Unternehmensporträts :
So arbeitet es sich bei ... Parasol Island

Eine Insel mit Abenteuern und einem selbstverwalteten Budget für Fortbildung. HR-Managerin PIa Antwerpes erzählt vom Alltag der Filmproduktion.

Text: Anja Janotta

HR-Managerin Pia Antwerpes.
HR-Managerin Pia Antwerpes.

"Jeder Tag ist ein Abenteuer, hier entsteht ein Film, dort eine Strategie. Neben dir geht eine Website live und unter dir in einem unserer Studios wird gerade fotografiert," sagt Parasols HR-Managerin Pia Antwerpes. Daneben bleibt Platz für viel Zwischenmenschliches, das Skifahren, Wakeboarden. Und es soll niemand länger bleiben müssen - Überstunden werden unbedingt vermieden. Nummer 32 der Arbeitgeber-Porträts. 

Gibt es in Ihrer Agenturgruppe Berufsfelder und Jobs, die lange unbesetzt bleiben und für die Sie händeringend nach Personal suchen? Wenn ja, wie lange sind die Stellen unbesetzt? Und was machen Sie, um genau dort Leute zu finden?

"Händeringend" glücklicherweise nicht. Aber es ist manchmal anspruchsvoll, die eierlegende Wollmilchsau in Form von Projekt- oder Account Managerinnen und Managern zu finden – gerade für ein Umfeld in dem vielfältiges Verständnis gefragt ist und in einer Zeit, in der immer mehr Menschen flexibel arbeiten wollen.
In der Regel besetzen wir dennoch alle Stellen innerhalb von sechs Wochen. Die besondere Kultur bei Parasol Island kommt den Wünschen potentieller Mitarbeiter und uns bei der Suche nach diesen entgegen. Oft fangen bei uns Menschen an, die schon vorher mit dem Leben auf der Insel in Berührung kamen, und die wir auch als Arbeitgeber überzeugen.

Haben Sie ein Patentrezept für die Bildung einer starke Arbeitgebermarke gefunden? Ja? Welches ist Ihres?

Dann würden wir das wahrscheinlich als Dienstleistung anbieten … Im Ernst – wir glauben daran, dass man sich vor allem selbst treu bleiben sollte. Parasol Island ist aus echter Passion und vielen Freundschaften gewachsen. Wir gehören bewusst keinem Netzwerk an. Kurze Wege und viel Eigenverantwortung für die Mitarbeiter sind unser Anspruch an die Organisation.

Was tun Sie konkret zur Mitarbeiterbindung? Gibt es bei Ihnen die Möglichkeiten zu a, Home-Office; b, Sabbaticals; c, flexiblen Urlaubszeiten pro Jahr; d, flexible Arbeitszeiten; e, Job-Tausch mit anderen Niederlassungen, bzw. Partner-Unternehmen; f, Möglichkeiten für eigene Herzensprojekte außerhalb des bezahlten Kundengeschäfts?; g, bezahlten Überstunden?

Auch wenn wir all das oben anbieten, glauben wir an unsere flache und flexible Struktur, die Raum lässt für individuelle Gestaltung und Spontanität. Berlin und Düsseldorf sind gemeinsam Teil der Insel, die Parasol Island heißt, die Teams sind nicht getrennt. Entsprechend leicht gestalten wir den Parasol Island Teleport, also die Arbeit an Spree oder Rhein, länger oder nur für ein paar Tage.

Generell fördern wir die einzelnen Mitarbeiter entsprechend ihrer Stärken und supporten insgesamt den guten Teamspirit. Wir verfügen über eigene Foto- und Film-Studios, die tatsächlich für mehr als PR-Bilder benutzt werden: Dort werkeln Mitarbeiter auch an ihren privaten Herzensprojekten.

Überstunden gibt es bei uns eh vergleichsweise wenige. Wir haben einen großen Berg an Mamas und Papas, die zuhause pünktlich erwartet werden.

Karibik-Feeling bei Parasol Island.

Kletterwand, Baumhaus, Sterne-Kantine – was gibt es bei Ihnen an unüblichen Incentives für Mitarbeiter? 

Klar, als Team haben wir gemeinsam am Sandstrand in den Sonnenuntergang getanzt oder gehen zusammen Wakeboarden… Aber eigentlich ist jeder Tag bei uns ein Abenteuer. Die Insel ist eher ein Gesamtkunstwerk. Wir brauchen kein Bällebad oder sterile Designer-Lounges, in die sich keiner reinsetzt. Hier ist ständig alles im Fluss und Neues es gibt immer wieder zu entdecken.

Unsere Mitarbeiter verwalten ihre Fortbildungsbudgets selbst und wir freuen uns besonders darüber, dass diese Budgets so gut und kreativ von allen Mitarbeitern angenommen werden. Die Teams wissen doch häufig am besten, was ihnen gerade weiterhilft. Workshops, Podcasts. 3D-Drucker, ein Besuch auf der OFFF oder einfach mal in die Skihalle. Gerüchteweise wurden dort sogar Kaltgetränke konsumiert.

