Im W&V-Gespräch erklärt Hays Steilberg, Executive Vice President Corporate HR, Executives and Talent bei Bertelsmann, was das Programm so attraktiv macht.

Herr Steilberg, In den vergangenen Jahren buhlten Rekruter immer um die Absolventen-Elite der renommierten wirtschafts- und betriebswissenschaften Fakultäten. Ausgerechnet Leute mit dieser Qualifikation waren in der Verlagswelt gesucht. Warum jetzt der Sinneswandel?

Hays Steilberg: Es sind bei uns sehr unterschiedliche Menschen, und unter ihnen viele Geisteswissenschaftler, die die Inhaltegeschäfte sowie die Contententwicklung und -produktion maßgeblich vorantreiben. Bei Bertelsmann gibt es einige herausragende Karrieren in dieser Hinsicht wie beispielsweise die von Julia Jäkel oder Bernd Reichart. Der Unterschied bei unserem Programm liegt vielleicht darin, dass die meisten Kolleginnen und Kollegen im Contentgeschäft ihren Weg in der Vergangenheit primär sehr eigenständig gegangen sind, ohne viel Struktur in puncto Karriere zu erhalten. Jetzt will unser Konzern solche Top-Talente aus nicht-betriebswirtschaftlichen Studienrichtungen mit gezielter Förderung begleitend entwickeln.

Welche Qualifikationen empfehlen einen Geisteswissenschaftler dafür?

Viele Geisteswissenschaftler sind analytisch geprägt, dabei auch herausragend kreativ und kommunikationsstark - wichtige Fähigkeiten für potenzielle Führungskräfte. Vor allem auch die intrinsische Motivation, an Medienangeboten zu arbeiten, zeichnet sie häufig aus.

Das gesamte "Creative Management Program" ist strategisch aufgesetzt. Werden die ausgesuchten Trainees im In- und Ausland eingesetzt?

Das Projekt ist erst mal deutschlandweit geplant; eine Internationalisierung erwägen wir für später. In den ersten (Pilot)-Durchgang, der im April 2017 starten wird, nehmen wir etwa fünf bis sechs Kandidaten auf. Sie rotieren während der veranschlagten 20 Monate durch die einschlägigen Unternehmensbereiche. Es gibt Stationen bei der Mediengruppe RTL Deutschland, der Verlagsgruppe Random House, Gruner + Jahr, BMG und weiteren Bertelsmann-Bereichen. Vier verschiedene Projekteinsätze stehen für jeden Teilnehmer auf der Agenda.

Also werden alle strategisch relevanten Bereiche des Konzerns abgedeckt?

Ja, weil wir einen breit angelegten Ansatz verfolgen. Und so ist das gesamte Traineeprogramm aufgestellt: Die Trainees erhalten einen vielfältigen Einblick in alle strategisch wichtigen Geschäfte und Branchen des Konzerns. Parallel erlangen die Teilnehmer in begleitenden Seminaren wirtschaftswissenschaftliche und unternehmensrelevante Kenntnisse. Bertelsmann-Vorstandvorsitzender Thomas Rabe und Personalvorstand Immanuel Hermreck haben sich bei der Gestaltung des Programms persönlich eingebracht.

Wie sieht das ideale Kandidatenprofil aus?

Es geht darum, Talente zu entdecken. Natürlich schauen wir neben dem Studium auf absolvierte Praktika - favorisiert mit wirtschaftlichem Hintergrund -  aber eigentlich zählen Eignung, Talent und die persönliche Einstellung. „Wer will was bewegen?“ lautet die grundsätzliche Frage. In der Bewerbungsphase werden wir durch Videoeinsendungen und persönliche Interviews die Antwort darauf erhalten.



Judith Stephan
Autor: Judith Stephan

leitet seit fast zwanzig Jahren das Job & Karriere-Ressort der W&V. Ihr liegen vor allem die Themenbereiche Arbeitswelten und Jobperspektiven am Herzen. In ihrer Funktion als Chef vom Dienst ist sie in der Redaktion ebenfalls für Personalplanung, Aus- und Fortbildung zuständig.