Gastbeitrag :
Ein Plädoyer für mehr Mütter in der Werbung

Alexandra Poos leitet die Beratung bei Gürtlerbachmann. Sie ist die rechte Hand von Agenturgründer Frank Bachmann - und Mutter. Als Teilzeitwerberin muss sie gegen viele Vorurteile kämpfen.

Text: W&V Leserautor

Alexandra Poos nimmt auch die Agenturchefs in die Pflicht. Sie sollten mit gutem Beispiel vorangehen.
Alexandra Poos nimmt auch die Agenturchefs in die Pflicht. Sie sollten mit gutem Beispiel vorangehen.

Leider kursiert der unsinnige Glaube ja immer noch durch die heiligen Hallen vieler Agenturen, dass Werbung und Mütter mit Teilzeitbeschäftigungswünschen nicht mit den Anforderungen der Agenturen oder gar der Kunden vereinbar seien.

Oder es geht um, dass Teilzeit nur was für geringqualifizierte Arbeitnehmer oder für Menschen ist, die sich nur ein kleines Zubrot verdienen möchten.

Liebe Kollegen: Das ist großer Unsinn! Ihr wollt alle immer so hip, lässig und vor allem Vorreiter für alles Mögliche sein. Also, seid es doch endlich mit den Menschen, die Werbung richtig gut können, dafür brennen und parallel noch etwas Kleines in der Kita oder in der Schule sitzen haben.

Der Werbewahnsinn geht auch in weniger Stunden

Angestellte brennen ja nicht nur weil sie 40 Stunden plus arbeiten. Nein, sie brennen weil sie der Werbewahnsinn gepackt hat, sie sich in kreative und strategische Prozesse ebenso verlieren können wie in die spannenden oder abstrusen Aufgaben der Kunden. Und das geht auch in 35, 30 oder gar 20 Stunden. Ich weiß es. Ich mache es täglich. In verrückten 27,5 Stunden die Woche. Und das geht vor allem durch eins: Haltung! Ach, wie ich das Wort liebe! Haltung! Lasst es euch auf der Zunge zergehen. Haltung oder auch Stärke, Kraft und dem Wissen, wo man steht kann man aber nicht lernen. Man hat sie oder eben auch nicht.

Beweist Haltung!

Es gibt aber Agenturen, die diese Haltung tatsächlich haben und dabei nicht nur für wunderbares Design, unschlagbare Kommunikation, sondern auch für richtig gute Leute stehen. Manche sind Väter, manche Mütter. Und manche arbeiten an weniger Tagen oder in weniger Stunden.

Hat jemand mal über die Effizienz nachgedacht?

Meine Erfahrung zeigt das folgende: Teilzeitbeschäftigte, insbesondere Mütter, arbeiten so, dass sie im besten Fall das selbe Pensum in der selben hohen Qualität in der ihnen zur Verfügung stehenden, verkürzten Zeit schaffen. Manche von ihnen arbeiten ohne Pause und rauchen womöglich nicht. Da kommt schon einiges an Minuten, ich möchte gar sagen, Stunden zusammen, die auf das Konto Effizienz einzahlt.

Die Produktivität ist somit hoch, das Gehalt aber geringer. Zudem haben Teilzeitbeschäftigte nachmittags Zeit für neuen, anderen Input und einen Ausgleich, den man nicht in Geld aufwiegen kann. Wie wir Coaches gern sagen: Die Work-Life-Balance ist hier ausreichend bedient. Somit sind Mütter nicht nur effiziente Arbeitnehmer, sie bringen sogar noch etwas ganz wichtiges mit: einen anderen Blick auf die Dinge. Sie sehen nämlich nicht den ganzen Tag nur Bäume, sondern können auch noch den Wald entdecken.

Der Traum eines jeden Arbeitgebers

Aber noch einmal zurück zur Basis: Ohne die Stärke von Agenturchefs, die sich täglich selbst den Traum des besten Mitarbeiters - und nicht des am längsten anwesenden - erfüllen, würde das Teilzeitkonstrukt nicht funktionieren. Denn: Der Fisch stinkt immer vom Kopf! Also, liebe Kollegen: Kopf an, Haltung zeigen und das machen, was in einigen Agenturen immer noch unmöglich scheint: Gute Werber in Teilzeit einstellen – und dabei vielleicht sogar Mütter.


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W&V Leserautor

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