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Wie in Österreich der Titel immer noch Leute macht

Ist es nur ein Klischee, oder ist wirklich etwas dran, dass die Österreicher immer noch dem Titel eine wichtige Bedeutung einräumen? Eine Studie hat zutage gefördert: Mehr als die Hälfte klebt am Titel.

Text: Anja Janotta

Ist es nur ein Klischee, oder ist wirklich etwas dran, dass die Österreicher immer noch dem Titel eine wichtige Bedeutung einräumen?  Das Online Markt- und Meinungsforschungsinstitut Marketagent.com hat dazu 500 befragt und zutage gefördert: 56,2 Prozent der Befragten ist der Meinung, dass Titel im österreichischen Berufsleben zumindest eher wichtig sind, nur 13,6 Prozent halten ihn für nicht wichtig.

Klischeebehaftet sind Titel und Träger dennoch. "So halten 64 Prozent der Befragten Personen mit einem Titel für machthungriger als Personen ohne Titel", erklärt Marketagent.com Geschäftsführer Thomas Schwabl. Zudem werden sie als beruflich erfolgreicher (61,8 Prozent), selbstbewusster (58,0 Prozent), zielstrebiger (54,2 Prozent), durchsetzungsstärker (47,6 Prozent) und intelligenter (41,6 Prozent) wahrgenommen. Umgekehrt hält aber nur knapp jeder fünfte Österreicher Titelträger für sehr praxisbezogen (18,6 Prozent) und nur etwas mehr als jeder Siebente (13,2 Prozent) schreibt ihnen mehr Hausverstand (13,2 Prozent) als ihren Mitbürgern ohne Titel zu. Auch als sympathischer (9,6 Prozent), humorvoller (9,0 Prozent) und einfühlsamer (8,0 Prozent) werden sie nur von den wenigsten wahrgenommen.

Beruflich bestehen 8,6 Prozent darauf, mit ihrem Titel angesprochen zu werden und jeder Vierte (25,7% Prozent) möchte mit Titel angeschrieben werden. Am häufigsten verwenden die Titel-geschmückten unter den Befragten diesen bei geschäftlichen Unterlagen (70 Prozent), geschäftlichen E-Mails (58,6 Prozent) und beim beruflichen Ausfüllen von Formularen (58,6 Prozent).  Einen wirklichen Vorteil durch ihren Titel hatte ihrem eigenen Empfinden nach bisher zumindest die Hälfte (52,9 Prozent) der österreichischen Titelträger. 45,7 Prozent geben an, dass ihnen ihr Titel bisher weder genützt noch geschadet hätte. Eher geschadet hat er lediglich 1,4 Prozent  

Aber die Verpackung zählt offenbar heute immer noch, denn eine gewisse Ehrfurcht vor Personen mit Titel ist in Österreich erkennbar. Mehr als jeder Zweite (53,4 Prozent) begegnet Titelträgern anders als Personen ohne Titel - 49 Prozent "manchmal", 4,4 Prozent tun dies sogar "immer". Zwei von drei Österreichern ohne Titel fühlen sich zumindest fallweise benachteiligt gegenüber Titelträgern. 6 Prozent häufig, 21 Prozent hin und wieder, 39 Prozent zumindest selten.


Autor:

Anja Janotta, Redakteurin
Anja Janotta

seit 1998 bei der W&V - ist die wohl dienstälteste Onlinerin des Hauses. Am liebsten führt sie Interviews – quer durch die ganze Branche. Neben der W&V-Morgenpost, Kreativ- und Karrierethemen schreibt sie ab und zu was völlig anderes - Kinderbücher. Das jüngste dreht sich um  ein paar nerdige Möchtegern-Influencer.