Neue Serie :
10 Fragen an die Recruiting-Chefs der Agenturen

W&V Online startet heute eine neue Serie. Wir stellen die Recruiting-Chefs der Agenturen vor: Worauf achten sie beim Persönlichkeitsprofil von Bewerbern? Was sind deren häufigste Fehler? Zum Auftakt fragen wir Meike Runschke von Jung von Matt.

Text: Markus Weber

W&V Online startet heute eine neue Serie. Wir stellen die Recruiting-Chefs der Agenturen vor: Worauf achten sie beim Persönlichkeitsprofil von Bewerbern ganz besonders? Was sind deren häufigste Fehler? Den Anfang macht Meike Runschke, Head of Talent Management bei Jung von Matt. Ihr gefielen nicht alle unsere Fragen, wie sie ganz offen anmerkt. Aber so ist das Leben.

1. Wie wird man Human-Resource-Manager bei Jung von Matt?

Wir haben ganz unterschiedliche Profile im Talent Management: Büro-, Hotel- und Marketingkaufleute sowie (Wirtschafts-)Psychologen. Man sollte einfach Lust auf Menschen haben und das richtige Fingerspitzengefühl mitbringen, um Talente zu finden und langfristig zu halten.

2. Wie lockt man die besten Leute? Mit einem attraktiven Kundenportfolio oder mit Top-Gehältern?

Mit dem richtigen Mix aus spannenden Aufgaben, guten Teamkonstellationen und echt guten Führungspersonen.

3. Spielt Geld heute eine wichtigere Rolle als früher?

Geld hat schon immer eine wichtige Rolle gespielt. 

4. Das Image der Agenturen als Arbeitgeber hat zuletzt gelitten. – Zu Recht?

Die Kommunikationsbranche hat sich in den vergangenen Jahren massiv verändert und damit auch die Agenturen. Hier passieren spannende Dinge und man hat so große Gestaltungsräume wie nie zuvor. Insofern passen das ewige Problematisieren mancher Agenturleute und die Realität in Agenturen nicht richtig zusammen.

5. Worauf schauen Sie besonders beim Persönlichkeitsprofil von Bewerbern?

Auf die Haltung. Auf die Werte. Mich interessiert, was dem Bewerber in seinem Leben und in seiner Arbeit wichtig ist und inwieweit diese Vorstellungen zu Jung von Matt passen.

6. Was sind die häufigsten Fehler von Bewerbern?

Die Bewerbungen gleichen sich. Und auch die Gespräche gleichen sich. Das sollte natürlich gerade bei echten Kommunikationsprofis nicht der Fall sein. Toll wäre, wenn sich der Bewerber überlegt, welche Botschaft er bei mir platzieren möchte.

7. Wieso gibt es in Agenturen kaum Frauen in Top-Positionen?

Aus Höflichkeit. Frauen fragen sich öfter als Männer, darf ich das jetzt echt machen? - Dieser Fragebogen zum Beispiel. Die Fragen sind natürlich immer noch aktuell, aber es sind eben auch echt langweilige Fragen, die schon hundertfach diskutiert wurden. Ich hätte mir spannendere Fragen gewünscht, aber aus Höflichkeit beantworte ich alle Fragen.

8. Welche Rolle spielt bei Ihnen Diversity Management?

Bei Jung von Matt findet sich eine erfreuliche Vielfalt an Menschen unter unseren Leitsätzen zusammen. Das müssen wir auch gar nicht krampfig managen, sondern entsteht ganz automatisch durch die Menschen, mit denen wir in der Agentur arbeiten wollen. Diversity ist übrigens grundsätzlich eine sehr gute Voraussetzung für kreative Arbeit.

9. Wie sieht es in Ihrer Agentur mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf aus?

Wenn ich bei der Arbeit bin, vermisse ich meinen Sohn Fred. Wenn ich zu Hause bin, vermisse ich die Arbeit. So ist das eben. Ansonsten bin ich bereit, jedes Arbeitszeitmodell in der Agentur zu etablieren, welches für unsere Leute und die Agentur hilfreich ist.

10. Was ist aus Ihrer Sicht der größte Fehler, den ein Personalverantwortlicher oder Headhunter machen kann?

Ich habe mich schon mit dem falschen Agenturnamen gemeldet und auch schon das vermeintliche Talent mit falschem Namen angesprochen. Doof. Schwer ist auch immer, Feedback zu geben, wenn es nicht geklappt hat. Oder Trennungsgespräche. - Personalverantwortliche und Headhunter haben viel Einfluss auf das Leben und die Zufriedenheit der Kandidaten und Mitarbeiter. Mit dieser Verantwortung gehen wir achtsam um. Unachtsamkeit ist ein großer Fehler.


Autor:

Markus Weber, Redakteur W&V
Markus Weber

ist in der Online-Redaktion für Agenturthemen zuständig. Bei W&V schreibt er seit 15 Jahren über Werbeagenturen. Volontiert hat er beim Online-Marketing-Titel „E-Market“. 2010 war er verantwortlich für den Aufbau der W&V-Facebookpräsenz. Der Beinahe-Jurist mit kaufmännischer Ausbildung hat ein Faible für Osteuropa.