Wärme in der kalten SM-Ära: Einmal drücken!

Das ist mal buchstäblich eine Knuddelkampagne: Volkswagen und die Agentur Wündrich-Meissen strafen alle Unkenrufe über die Vereinsamung im Social-Media-Zeitalter Lügen und preisen den innigen Körperkontakt.

Text: Susanne Herrmann

21. Aug. 2012

Egozentrik, Vereinsamung, Zukunftsangst, Servicewüste: So manches Talkshow-Thema, manche Schlagzeile lässt vermuten, dass unsere Gesellschaft angesichts von Finanzkrisen und virtuellen Welten eine trostlose ist. 20-mal so viele Facebook- wie reale Freunde, Panik vor dem Kollegen, der einem morgen schon den Arbeitsplatz steheln könnte, steter Hunger nach immer abgefahreneren Erlebnissen, eiskalte Abfertigung in Callcentern und Werkstätten: Wo bleibt denn da die menschliche Wärme, Nähe, Zuwendung, das Miteinander?

Ja, nun verdrehen Sie die Augen und denken, die Frau nervt, hebt den moralischen Zeigefinger, beschwört rührselige Bilder und setzt an zu einem "Früher war alles besser"-Vortrag.

Nö. Das macht die nicht.

Aber Volkswagen macht einen knuddeligen Spot (mit der Agentur Wündrich-Meissen Creativ Consulting GmbH, Leonberg), der auf die zwischenmenschlichen Knuddelmomente setzt, auf Dankbarkeit und das normale Leben, garniert mit einem Schmuzler - und darum ist der Film weit mehr als das Pfeifen im Wald, das Freundlichkeit und Nähe als wünschenswerten Gegenentwurf zu Facebook und Google+ zu präsentieren scheint.

Die Clip für den Werkstattservice für gebrauchte VWs wird ab September im Kino zu sehen sein (Produktion Multivision, Hamburg). Er ist einfach sympathisch und zeigt, dass wir eben doch soziale Wesen sind und ganz anders, als die Schlagzeilen, das Hartz-IV-Fernsehen und unsere Alpträume uns glauben machen. Dass wir alle dasselbe tun, dasselbe wollen. Und dass ein "Like" in echt noch eine andere Qualität hat als ein weißblauer Daumen. Daumen hoch, Zeigefinger runter.

PS: Knuddeln ist Trend! Nur wer sich fest umarmt, kann das "Cuddlebike" fahren - ein Rad für zwei mit Doppelsitzbank, das anders als ein Tandem keinen Alibi-Lenker für den Mitfahrer hat.


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Und setzt sich als ehemalige Textchefin und Gelegenheitslektorin für Sprachpräzision ein. Ihre Lieblingsthemen reichen von abenteuerlustigen Gründern über Super Bowl bis Video on Demand – dazwischen bleibt Raum für Medien- und Marketinggeschichten.



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