Aufarbeitung bei Facebook :
Zuckerberg: "Es war mein Fehler, es tut mir leid"

Auf dem Höhepunkt seiner Entschuldigungstour nach dem Dateneklat rund um Cambridge Analytica spricht Facebook-Chef Mark Zuckerberg im US-Kongress. Er gibt sich demütig.

Text: W&V Redaktion

Und täglich grüßt der Facebook-Skandal. Nun hat Chef Mark Zuckerberg gesagt: Sein Unternehmen, das größte soziale Netzwerk der Welt, habe nicht genug getan, um Schaden abzuwenden. Das schrieb Zuckerberg in einer Aussage an einen Ausschuss des US-Repräsentantenhauses. "Es war mein Fehler. Es tut mir leid. Ich habe Facebook gegründet, ich leite die Firma, und ich bin verantwortlich für das, was hier passiert ist." Der Schutz der Nutzer sei wichtiger als die Maximierung der Gewinne, versicherte er.

Zuckerberg stellt sich am Dienstag und Mittwoch Fragen im US-Kongress. Zunächst ist er als Zeuge bei einer gemeinsamen Sitzung des Rechts- und des Handelsausschusses im Senat geladen (ab 20.15 Uhr MESZ am Dienstag).

Am Mittwoch folgt dann eine weitere Befragung im Ausschuss für Energie und Handel des US-Abgeordnetenhauses (ab 16.00 MESZ). Am Montag zeigte er sich bereits im Kongress und sprach informell mit Abgeordneten.

US-Politik vs. Zuckerberg

Für Facebook steht bei dem Termin viel auf dem Spiel. Im Kongress braut sich Empörung zusammen, die zu einer schärferen Regulierung im Internet unter anderem beim Datenschutz und damit zu Einschränkungen für das Geschäft des Online-Netzwerks führen könnte. Zuckerberg kann sich auf harte Fragen einstellen: Senatoren und Abgeordnete kündigten bereits an, dass sie den Facebook-Chef hart rannehmen wollen.

Nach Einschätzung von Facebook könnten die Daten von bis zu 87 Millionen Nutzern weltweit betroffen sein - darunter potenziell von gut 70 Millionen Amerikanern. Cambridge Analytica selbst erklärte, man habe Informationen zu 30 Millionen Nutzern erhalten.

Facebook wusste seit Ende 2015 von der unerlaubten Datenweitergabe - gab sich aber mit der Zusicherung zufrieden, dass sie vernichtet worden seien und informierte die Nutzer nicht. Das wird erst jetzt nachgeholt.

Zudem räumte Facebook vergangene Woche ein, dass es möglich war, massenhaft öffentlich zugängliche Informationen der Nutzer abzugreifen, wenn man deren Telefonnummer oder E-Mail-Adresse hatte.

Schärferer Datenschutz für die Zukunft ...

Zuckerberg ist schon seit Tagen bemüht, die Situation zu entschärfen. In Blogeinträgen und einer Telefonkonferenz mit Journalisten räumte er Fehler ein und versprach schärferen Datenschutz für die Zukunft. Zudem reduzierte Facebook bereits den Zugriff von App-Entwicklern auf Nutzerinformationen deutlich und Nutzer bekamen mehr Möglichkeiten zum Schutz ihrer Privatsphäre gemäß EU-Datenschutzgrundverordnung.

Zugleich warnte der US-Unternehmer  aber vor einem wirtschaftlichen Schaden, der Facebook durch mehr Sicherheitsvorkehrungen drohe. Ob gerade jetzt ein guter Zeitpunkt für die Äußerung solcher Bedenken ist, sei dahingestellt.

W&V Online/dpa


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