Zu wenige Spezialisten da

Der Talent-Pool an verfügbaren IT-Experten liegt unter dem vieler anderer OECD-Staaten. Ihr Anteil an allen Beschäftigten liegt bei 0,7 Prozent - das reicht nur für Platz 20 unter allen teilnehmenden Ländern. Bei der Forschung im IT-Sektor ist es sogar nur Platz 22, womit sich Deutschland jeweils im vorletzten Quartil befindet. Bei den Datenspezialisten ist die Lage etwas besser, aber auch hier ist der Abstand zur Spitzengruppe (Niederlande, USA) enorm.

Besser sieht es dagegen beim Nachwuchs aus. Nicht zuletzt aufgrund der hohen Anzahl an MINT-Studenten und der ausgezeichneten Qualität der Hochschulausbildung befindet sich Deutschland hier in einer Spitzenposition und landet im OECD-Vergleich nur knapp hinter dem Vereinigten Königreich. Mehr als 15 Prozent der Studierenden in Deutschland sind in entsprechenden Fächern eingeschrieben. Sieben der 100 besten technischen Universitäten kommen aus Deutschland: München, Aachen, Karlsruhe, Freiburg, Stuttgart, Dresden und Darmstadt.

Ranking: Talent-Pipeline (Rang unter OECD Ländern)*

1. Vereinigtes Königreich

2. Deutschland

3. Kanada

4. USA

5. Neuseeland

6. Frankreich

7. Irland

8. Schweiz

9. Niederlande

10. Australien

*Durchschnitt der Indikatoren: MINT-Studenten (absolut und relativ), Qualität technischer Universitäten und Informatik-Fakultäten, Qualität der allgemeinen naturwissenschaftlichen Ausbildung, Qualität Business Schools)

Deutschlands größtes Manko

Innovationen - insbesondere im Bereich der Digitalisierung - finden nicht in großen Konzernen, sondern vor allem in Startup-Unternehmen statt. Und genau hier weist Deutschland im internationalen Vergleich ein erhebliches Defizit auf. Die Gründe liegen hauptsächlich in der mehrheitlich skeptischen Haltung der Deutschen gegenüber dem Unternehmertum. Zwar hegen sie großen Respekt vor unternehmungslustigen Gründern, trauen sich den Schritt zum eigenen Unternehmen aber nicht zu. Als Resultat belegt Deutschland im Bereich der Finanzierung durch Venture Capital einen der hinteren Plätze. Zum Vergleich: Die Gründungsintensität in Kanada liegt um das Dreifache, in den USA um das Zweieinhalbfache höher.

Große Investitionslücke

Auch bei digitalisierungsrelevanten Investitionen hat Deutschland großen Nachholbedarf. Investments in Informations- und Telekommunikationstechnologien (IKT) finden in einem derart geringen Ausmaß statt, so dass es hier nur für einen Platz im letzten Viertel reicht, weit hinter den Spitzenreitern Niederlande und Schweiz. Die Forschungsausgaben in Deutschland konzentrieren sich auf andere Sektoren. Die IKT-Industrie besitzt daher noch großes Investitions- und Entwicklungspotenzial. Dabei sollten nicht nur Bildungseinrichtungen, sondern auch Unternehmen in der Lage sein, relevante Trends möglichst frühzeitig zu erkennen und die entsprechenden Investitionen in die Zukunft zu tätigen.

"Es gibt zahlreiche Ansatzpunkte, um dem Land im Hinblick auf die Digitalisierung mehr Schwung zu verleihen. Das beginnt bei einer erweiterten und intensivierten Ausbildung mit besonderem Fokus etwa auf Data-Analytics-Kompetenzen und dem Prinzip lebenslangen Lernens. Vor allem aber sind höhere Investitionen in den gesamten Bereich der Digitalisierung erforderlich, um die wirtschaftliche Produktivität und den Wohlstand zu erhalten oder gar zu steigern", resümiert Nicolai Andersen, Partner und Leiter Innovation bei Deloitte.

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Autor:

Annette Mattgey, Redakteurin
Annette Mattgey

Seit 2000 im Verlag, ist Annette Mattgey (fast) nichts fremd aus der Marketing- und Online-Ecke. Für Markengeschichten, Kampagnen und Karriere-Themen hat sie ein besonderes Faible. Aus Bayern, obwohl sie "e bisi anners babbelt".