5. Sie erwarten stets den Branchenprimus nach dem Motto 'das Beste ist gerade gut genug für uns' und übersehen, dass die Passung von Job & Mensch nicht nur von Noten und akademischen Titeln abhängt.

6. Sie achten im Auswahlverfahren akribisch darauf, wie sich ein Bewerber 'verkauft' und vergessen dabei, dass auch die Firmen als Arbeitgeber im Rampenlicht stehen und überzeugen müssen.

7. Sie stellen im Interview stereotype Fragen und achten lediglich auf die Skills, die der Bewerber für die ausgeschriebene Vakanz benötigt, ohne den ganzen Menschen und sein Potenzial zu erkennen. 

8. Unternehmen behandeln in der Kommunikation Bewerber wie Dienstleister, indem sie weder Eingangsbestätigung noch Zwischenbescheid senden und sie im Prozess viel zu lange im Dunkeln lassen. 

9. Sie verschleiern die Realität im Unternehmen und verhindern damit, dass Bewerber entscheidungsrelevante eigene Eindrücke vom Arbeitsgebiet und Kollegen sammeln können. 

10. Sie versenden unpersönliche und nichtssagende Bewerberabsagen und übersehen, dass dies vielleicht der Anfang einer sehr wertvollen Geschäftsbeziehung in der Zukunft sein könnte.

Doch nicht jede schnelle Lösung ist bei Unehrlichkeit zielführend. Zwar könnten Interviews den einen oder anderen Fake auf Bewerberseite aufdecken, aber das stört auch das Verhältnis zum Bewerber empfindlich der heute ganz andere Massstäbe gewöhnt ist. "Ganz gleich ob Analyse oder Interview, oftmals basiert diese Taktik auf einer grundlegenden Misstrauenshaltung. Wer als Bewerber das Gefühl hat, ihm wird von Anfang an misstraut, geht automatisch in eine Darstellerhaltung, die mit Echtheit nicht mehr viel zu tun hat."

Den ersten Schritt übrigens zu mehr Ehrlichkeit, müssten nicht die Bewerber tun, sondern die Unternehmen: "Indem ein potenzieller Arbeitgeber auch mal zugibt, wo es nicht so gut läuft. Und vor allem indem ein Unternehmen aus der Misstrauens- in eine klare Vertrauenshaltung wechselt. Denn nur mit einer so geöffneten zugewandten Grundhaltung gelingt es überhaupt, das Beste in einem Menschen zu erkennen. Das Gute daran: Eine solch positive Atmosphäre kommt auch bei Bewerbern und Kandidaten gut an und damit das Gefühl, so sein zu dürfen, wie man wirklich ist."


Autor:

Anja Janotta, Redakteurin
Anja Janotta

seit 1998 bei der W&V - ist die wohl dienstälteste Onlinerin des Hauses. Am liebsten führt sie Interviews – quer durch die ganze Branche. Neben Kreativ- und Karrierethemen schreibt sie ab und zu was völlig anderes - Kinderbücher. Eines davon dreht sich um ein paar nerdige Möchtegern-Influencer.