KPMG über Recruiting :
Personalbeschaffung in Zeiten des digitalen Wandels

Markus Kreher, Partner und Leiter Media des Beratungsunternehmens KPMG, erklärt im Interview, wie sich Medienunternehmen personell rüsten müssen.

Text: Lisa Priller-Gebhardt

Markus Kreher
Markus Kreher

Herr Kreher, welche Herausforderungen stellt der digitale Wandel an die Medienhäuser dar?

Redaktionelle und journalistische Kompetenz ist und bleibt wichtig für die Anbieter qualitativ hochwertiger Inhalte. Im "Premiumcontent" liegt auch in Zukunft das entscheidende Differenzierungsmerkmal von Medienunternehmen gegenüber allen anderen Formen der Content-Produktion. Diese Informationen so aufzubereiten, dass sie auch in einer digitalen Welt als interessant empfunden werden, ist die große Herausforderung, die an die Mitarbeiter in Medienhäusern gestellt wird.

Aber kaum ein Medienunternehmen sucht noch Inhalte-Spezialisten. Welche Kenntnisse sind heute gefragt?

In Zukunft geht es verstärkt darum, digitale Erlebniswelten und interaktive Nutzungsformen für mediale Inhalte zu entwickeln. Dafür braucht es digitalaffine Mitarbeiter mit kreativen und technologischen Fähigkeiten. Aber auch in eher administrativen Bereichen - Controlling oder CRM - entstehen neue Anforderungen an die Skill-Sets der Mitarbeiter, die in der Lage sein sollten, mit zeitgemäßen Technologien wie Data Analytics, Robotics oder Visualisierungstools umzugehen.
Der Data Scientist wird auch für Medien relevant. Die Personalbeschaffung von Medienunternehmen sollte also dem digitalen Transformationsprozess gerecht werden.

Welche Konsequenzen hat das?

Die Qualifikationen und Kompetenzen der Mitarbeiter von Medienunternehmen werden in Zukunft vielfältiger und technologielastiger sein als in der Vergangenheit.

Nicht nur das Recruiting, auch die Umsetzung der digitalen Transformation fällt nicht allen Medienunternehmen leicht. Woran liegt das?

Die Herausforderung ist immens, das neue Digitalgeschäft in kurzer Zeit derart groß und ertragreich zu machen, dass es die Einbußen im traditionellen Geschäft auffangen kann.
Man muss sich vor Augen halten, dass digitale Transformation nicht der Vertrieb eines Produktes über das Internet ist, sondern die Generierung von ertragreichen digitalen Geschäftsmodellen. Zudem herrscht in der digitalen Welt eine ungleich größere Konkurrenz um Aufmerksamkeit und Werbeflächen. Die Monetarisierung digitaler Inhalte ist nicht zuletzt deshalb eine so große Herausforderung, weil die Zahlungsbereitschaft der Nutzer für "Internetinformationen" nach wie vor gering ist.
Perspektivisch ist es für Medienhäuser unabdingbar, neue Geschäftsfelder zu erschließen. Viele sind auch bereits dabei, aber dieser Prozess braucht seine Zeit.

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Autor:

Lisa Priller-Gebhardt
Lisa Priller-Gebhardt

schreibt als Autorin überwiegend für W&V. Im Zentrum ihrer Berichterstattung steht die geschwätzigste aller Branchen, die der Medien. Nach der Ausbildung an der Burda Journalistenschule schrieb sie zunächst für Bunte und das Jugendmagazin der SZ, Jetzt. Am liebsten sind ihr Geschichten der Marke „heiß und fettig“.