Lesetipp :
Clean Desk Policy: Warum Aufräumen nicht kreativ macht

Dinge auf dem Schreibtisch machen kreativer. Unordnung hält mehr wertvolle Assoziationen bereit, behauptet der britische Bestseller-Autor Tim Harford. Er hat ein "Messy"-Buch geschrieben, das alle "Clean Desk"-Verfechter ziemlich aufbringen dürfte.

Text: Anja Janotta

- 4 Kommentare

Unaufgeräumte Schreibtische helfen beim Kreativsein.
Unaufgeräumte Schreibtische helfen beim Kreativsein.

"Niemand kann dir vorschreiben, wie du deinen Schreibtisch sauber hältst" - diese knackige These stellt der Autor Tim Harford in den Raum. Der britische Bestseller-Autor hat ein neues Buch geschrieben: "Messy. How to be creative and resilient in a tidy-minded world". Darin bricht er eine Lanze für Chaos und Unordentlichkeit. Denn wer Ordnung hält, beraubt sich vieler neuer Assoziationen und innovativer Lösungswege, sagt Harford. Ein spannender Ansatz, der zumindest bei Jung von Matt einige Gegner finden könnte: Dort herrschen nämlich Disziplin und blitzsaubere Schreibtische, wie Thomas Strerath im vergangenen Jahr durchblicken ließ.

Ein Schreibtisch hat seine Arbeits-Muster, sagt Harford. To-Do-Listen, Arbeitsstapel oder die Arbeit vom Vortag auf dem Schreibtisch könnten am Arbeitsplatz als wertvolle Gedächtnisstütze dienen. Ein aufgeräumter Schreibtisch hingegen sei ohne jegliche Information und biete nichts.

Ein weiteres Beispiel zitiert Harford in seinem ersten Kapitel: Das berühmte Köln-Konzert von Keith Jarrett wäre beinahe nicht zustande gekommen: Der Künstler haderte mit dem Klavier, das der Veranstalter zur Verfügung gestellt hatte - die Ober- und Basstöne waren zu schlecht in den Ohren des Jazz-Pianisten. Aber weil er sich von der 17-jährigen Organisatorin breitschlagen ließ, improvisierte er dennoch - nur auf der Mittellage und mit viel Körpereinsatz. Was dabei rauskaum, wurde zu seinem Meisterstück. Das "Köln-Konzert", das an diesem Abend aufgenommen wurde, wurde über drei Million Mal verkauft. Wir sollten so oft es geht dem Versuch widerstehen, aufgeräumt und nach Plan zu agieren, sagt Harford, und stattdessen öfter mal das Chaos annehmen und gezielt einsetzen, um uns von den gewohnten Bahnen des Denkens abbringen zu lassen.

Weitere Wissenschaftler haben die Thesen von Harford bestätigt. Die aktuelle "Psychologie heute" zitiert eine Studie von Kathleen Vohs von der University of Minnesota. Die Wissenschaftlerin fand heraus, dass Leute, die in einem Raum arbeiteten, in dem Bücher und Papiere willkürlich verstreut lagen, kreativer und unkonventioneller arbeiteten als Leute, die einer geordneten Umgebung ausgesetzt waren. Ihre These: Eine unordentliche Umwelt inspiriert eher zum Traditionsbruch und kann neue, unbekannte Erkenntnisse hervorbringen.


Autor:

Anja Janotta, Redakteurin
Anja Janotta

seit 1998 bei der W&V - ist die wohl dienstälteste Onlinerin des Hauses. Am liebsten führt sie Interviews – quer durch die ganze Branche. Neben der W&V-Morgenpost, Kreativ- und Karrierethemen schreibt sie ab und zu was völlig anderes - Kinderbücher. Das jüngste dreht sich um  ein paar nerdige Möchtegern-Influencer.



4 Kommentare

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Anonymous User 17. Januar 2017

Spießer!

Anonymous User 17. Januar 2017

Nur weil Thomas das gesagt hat, heißt es noch lange nicht, dass alle bei Jung von Matt einen sterilen Labortisch als Arbeitsplatz innehaben.

Anonymous User 16. Januar 2017

Nein, saubere Arbeitsplätze. Während der Arbeit: egal. Aber danach aufräumen, sorgt auch für einen aufgeräumten Kopf. Alles ist Ablenkung und niemand möchte euer Bild mit eurem Hund, Dieter Bohlen oder Tante Erenestos Finca auf Malle sehen. Herzlichen Dank.

Anonymous User 16. Januar 2017

Deswegen sind Messis die wahren Helden!

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