Recruiting-Trends 2017: Fachkräftemangel und soziales Netzwerken

Der Fachkräftemangel wird auch das Jahr 2017 beherrschen. 96 Prozent der Arbeitgeber gaben schon 2016 an, Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen mit geeigneten Bewerbern zu haben. Sie suchen in alle Richtungen - vermehrt aber auch in den sozialen Netzwerken.

Text: Anja Janotta

Die wichtigsten Themen für die Personalabteilungen 2017.
Die wichtigsten Themen für die Personalabteilungen 2017.

Der Fachkräftemangel wird auch das Jahr 2017 beherrschen: 96 Prozent der Arbeitgeber gaben 2016 an, Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen mit geeigneten Bewerbern zu haben. Bei einigen bedroht der Fachkräftemangel bereits das Geschäft, so die aktuelle Studie "Recruiting Trends" der Personalberatung ICR.

Als die größte Herausforderungen gaben die Unternehmen an, die offenen Stellen schnell zu besetzen, gute Bewerber zu finden und die Arbeitsbelastung innerhalb der eigenen Abteilung.

Aber die Unternehmen verlassen sich nicht mehr nur auf Stellenanzeigen und Personalberater, sondern greifen zur Selbsthilfe. Für fast 80 Prozent der Unternehmen gehörte 2016 die selbstständige Suche und Ansprache von potenziellen Kandidaten meist in Social Networks zu den wichtigsten Aufgaben im Recruiting. Mehr als jedes zweite Unternehmen schaut sich mittlerweile neben der klassischen Anzeigenschaltung proaktiv in den sozialen Netzwerken um - das ist fast ein Viertel mehr als noch 2015.

Die meistgenutzte Plattform demnach ist mit weit über 50 Prozent Xing, gefolgt von Linkedin  und diversen Arbeitgeberplattformen. Facebook und Google folgen auf den Plätzen. Instagram, Snapchat und Pinterest liegen noch unterhalb der Zweiprozent-Marke.

Software zur Suche von Bewerbern, wie etwa in sozialen Netzwerken, Xing Talent Manager, Linkedin Recruiter, wird immer häufiger genutzt und konnte laut der Studie die Verbreitung um mehr als das Doppelte, von 27 Prozent auf 55 Prozent, steigern.

Auch für 2017 soll es weiter in diese Richtung gehen: 54 Prozent der Arbeitgeber wollen mehr Geld aus ihrem Personalbeschaffungsbudget für ihr Engagement in Xing und Linkedin ausgeben, fast jedes dritte (29 Prozent) Unternehmen für die geplanten Aktivitäten in Facebook und weiteren sozialen Netzwerken.

Aber auch wenn die sozialen Netzwerke an Bedeutung gewinnen, werden laut ICR die Online-Jobbörsen 2017 immer noch die Quelle bleiben, wo die meisten Bewerber gefunden werden, auch wenn sie einige Prozentpunkte abgeben werden (31 Prozent). Die eigene Karriereseite wird dagegen immer wichtiger im Recruiting-Prozess (ca. 20 Prozent). Dieser Trend wird wohl anhalten, allerdings müssen viele Arbeitgeber sich hinsichtlich ihrer Candidate Experience deutlich verbessern, so die Studienautoren. Die Social-Media-Netzwerke und Mitarbeiterempfehlungen lagen in den vergangenen Jahren Kopf an Kopf bei etwa 10 Prozent. In Kombination mit der deutlich gestiegenenen Bedeutung des Themas Active Sourcing sollte dies auch 2017 so bleiben. Der Recruiting-Anteil der Personalberatung und CV-Datenbanken befindet sich im Abwärtstrend. Printmedien bleiben stabil auf niedrigem Niveau (etwa 1 Prozent).

Für die Studie befragte ICR  778 Unternehmensvertreter.


Autor:

Anja Janotta, Redakteurin
Anja Janotta

seit 1998 bei der W&V - ist die wohl dienstälteste Onlinerin des Hauses. Am liebsten führt sie Interviews – quer durch die ganze Branche. Neben der W&V-Morgenpost, Kreativ- und Karrierethemen schreibt sie ab und zu was völlig anderes - Kinderbücher. Das jüngste dreht sich um  ein paar nerdige Möchtegern-Influencer.