Die Bedingungen sinnvoller Arbeit

Aus den Interviews extrahierten die Forscher die folgenden Merkmale eines sinnvollen Jobs:

  • Transzendenz: Sinnvolle Arbeit hat einen klaren Nutzen für andere Menschen. Auf eine bestimmte Art muss der Job wichtiger für andere sein als für uns selbst.
  • Betroffenheit: Die Wahrnehmung von Sinn entsteht eher selten in den rein positiven Momenten. Tendenziell schmerzliche, traurige und allgemein unangenehme Momente (und deren erfolgreiche Bewältigung) tragen stark zum Sinnerleben bei.
  • Flüchtigkeit: Sinnerleben ist kein "Ganz oder gar nicht"-Phänomen. Eher ist es von episodischer Natur, es kommt und geht in Abhängigkeit von konkreten Aufgaben und sich verändernden Rahmenbedingungen.
  • Reminiszenz: Sinn im Job entsteht selten im konkreten Augenblick, sondern meist in der Rückschau, wenn die eigene Leistung mit weiteren Aspekten der Arbeit oder des Lebens an sich verknüpft wird.
  • Kontext: Die Wahrnehmung von Arbeitssinn entsteht zumeist nicht, wenn der Job nur im Kontext seiner selbst betrachtet wird. Sinn entsteht, wenn die persönliche Aufgabe in einem größeren Kontext gesehen wird, zum Beispiel als Broterwerb für die Familie, oder auch als Dienst am "großen Ganzen".
  • Begeisterung: Sinnwahrnehmung entsteht, wenn Menschen ihre Arbeit regelmäßig als anregend, kreativ und absorbierend erleben. Wer oft in den Flow kommt, empfindet seine Arbeit als vergleichsweise sinnvoll.
  • Anerkennung: Schließlich hilft es (selbstverständlich!), wenn die eigene Leistung wertgeschätzt wird, insbesondere in Verbindung mit den zuvor genannten Bedingungen. Diese Bestätigung kann vom Vorgesetzten kommen, genauso gut aber von Kollegen, Mitarbeitern, Kunden usw.

Die sieben Todsünden der Sinnvernichtung

Auf der anderen Seite beschreiben Bailey und Madden sieben Faktoren, die das Sinnerleben der Mitarbeiter in Nullkommanichts zerbröseln lassen. Wie bereits angedeutet, hat mangelhafte Führungsleistung einen großen Anteil an diesen Bedingungen.

  • Dissonanz von Wertvorstellungen: Wenn Menschen auf der Arbeit mit Wertvorstellungen konfrontiert werden (oder diese gar nach außen vertreten müssen), welche nicht mit ihren persönlichen Werten überstimmen, schwindet das Sinnerleben langsam aber sicher.
  • Bürokratie: Repetitive und insbesondere als unnötig, weil nicht wertschöpfend empfundene Aufgaben lassen den Sinn im Job rasend schnell zergehen.
  • Mangel an Wertschätzung: Eine Mangel an positiver Rückmeldung zum eigenen Arbeitsbeitrag verursacht starke Gefühle von Sinn- und Nutzlosigkeit.
  • Ungerechtigkeit: Wahrgenommene Ungerechtigkeit, insbesondere im Hinblick auf die Entlohnung (im Vergleich zu anderen) ist ein Killer für den Sinn im Job.
  • Entmündigung: Wenn Führungskräfte die Kompetenz ihrer Mitarbeiter beschneiden, zu viele Vorschriften machen und allgemein autokratisch anstatt partizipativ führen, erodiert das Sinnerleben zusehends.
  • Isolation: Das Abgeschnittensein von sozialen Kontakten und freundschaftlichen Begegnungen auf der Arbeit untergräbt auf Dauer die Empfindung von Sinn im Job.
  • Physische oder emotionale Gefährdung: Insbesondere als unnötig empfundene Gefährdung für Leib und Seele kann das Sinnerleben spürbar schmälern.

Aus den Eingangsüberlegungen sowie der abschließenden Liste von potenziellen Sinn-Killern ergibt sich für mich übrigens auch eine wichtige Aufgabe für all jene Mitarbeiter, die geführt werden. Mir ist klar, dass Aufwärtsfeedback im Unternehmensumfeld nicht immer einfach zu vermitteln ist. Und trotzdem:

Wenn Sie einen guten Chef oder eine tolle Chefin haben: Sagen Sie es ab und zu. Es hilft. Wirklich…

Nico Rose ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.



Autor: Nico Rose

Nico Rose ist Dipl.-Psychologe (WWU Münster) und wurde an der EBS Business School (Oestrich-Winkel) in BWL promoviert. Zusätzlich studierte er Positive Psychologie an der University of Pennsylvania in Philadelphia. Von 2010 bis 2018 war für Bertelsmann tätig, zuletzt als Vice President Employer Branding & Talent Acquisition. Seit 2008 arbeitet er außerdem als Coach und Speaker. Ab April 2019 wird er als Hochschullehrer an der International School of Management (ISM) in Dortmund Wirtschaftspsychologie unterrichten.