Wir bieten mit Parasol InterXchange außerdem eine interne Eventreihe zur Weiterbildung an. Hier stellen Fachleute mehr aus ihren Spezialgebieten vor. Für einen Community Manager ist es ganz spannend zu hören, mit welcher Arbeit sich ein "Smoke-Artist" so herum schlägt und was sich hinter "Gitlab" verbirgt.

Wie erfassen Sie die Mitarbeiterzufriedenheit? Welche Ihrer Errungenschaften sind den Mitarbeitern besonders wichtig?

Der persönliche Dialog ist Bestandteil unserer Kultur – und hier findet er auch regelmäßig statt – und zwar mit sämtlichen Mitarbeitern. Dieser offene und ehrliche Dialog ist auch unseren Mitarbeitern besonders wichtig. Keine Politik und dafür Ergebnisse. Und der faire Umgang gilt für jeden: Vom Trainee bis zu der Geschäftsführung.
Selbstverständlich gehören top Hardware und die allerneuesten Tools und Software auch zu unseren Errungenschaften. Wie soll man sonst innovativ sein.

Flexibel arbeiten - auch unter dem Kiwibaum im Hof.

Hand aufs Herz: Wie hoch ist bei Ihnen die Frauenquote?

Da sind wir regelrecht vorbildlich – circa 50/50                                 

Wie hoch die Quote der Mitarbeiter über 45?

Circa fünf Prozent.

Und unter 25?

Circa zehn Prozent.

Wie lang bleibt ein Mitarbeiter im Schnitt?

Statistisch sind das mindestens drei Jahre – darauf sind wir stolz! Wer regelmäßig die Parasol Island Sommer-BBQs besucht, wird feststellen müssen, dass er einige Mitarbeiter schon ohne grauen Bart oder Kind am Arm kannte. Ein 10-jähriges Jubiläum ist auf der Insel keine Rarität, aber die handgemachte Torte gibt es bereits ab dem dritten Jahr bei uns.  

Clean-Desk-Policy oder ganz persönliche Schreibtische? Wie steht Ihr zu dem Thema?

Das ist individuell sehr unterschiedlich im Alltag. Wir bieten deshalb unserem Team große Flexibilität. Einige Kollegen arbeiten lieber an den offenen Arbeitsinseln oder im Sommer unter dem Kiwibaum im sonnigen Hof als am eigenen Tisch. Andere sind umtriebig und dauernd auf Achse. Ihnen bieten wir fertig eingerichtete Arbeitsplätze, an die sie sich nur kurz mit ihrem Notebook einstöpseln müssen.

Das erleichtert Insel-Hopping und man kann auch räumlich ganz nah bei seinem aktuellen Projektteam sein. Wer unbedingt das Bild seines Lieblingshundes oder seine persönliche Sammlung obskurer Stifte auf den Tisch stellen muss, soll das halt machen.

Flamingo-rotes Erkennungszeichen.

Wie stehen Sie zur internen Offenlegung aller Gehälter im Unternehmen?

Auch wenn viele im Team privat befreundet sind, halten wir nichts vom Zwang zur Offenlegung. Mag sein, dass es einige Leute interessiert, was die anderen verdienen, aber genauso viele möchten nicht, dass andere unbedingt wissen, was sie selbst verdienen.

Dann wollen wir natürlich wissen: Was verdient ein Junior bei Ihnen im ersten Jahr?                    

Das hängt natürlich von der Ausbildung und der Vorerfahrung ab. Als Junior startet man je nach Vorerfahrung oder bei uns absolviertem Traineeship mit ca. 2.000 Euro. Dazu gibt es ungewöhnlich viel Eigenverantwortung und Unterstützung durch das Team. Unser größter Wunsch ist, dass ein junges Talent bei uns nicht lange Trainee bleibt.
Wir legen außerdem viel Wert darauf, dass auch Einsteiger – wie übrigens alle Mitarbeiter – normale Arbeitszeiten haben. Respektvoller Umgang untereinander beginnt mit respektvollen Umgang mit der Zeit und der Energie seiner Kollegen.

Mehr Agenturporträts, u.a. von Jung von Matt, Scholz & Friends und Serviceplan finden Sie in unserem Dossier Arbeitswelt Agenturen.

Mehr zum Thema Gehalt in Agenturen in unserem Dossier Gehalts-Check

 


Autor:

Anja Janotta, Redakteurin
Anja Janotta

seit 1998 bei der W&V - ist die wohl dienstälteste Onlinerin des Hauses. Am liebsten führt sie Interviews – quer durch die ganze Branche. Neben der W&V-Morgenpost, Kreativ- und Karrierethemen schreibt sie ab und zu was völlig anderes - Kinderbücher. Das jüngste dreht sich um  ein paar nerdige Möchtegern-Influencer.