"Zukünftig werden keine Entscheidungen auf Executive Ebene mehr getroffen, die nicht auch Einfluss auf die IT-Strategie hätten - und umgekehrt. Die IT wird noch stärker als bisher zu einem zentralen Wettbewerbsfaktor. Immer mehr Unternehmen investieren deshalb in den Um- und Ausbau der bestehenden Strukturen und machen sich die Vorteile der Next Generation IT zu Nutze", so Heinsen weiter.

"Neben den finanziellen mangelt es vielen Unternehmen oft auch an den personellen Ressourcen, um den digitalen Wandel intern voranzutreiben. Deshalb greifen immer mehr von ihnen zusätzlich auf die Expertise externer Dienstleister zurück.", so Heinsen. Die Digitale Transformation beginnt in den meisten Fällen mit dem Umstieg auf As-a-Service-Modelle, der Nutzung von Lösungen in den Bereichen Business Analytics und Big Data sowie mit Ansätzen für ein optimiertes Mobile Business.

Vier wesentliche, positive Effekte, die mit der Digitalisierung einhergehen, sehen die Experten der Uni München und des Münchner Kreises.

Darum zahlt sich die Digitalisierung aus:

1. Flexibilität zeitlich, örtlich und inhaltlich

Die Nutzung neuer Tools eröffnet sowohl in der Wissensarbeit als auch in der digitalisierten Produktion Potenziale zur flexibleren Gestaltung der Arbeitsprozesse: zeitlich, örtlich und inhaltlich. Die Flexibilisierung der Arbeitsprozesse durch Automatisierung ("Industrie 4.0") lässt neue Arbeitsmodelle entstehen, die die bisherigen ergänzen und zu einer Entgrenzung von Arbeits- und Freizeit führen können. Beispiele sind Telearbeit, mobile/virtuelle Arbeit, standortverteilte Teams, in denen Mitarbeiter Prozesse zum Beispiel per Smartphone oder Tablet steuern und kontrollieren können, und Crowdsourcing.

2. Kooperation horizontal und vertikal

Die neuen Vernetzungs- und Unterstützungsmöglichkeiten verändern die Arbeitsteilung zwischen interagierenden Unternehmen, bei denen sich neue Formen der (branchenübergreifenden) Kooperation ergeben. Zudem können Freelancer und Kunden zunehmend in den Wertschöpfungsprozess einbezogen werden. Stärker gefragt bei Führungskräften sind Kommunikations- und Medienkompetenzen, Führungskompetenz auch über räumliche Distanz, die Fähigkeit zur konsensualen Führung in flacheren Hierarchien und horizontalen Netzwerken.

3. Weniger Rationalisierung, mehr Kopf- und Hand-Arbeit

Die Automatisierung von Arbeitsprozessen rationalisiert routinebasierte und damit automatisierbare Tätigkeiten. Das betrifft vor allem Tätigkeiten in der klassischen Sachbearbeitung und standardisierte Prozesse in der Produktion. Von Automatisierungseffekten weniger betroffen dagegen sind hochkomplexe, kognitiv anspruchsvolle Wissens-, Führungs- oder Steuerungsaufgaben, wie etwa Diagnosetätigkeiten, die Programmierung hochkomplexer Systeme oder auch die Steuerung der eingesetzten Produktions- und Robotertechnologien.

Nur bedingt automatisierbar sind dagegen manuelle Tätigkeiten, für die Erfahrungswissen und/oder zwischenmenschliche Kommunikation erforderlich sind. Das betrifft beispielsweise die Tätigkeiten von Handwerkern, Gärtnern, Friseuren, Haushältern und Erziehern. Ziel von Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen muss es sein, kompetente Gestalter und Gewinner statt Verlierer der Digitalisierung zu entwickeln.

4. Assistenz und Lernen weltweit

Die Digitalisierung eröffnet neue Wege der technischen Assistenz – im Bereich der Wissensarbeit durch den Zugriff auf weltweit verfügbare Daten und Know-how. Davon profitieren beispielsweise Ärzte, Rechtsanwälte, Gutachter, Spezialisten, Software-Programmierer und kreative Wissensarbeiter. Im Bereich der Produktion können technische Hilfssysteme oder Roboter physische, oft mühsame oder nur schwierig zu bewerkstelligende Tätigkeiten übernehmen (etwa Vorbereitung von Werkstücken zum Schweißen). Gleichzeitig erhöht sich die Chance, durch derartige technische Hilfssysteme in Verbindung mit E-Learning-Funktionalitäten Arbeitskräfte direkt an ihrem Arbeitsplatz im Büro oder in der Fertigung zu schulen, so dass sie anspruchsvollere Tätigkeiten durchführen können. Ziel muss dabei sein, die Schutzlosigkeit "digitaler Tagelöhner" zu verhindern und die Schutz-, Selbstbestimmungs- und Freiheitsrechte abhängig Beschäftigter und Freelancer den neuen Gegebenheiten entsprechend zu fördern.

(cro/am)

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Autor:

Annette Mattgey, Redakteurin
Annette Mattgey

Seit 2000 im Verlag, ist Annette Mattgey (fast) nichts fremd aus der Marketing- und Online-Ecke. Für Markengeschichten, Kampagnen und Karriere-Themen hat sie ein besonderes Faible. Aus Bayern, obwohl sie "e bisi anners babbelt".