"Bei Diversity geht es für die meisten Organisationen um einen Kulturwandel, um einen Paradigmenwechsel bezogen auf die Art und Weise der Zusammenarbeit", erklärt Grohnert und vergleicht das Thema mit einem anderen: der Digitalisierung. "Digitalisierung mag eine wichtige technische Veränderung sein, aber die Diversifizierung im Denken ist als Grundlage viel wichtiger. Vielfalt im Denken ist die Basis dafür, diese Digitalisierungswelle, und auch den folgenden Innovationszyklus – vielleicht aus der Bio- und Gentechnologie – erfolgreich als Unternehmen zu gestalten."

Für Grohnert sind die aktuellen Zahlen ein Alarmsignal für viele Unternehmen in Deutschland. Sie warnt: "Der Wettbewerbsfaktor Vielfalt wird unterschätzt. Wer nicht in der Lage ist, eine vielfältige Belegschaft aufzubauen, der wird den Kontakt zu gesellschaftlichen und technologischen Trends und somit Kundenbedürfnissen an den Märkten verlieren."

Dabei sind den Befragten die positiven Auswirkungen durchaus bewusst. Diversity hilft, die Offenheit und Lernfähigkeit
der Organisation sicherzustellen. Darin sind sich alle einig.

Das sind die weiteren Vorteile bunter Unternehmen:

Die Studie zeigt, dass bei dem Drittel der Unternehmen und Institutionen, die aktives Diversity Management betreiben, vor allem Maßnahmen der Flexibilisierung von Arbeitszeit und Arbeitsort, sowie Maßnahmen der Personalgewinnung und Personalentwicklung im Vordergrund stehen. Für die Studienmacher ein Indiz dafür, dass die Organisationen vor allem aus kurzfristiger Perspektive auf Personalmangel reagieren.

Kritisch bewertet diese Herangehensweise Aletta Gräfin von Hardenberg, Geschäftsführerin des Charta der Vielfalt e.V. "Diversity Management ist nicht einfach ein Projekt, das irgendwann endet, sondern ein Prozess, der immer neu herausfordert", betont die erfahrene Diversity-Managerin. Sie fordert, dass Organisationen Diversity Management zum festen Bestandteil der Strategie machen. "Diversity Management steht in Deutschland immer noch am Anfang, es wird aber für die Zukunft des Standorts massiv an Bedeutung gewinnen", so von Hardenberg. Sie stellt weiter fest: "Diversity Management ist kein Minderheiten-Programm, sondern eine Denkumstellung. Es geht nicht darum, Defizite zu identifizieren. Stattdessen  muss sichtbar gemacht werden, was jedes Individuum beitragen kann."

Anders als vermutet ist Diversity ein Top-down-Thema, das hauptsächlich vom Top-Management angeschoben wird. Auf die Führungsebene - insbesondere das mittlere Management - kommen nun auch neue Aufgaben zu, die andere Qualitäten  verlangen:

Im Auftrag von EY und Charta der Vielfalt hat das Darmstädter Marktforschungsinstitut Reimund Research im Zeitraum von Juli bis September 349 Organisationen befragt, welche die Selbstverpflichtung "Charta der Vielfalt" unterzeichnet haben. Zugleich wurden Personalverantwortliche in 250 zufällig ausgewählten Unternehmen befragt, welche die Selbstverpflichtung nicht unterzeichnet haben. Die Studie, die zahlreiche Interviews mit Personalverantwortlichen quer durch die Industrie enthält,  ist kostenfrei unter www.Charta-der-Vielfalt.de und auf der Internetseite von Ernst & Young (EY) unter http://www.ey.com/de/de/home erhältlich.



Annette Mattgey, Redakteurin
Autor: Annette Mattgey

Seit 2000 im Verlag, ist Annette Mattgey (fast) nichts fremd aus der Marketing- und Online-Ecke. Für Markengeschichten, Kampagnen und Karriere-Themen hat sie ein besonderes Faible. Aus Bayern, obwohl sie "e bisi anners babbelt".