Personalie :
Warum McCanns Chefstratege Niclas Wagner Zeit für seinen Sohn braucht

Niclas Wagner, Head of Strategy von McCann, hat gekündigt. Er verabschiedet sich in die Vaterschaft, will die nächsten zwei, drei Jahre seinen Sohn heranwachsen sehen.

Text: Conrad Breyer

Niclas Wagner übernimmt die Familie, sein Mann Stuart geht wieder arbeiten.
Niclas Wagner übernimmt die Familie, sein Mann Stuart geht wieder arbeiten.

Der beste Papa der Welt. Niclas Wagner geht, verlässt nach zweieinhalb Jahren McCann in Düsseldorf, deren Head of Strategy er war, und wird – Vater.  Keine Entscheidung gegen die Agentur, sagt er, sondern eine pro Familie.

Niclas Wagner, 38, hat einen zweieinhalbjährigen Sohn, Neo, den er mit seinem Mann groß zieht. Die erste Zeit ist Wagners Partner Stuart zuhause geblieben; jetzt tauschen sie. "Ich bin noch bis Ende Februar bei McCann. Danach werde ich die Projekte machen, die mir Spaß bringen. Meine oberste Priorität gilt dann aber meinem Sohn", sagt Wagner. Seinem absoluten Lieblingsprojekt.

Seinem ersten Baby, der Strategieabteilung von McCann, geht es gut

Ein Mann, der seine Karriere unterbricht, um sich ums Kind zu kümmern?! Das dürfte selbst in Werberkreisen nicht allzu oft vorkommen. Wagner erntet dafür viel Applaus. Natürlich gebe es ein paar Leute, die das nicht nachvollziehen könnten. "Insgesamt aber bekomme ich extrem positives Feedback." Wobei das sicher auch daran liegt, dass er diesen Schritt eben als Mann geht. Bei Frauen wird das achselzuckend hingenommen, erwartet.

Egal: Zwei bis drei Jahre lang will Wagner sich zurückziehen. "Ein wahrer Luxus", sagt er. Und krasser Einschnitt. 13 Jahre lang hat der Mensch für die verschiedensten Agenturen gearbeitet, so Razorfish und FCB. Er hat für McCann ein Strategieteam auf-, die Kooperation in der McCann Worldgroup mit den Digitalen von MRM//McCann ausgebaut, die Kunden mit Markenstrategie, Digital- und Retailkompetenz  überzeugt; er sieht seine Firma gut aufgestellt. Aus Miele zum Beispiel haben sie eine Lovebrand gemacht:

Und doch: "Freue ich mich jetzt am meisten darauf, meinem Sohn bei seiner Entwicklung zuzuschauen."

Als Planner habe man ja ein ausgeprägtes Interesse an menschlichem Verhalten, sagt Wagner und lacht. "Und wenn ich mit meinem Sohn spiele, lerne ich unheimlich viel." Zum Beispiel, wie wichtig Besitz und Rituale sind. Neo trinkt am liebsten aus "seiner" Tasse und hat "seinen" Joghurt. Der beste Papa der Welt! Aber auch: Einmal Stratege, immer Stratege.


Autor:

Conrad Breyer, W&V
Conrad Breyer

kam über Umwege ins Agenturressort der W&V, das er heute leitet. Als Allrounder sollte er einst einfach nur aushelfen, blieb dann aber. Er liebt alles, was Struktur hat in der Agenturwelt und Werbern unter den Nägeln brennt. Angefangen hat das alles mit einem Praktikum bei Media & Marketing, lange her. Privat engagiert er sich für LSBTI-Rechte, insbesondere in der Ukraine.