Neuer Anlauf für die Omnichannel-Strategie :
Karstadt stellt Chief Digital Officer ein

Karstadt treibt mit einer Personal-Offensive die E-Commerce-Strategie voran. Zwei Digitalexperten von Tchibo und Douglas sollen das Warenhaus zukunftsfähig aufstellen. 

Text: Verena Gründel

Bisher ist Karstadt vor allem für seine Warenhäuser bekannt. Nicht aber für E-Commerce.
Bisher ist Karstadt vor allem für seine Warenhäuser bekannt. Nicht aber für E-Commerce.

Die Warenhauskette Karstadt startet einen weiteren Versuch, sich für das Digitalzeitalter fit zu machen. Mit Marco Werner stellt sie zum 8. Januar 2018 einen neuen Chief Digital Officer ein. Werner kommt von Tchibo, wo er ebenfalls die Position des CDO innehatte. Nun verantwortet er den den CRM-Bereich sowie das E-Commerce-Geschäft von Karstadt.de. Das hat der Händler bisher nie so richtig zu Laufen gebracht. 

Ebenfalls neu seit 1. Januar ist Jens Diekmann, der das strategische Projektmanagement von Karstadt und den Bereich Crosschannel leiten soll. Diekmann war zuvor bei Douglas Direktor für Crosschannel, Digitalisierung und Business Development.

Das Ziel: einer der stärksten Händler Deutschlands werden

Mit diesen beiden namhaften Personalien will Karstadt die Weiterentwicklung zu einem vernetzten Marktplatz und Omnichannel-Händler vorantreiben. "Das Ziel bis 2020 ist, das Unternehmen zu einem der stärksten, über alle Vertriebskanäle erfolgreichen Händler in Deutschland zu entwickeln", sagt Karstadt-CEO Stephan Fanderl.

Dafür hatte das Unternehmen im Juni 2017 den Onlinemarktplatz Hood.de übernommen und sich somit nach dem Amazon-Marketplace-Prinzip für andere Händler und Hersteller geöffnet. Mit diesen Plänen ist es nicht allein: Auch Otto treibt die Marktplatzstrategie zurzeit massiv voran. Jede Woche wächst die Plattform otto.de um rund 10 000 Produkte.

Karstadts bisherigen Gehversuche im E-Commerce sind gescheitert. Erst im April 2016 hatte die Warenhauskette das Sortiment im eigenen Onlineshop reduziert, einige Warengruppen rausgeschmissen – und sich so nach einigen Angaben gesundgeschrumpft. Für eine Marktplatzstrategie aber ist ein kleines Portfolio kontraproduktiv. Sie funktioniert nur mit einem möglichst breiten und gleichzeitig tiefen Sortiment. Hier muss Amazon der Maßstab sein. 

Eine teure Herausforderung

Karstadt aber hat im Gegensatz zu den direkten Konkurrenten Amazon, Otto oder auch Ebay das Problem, dass die Marke bisher nicht für Onlinehandel steht und als Warenhaus zudem einen altbackenen Ruf trägt. Die Zeit der E-Commerce-Goldgräberstimmung ist längst vorbei und die Marktanteile sind unter den großen Playern verteilt.

Im Jahr 2018 noch eine neue Online-Marke aufzubauen, die sich zudem vom Sortiment her kaum von den Konkurrenten unterscheidet, ist eine sehr große und sehr teure Herausforderung. Sie ist nur mit einer großen Marketingoffensive zu stemmen. 


Autor:

Verena Gründel

ist seit April 2017 für das Marketingressort der W&V tätig. Davor schrieb sie für iBusiness über Digitalthemen. Nach Feierabend kocht und textet sie für ihren Foodblog – und gleicht das viele Essen mit ebenso viel Sport aus. Wenn sie länger frei hat, reist sie am liebsten mit dem Auto durch Lateinamerika, von Mexiko bis an die Südspitze Argentiniens.