss.


Autor:

W&V Redaktion
W&V Redaktion

Nicht alle W&V-Artikel erscheinen unter dem Namen eines einzelnen Autoren. Es gibt unterschiedliche Gründe, warum Artikel mit „W&V-Redaktion“ gekennzeichnet sind. Zum Beispiel, wenn mehrere Autoren daran mitgearbeitet haben oder wenn es sich um einen rein nachrichtlichen Text ohne zusätzliche Informationen handelt. Wie auch immer: Die redaktionellen Standards von W&V gelten für jeden einzelnen Artikel.