Dabei wissen die Chefs theoretisch, wie es besser ginge: 29 Prozent der Studienteilnehmer haben angegeben, dass in ihrem Unternehmen die Kultur vor allem durch Kommunikation verbessert wird. Praktisch aber bilden weniger als ein Viertel (23 Prozent) ihre Führungskräfte dazu gezielt weiter. "Kommunikation ist ein elementarer Bestandteil jeder Kultur. Häufig verwechseln Unternehmen Kultur aber auch mit der Entwicklung einer PR- und Kommunikationsstrategie. Doch darum geht es nicht. Kultur beginnt im Top-Management und zieht sich durch alle Hierarchieebenen bis hin zu den Sachbearbeitern durch." Die Chefs müssten eine Kultur vorleben. "Ein kommunikatives Polieren der Fassade reicht nicht aus."

Es gibt noch erheblichen Verbesserungsbedarf: Nur 35 Prozent denken, dass ihre Mitarbeiter die Unternehmenskultur auch Dritten erklären und weitertragen können. Da aber 75 Prozent der befragten Firmenlenker sich nicht vollständig mit ihrer Unternehmenskultur identifizieren, sind sie in ihrer Ambivalenz wohl ebenfalls schlechte Botschafter. Außerdem schätzen sie einen Aspekt offenbar falsch ein:  Unternehmen funktionieren zwar hierarchisch, aber bei der Unternehmenskultur dreht sich die Wirkung um:  "Es ist wichtig, dass Führungskräfte und Mitarbeiter gemeinsam eine Kultur entwickeln, die wirklich zu ihnen genauso wie zu ihren geschäftlichen Zielen passt," betont Kesting. Wenn eine Kultur auf der unteren Ebene nicht akzeptiert werde, finde sie nicht statt. "Und führt eher dazu, dass Unternehmen weniger leistungsfähig sind als zuvor."

Für die Studie "Real World Leadership" wurden 7.500 Führungskräfte in 107 Ländern befragt. 26 Prozent davon waren Vorstände, 31 Prozent Executive/Senior/Vice President, 27 Prozent Direktoren und 16 Prozent in der nachgelagerten Ebene.


Autor:

Anja Janotta, Redakteurin
Anja Janotta

seit 1998 bei der W&V - ist die wohl dienstälteste Onlinerin des Hauses. Am liebsten führt sie Interviews – quer durch die ganze Branche. Neben Kreativ- und Karrierethemen schreibt sie ab und zu was völlig anderes - Kinderbücher. Eines davon dreht sich um ein paar nerdige Möchtegern-Influencer.