Es fehlen die konkreten Inhalte

Corona hat die Schwächen des Bildungssystems in Deutschland offenbart. Es wurde viel geredet, über Digitalisierung, die Anschaffung von Ipads als Schlüssel zur Schule der Zukunft und eine grundlegende Erneuerung des Systems auch vor dem Hintergrund des deutschen Föderalismus. Passiert ist bislang aber nur wenig. Während sich die öffentliche Diskussion zum Thema Bildung vor allem um das Thema Digitalisierung dreht, fehlt tatsächlich nur 13 Prozent der Befragten die Einbindung digitaler Tools in ihren Schulalltag. Einem Viertel (25 Prozent) geht es stattdessen um konkrete Inhalte: Sie wollen besser verstehen, wie sie die Theorie praktisch im Leben anwenden können. Häufig kommt ihnen das theoretische Wissen nutzlos vor, wenn Lehrer versäumen, die Verbindung zu Alltag und Praxis herzustellen. Nicht zuletzt aus diesem Grund wünschen sich vermutlich 84 Prozent der Schüler und Schülerinnen die Einführung des Fachs "Steuern und Rechnungen" oder "Gesunde Ernährung" (58 Prozent).

Verzichten könnten sie hingegen auf Fächer wie Religion (50 Prozent), Musik oder Kunst (jeweils 42 Prozent). Zudem wünschen sich 21 Prozent der Befragten mehr Abwechslung bei der Unterrichtsgestaltung und wollen kreativer an den Lernstoff herangehen. Auf den direkten Austausch mit Lehrern wird ebenfalls wert gelegt: Mehr als jeder Zehnte (13 Prozent) möchte mehr individuelle Unterstützung von und Austausch. Lediglich ein Prozent der Befragten vermisst nichts und ist zufrieden mit dem Status Quo.

So sieht die Schule der Zukunft aus

Nach dem Wunsch von 57 Prozent der Schüler und Schülerinnen gibt es zukünftig keine 5-Tage-Schulwoche mehr, sondern eine Mischung aus Präsenzzeit und Lernen von zuhause. 41 Prozent fänden es sinnvoll, sich neben dem Präsenzunterricht in der Schule, Wissen zuhause über digitale Tools selbst anzueignen. In der Schule würde der Stoff praktisch angewendet – die Lehrer verstehen sich dabei eher als Coaches. Außerdem gäbe es hier die Möglichkeit, Zeit mit Freunden mit Mitschülern zu verbringen, für 42 Prozent der Schüler*innen der Punkt, den sie am Schulalltag am meisten schätzen. 44 Prozent würden die klassischen Schulfächer abschaffen und lieber fächerübergreifend zu Themen in Projekten lernen. Und nur acht Prozent der Befragten möchten nichts am Status Quo verändern.

Simpleclub ist nach eigenen Angaben die beliebteste Lernapp in Deutschland. Die neue Generation der App gliedert Lerninhalte nicht nur nach Einzelthemen, sondern auch fächerübergreifend in einem riesigen Wissensnetz miteinander verknüpft. Inhalte können so in Kontexten und Zusammenhängen verstanden werden, heißt es. Lehrer können die App mit aktuell über 3000 Lernvideos, 900 Übungsaufgaben-Blöcken und 850 Zusammenfassungen zur Unterstützung im Unterricht nutzen. Schüler und Schülerinnen lernen mit individuellen Lernplänen von zuhause weiter. Gegründet wurde Simpleclub von Nicolai Schork und Alexander Giesecke, die 2012 in der 11. Klasse mit animierten Lernvideos in Mathe starteten. Das Team mit 37 Festangestellten agiert komplett Remote ohne eigene Büros.



Peter Hammer
Autor: Peter Hammer

begleitet seit vielen Jahren redaktionell die Agentur-Branche, für die W&V wie auch früher für den Kontakter. Als Ressortleiter wie Redaktionsleiter. Liebt gute Kreation, aber mehr noch interessante und innovative Geschäftsmodelle. Unabhängig von Kanal und Größe. Was ihn immer wieder überrascht: Wie viele spannende Menschen es in der Branche gibt.