Generell probieren wir viel aus, etwa mit Formaten wie "Feier & Hire“. Hier laden wir in einer ungezwungenen Abendveranstaltung Freelancer und neue Talente ein und stellen uns als Agentur vor. Für die Eingeladenen zählt das Motto: "Zeig uns deine Projekte und nicht deinen Lebenslauf.“ So kann man sich fachlich austauschen und schauen, ob die Chemie beiderseitig stimmt.

Gelbe Klamotten gehören zur Agentur-Identität.

Was macht Ihre Arbeitgebermarke aus?

Ich bin der festen Überzeugung, dass unsere Kultur die Marke TLGG von Anfang am stärksten geprägt hat – uns zeichnet aus, wie wir machen, was wir machen. Dabei haben wir das Glück, dass unsere drei Gründer diese Kultur nicht nur noch immer stark vorleben, sondern alle Mitarbeiter einladen, Werte mit zu entwickeln und zu gestalten.

Kreative Deko bei TLGG.

Was tun Sie konkret zur Mitarbeiterbindung? Gibt es bei Ihnen die Möglichkeiten zu

... Home-Office, Sabbaticals, flexible jährliche Urlaubszeiten, flexible Arbeitszeiten, Job-Tausch mit anderen Niederlassungen, bzw. Partner-Unternehmen
Home-Office, Sabbatical, flexible Arbeitszeiten – wir schließen kein Arbeitsmodell aus. So individuell wie unsere Mitarbeiter sind auch die Vereinbarungen. Solange es für Team und Kunde funktioniert, ist alles denkbar.

... Möglichkeiten für eigene Herzensprojekte außerhalb des bezahlten Kundengeschäfts?

Gerne und unbedingt! Es sind ja oft die freien oder die Herzensprojekte, bei denen man die größten Lernschritte macht. Letztes Jahr waren sehr viele engagierte Kollegen an unserer Briefwahlkampagne "Sonntags hab ich was besseres vor" beteiligt – von den Erfahrungen, aber auch der Motivation bei solchen Projekten profitieren wir als Unternehmen ja nur und auch letzten Endes unsere Kunden. Oft genug stellen wir dabei fest, dass die Übergänge von Kundengeschäft zu Herzensprojekt fließend sind.

... bezahlten Überstunden?

Muskelkater gehört im Projektgeschäft dazu, aber keiner profitiert von einem Kollegen der sich nach einem 12-Stunden-Pitchtag am nächsten Morgen in die Agentur schleift – deshalb bleib liegen, schlaf dich aus. Nach längeren Phasen – mehreren solcher Pitchtage etwa – gibt es Sonderurlaub zur Erholung.

Kletterwand, Baumhaus, Sterne-Kantine – was gibt es bei Ihnen an unüblichen Incentives für Mitarbeiter?

Bällebad, Tischtennisplatte und eine BVG-Monatskarte, damit man mal rauskommt aus dem Homeoffice – all das gibt es auch bei uns. Das größte Incentive aber sind Zeit und kreativer Freiraum für eigene Ideen und Herzensprojekte – den neben den oft fordernden Projekten zu schaffen, ist uns sehr wichtig.

So gibt es etwa AGs zu Spezialthemen, die für uns als Agentur langfristig wichtig sind, die die Teams aber an selbst entwickelten Projekten testen und untersuchen können. Darüber hinaus bieten Austausch- und Lernformate den Blick über den Tellerrand.

Wie erfassen Sie die Mitarbeiterzufriedenheit? Welche Ihrer Errungenschaften sind den Mitarbeitern besonders wichtig?

Das wichtigste ist die offene Kommunikation im Unternehmen, kein Tool der Welt ersetzt das persönliche Gespräch. Hier verstehen sich unsere Führungskräfte als Dienstleister fürs Team und erhalten auch die notwendige Zeit, um sich um ihre Mitarbeiter zu kümmern. Zusätzlich und für allgemeine Stimmungsbilder gibt es aber auch anonyme Umfragen zur Mitarbeiterzufriedenheit.

Hand aufs Herz: Wie ist bei Ihnen die Frauenquote?

Unsere Frauenquote lag immer über 50 Prozent, ohne dass wir groß darauf geachtet haben. Wenn man uns auf die aktuell 56 Prozent anspricht, sind wir natürlich auch ein bisschen stolz. Kreation lebt vom Austausch und der lebt von Vielfalt.

Wie hoch die Quote der Mitarbeiter über 45? Und unter 25?

Als ich vor fünf Jahren bei TLGG angefangen halb lag der Altersdurchschnitt bei 28. Heute liegt er bei 32 und das Bällebad ist der beliebteste Treffpunkt für den Nachwuchs der Kollegen. Die Agentur ist mit ihren Angestellten vielleicht ein Stück erwachsener geworden. Heute sind 7 von 180 Mitarbeitern unter 25 und 4 über 45.

Alter spielt bei der Einstellung jedoch keine unmittelbare Rolle. Wir würden uns freuen, wenn wir mit genügend Kollegen Ü50 bald ein Silversniper-Esport-Team in der Agentur gründen könnten.

Wie lang bleibt ein Mitarbeiter im Schnitt? 

Der Durschnitt liegt bei 2 Jahren. Wir verstehen TLGG als lebendiges Netzwerk: Junge Talente müssen manchmal noch eine andere Station besuchen, alte Hasen brauchen manchmal einen Tapetenwechsel. Uns ist es wichtig, mit ehemaligen Mitarbeitern weiterhin eine enge Beziehung zu pflegen.

Das zahlt sich aus: Allein letztes Jahr durften wir drei Kollegen zum zweiten mal begrüßen – noch schlauer, noch besser und mit noch mehr Erfahrung.

Clean-Desk-Policy oder ganz persönliche Schreibtische? Wie steht Ihre Agentur zu dem Thema?

Man verbringt so viel Zeit an seinem Arbeitsplatz. Wir fänden es schade, wenn Mitarbeiter ihr Umfeld nicht in ihrem Sinne gestalten könnten. Auch damit prägen die Mitarbeiter ihr Unternehmen.

Wie stehen Sie zur internen Offenlegung aller Gehälter im Unternehmen?

Selbst unsere Positionen zur internen Offenlegung aller Gehälter haben wir nicht intern offen gelegt. Das liegt daran, dass das einfach kein diskutiertes oder nachgefragtes Thema ist. Gehälter, Ziele, Entwicklungspfade werden eher im kleinen Kreis besprochen und verhandelt. Nicht als Dogma, eher aus Gewohnheit.

Dann wollen wir natürlich wissen: Was verdient ein Junior bei Ihnen im ersten Jahr?

Um hier mal ein bisschen rumzueiern: Das hängt natürlich von der Disziplin und seiner Qualifikation ab. Grundsätzlich liegen unsere Einstiegsgehälter im Berliner Agenturdurchschnitt. Unsere Arbeitsinhalte dagegen im oberen Branchendrittel.

Mehr Agenturporträts, u.a. von Jung von Matt, Scholz & Friends und Thjnk finden Sie in unserem Dossier Arbeitswelt Agenturen. Mehr zum Thema Gehalt in Agenturen in unserem Dossier Gehalts-Check


Autor:

Anja Janotta, Redakteurin
Anja Janotta

seit 1998 bei der W&V - ist die wohl dienstälteste Onlinerin des Hauses. Am liebsten führt sie Interviews – quer durch die ganze Branche. Neben Kreativ- und Karrierethemen schreibt sie ab und zu was völlig anderes - Kinderbücher. Eines davon dreht sich um ein paar nerdige Möchtegern-Influencer.