Makabrer Weckruf: Lungenkrebs-Kampagne schlägt hin, wo es wehtut

"Katzenliebhaber verdienen den Tod." "Tätowierte verdienen den Tod." Starker Tobak. Die eigentliche Nachricht der Lugenkrebsvereinigung in den USA, dass niemend zu sterben verdient, hatte nach dieser provokanten ersten Kampagnenwelle von Laughlin Constable kaum noch eine Chance bei den Amerikanern. Zu Unrecht.

Text: Susanne Herrmann

02. Jul. 2012

Das ist wahrhaftig ein brutaler Schlag ins Gesicht: "Katzenliebhaber verdienen den Tod", heißt es da auf einem Plakat. Ein anderes verkündet: "Tätowierte verdienen den Tod." Kaum eine Bevölkerungsgruppe wird geschont, verrückte Tanten, trendbewusste "Hipsters", schöne Menschen mit guten Genen - sie alle, so verkündet die Werbung in US-Großstädten, "verdienen den Tod".

Die Agentur Laughlin Constable aus Wisconsin ist der Urheber dieser offenbar massiv diskriminierenden Aktion: Die Motive sind jedoch die erste Phase einer Kampagne der Lungenkrebsvereinigung USA, die im zweiten Schritt die eigentliche Nachricht bringen sollte: "Niemand verdient es zu sterben." Die Botschaft gegen Diskriminierung von Lungenkrebskranken hatte jedoch bei den Amerikanern nach dieser provokanten ersten Welle kaum noch eine Chance. Viele Plakate wurden von zornigen Bürgern abgerissen, berichtet das Branchenmagazin "Adweek".

"Wir wussten, die Kampagne würde polarisieren", erklärte Strategiechefin Denise Kohnke von Laughlin Constable. Agentur und Kunde reagierten schnell und lösten das Rätsel früher auf als geplant. Auch ist die Botschaft nicht so fix zu vermitteln, weil recht komplex: Eigentlich wollte die Lungenkrebsvereinigung ja nur gegen die Stigmatisierung von Lungenkrebskranken vorgehen. "Viele denken, wenn einer Lungenkrebs hat, dann hat er etwas getan, womit er das verdient hat", heißt es auf der Webseite. Dieses Vorurteil habe man mit den provokanten Motiven anprangern und ad absurdum führen wollen, denn "Lungenkrebs macht keinen Unterschied zwischen den Menschen, das solltest du auch nicht tun".

Mit Diskriminierung gegen Diskriminierung vorzugehen, das ist äußerst brutal und tut weh - so wie Krebs, so wie Ausgrenzen kranker Menschen. Insofern ist die Aktion, bei aller Härte, keine geschmackliche Entgleisung, sondern ein nicht zu überhörender Weckruf, der dabei allerdings Schmerzgrenzen überschreitet. Manchmal sind vielleicht aber gerade diese drastischen Maßnahmen auch die wirksamen - zumal die Auflösung unmittelbar folgt.


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Und setzt sich als ehemalige Textchefin und Gelegenheitslektorin für Sprachpräzision ein. Ihre Lieblingsthemen reichen von abenteuerlustigen Gründern über Super Bowl bis Video on Demand – dazwischen bleibt Raum für Medien- und Marketinggeschichten.



0 Kommentare

Kommentieren

Diskutieren Sie mit