"Wiwo"-Interview :
WPP-Chef Sorrell steckt zwei Milliarden in Facebook-Werbung

WPP-Chef Martin Sorrell sieht Google und Facebook als "freundliche Feinde". Die beiden US-Konzerne sollten wie Versorgungsunternehmen behandelt werden - und reguliert werden. 

Text: W&V Redaktion

Im "Wiwo"-Interview äußert sich WPP-Chef Martin Sorrell zu den Digital-Spendings seiner Kunden.
Im "Wiwo"-Interview äußert sich WPP-Chef Martin Sorrell zu den Digital-Spendings seiner Kunden.

Der weltgrößte Kommunikationskonzern WPP platziert im laufenden Jahr im Auftrag seiner Kunden mehr Werbemilliarden bei Facebook als beim Zeitungs- und TV-Konzern des Medientycoons Rupert Murdoch, wie WPP-Vorstandschef Martin Sorrell in einem Interview mit der "Wirtschaftswoche" verriet. "In diesem Jahr rückt Facebook wahrscheinlich vor dem Murdoch-Imperium an die zweite Stelle auf." Sorrell sieht Google und Facebook als "freundliche Feinde". Sie hätten "einen Status, der dem ähnelt, den früher Ölbarone hatten". Aber eigentlich seien sie eher Versorgungsunternehmen - und "sollten auch so reguliert und behandelt werden".

Letztes Jahr habe WPP rund 2,25 Milliarden Dollar bei den Murdoch-Unternehmen Fox, Sky und News Corp, aber nur 1,7 Milliarden Dollar bei Facebook investiert, dieses Jahr dürften es bei Facebook weit über zwei Milliarden Dollar werden. Größter Medienkunde seines Unternehmens sei allerdings schon einiger Zeit Google, so Sorrell. Dort dürfte WPP dieses Jahr knapp unter sechs Milliarden Dollar investieren, 2016 waren es etwas weniger als fünf Milliarden. Laut Sorrell macht das Digitalgeschäft bei WPP bereits 40 Prozent des Umsatzes aus.

"Das Digitalgeschäft wächst, das traditionelle Mediengeschäft stagniert", sagte er. Ungeachtet dessen gingen aber immer noch rund 40 Prozent der weltweiten Werbegelder an die Fernsehanstalten. "Stehen die Fernsehanstalten unter Druck? Ja, durchaus. Aber wer 40 Prozent des Marktes ignoriert, der hat ein Problem", mahnte Sorrell. Er räumte auch ein, dass die Werbebranche und sein eigener Konzern derzeit mit großen Herausforderungen zu kämpfen haben: "Könnte 2017 das härteste Jahr seit 2009 werden? Ja, Ja, das ist wahr. Aber nur im Hinblick auf die Umsatzentwicklung, nicht bei den Gewinnen", sagte er.

Der britische Konzern hatte erst Ende Juli seine Umsatzprognose gesenkt und rechnet jetzt nur noch mit einem kleinen Wachstum. Im zweiten Quartal hatte WPP dabei weniger umgesetzt als erwartet. Auch in Deutschland machen sinkende Werbegelder den Medien zu schaffen: So hatte der Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 jüngst eingeräumt, dass sich die Werbeeinnahmen im dritten Quartal schlechter entwickelten als erwartet und seine Prognose für den TV-Werbemarkt gesenkt. Konzernchef Thomas Ebeleing geht im "Handelsblatt" jedoch von einer spürbaren Verbesserung der Werbeumsätze im Schlussquartal aus und hält die Schwäche im TV-Werbemarkt für "temporär" nicht strukturell".

Um auf das veränderte Fernsehverhalten der Zuschauer zu reagieren, will Ebeling den Konzern umbauen und setzt auf eine neue Struktur mit den drei Säulen Entertainment, TV-Produktion und digitale Geschäfte. Dadurch erhofft sich der Konzernchef Einsparungen. Zudem soll Werbung verstärkt auf den jeweiligen Zuschauer zugeschnitten werden. Für die beiden letztgenannten Säulen sucht ProSieben Partner und Investoren, auch einen möglichen Teilbörsengang schließt der Konzern für die beiden Segmente nicht aus. (app/dpa)


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