Alexander Schill: Lieber Taten statt großer Worte

Alex Schill ist ein Mann, der selten große Töne spuckt. Jetzt bringt der Kreativchef von Serviceplan 15 Löwen aus Cannes mit – eine Sensation. Doch Schills Erfolg kommt nicht von ungefähr.

Text: Lena Herrmann

- keine Kommentare

"Alexander Schill wird das kreative Gesicht der Agentur sein." Das waren die Worte von Service­plan-Chef Florian Haller, als er am 1. Juli 2008 den Geschäftsführer von Serviceplan Hamburg in das Management der gesamten Holding beförderte. Seine Prophezeiung traf ein, und der Kreativchef der Agentur feierte vier Jahre später den bislang größten Erfolg seiner Laufbahn: Als beste deutsche Agentur kehrt Serviceplan vom Werbefestival in Cannes nach Hause. Mit 15 Löwen - darunter einem Grand Prix - im Gepäck und dem Titel "Direct Agency of the Year".
Sehr wahrscheinlich, dass sich Haller das damals nicht hat träumen lassen. Geglaubt hatte das niemand. Nur Alex Schill, der war von Anfang an davon überzeugt, dass aus Serviceplan eine kreative Agentur zu machen ist. Und erzählt die Geschichte, wie er auf seiner ersten Serviceplan-Weihnachtsfeier 2006 erklärt habe, zu den drei kreativsten deutschen Agenturen gehören zu wollen. Nur zugehört habe damals niemand. Weil diese Zielsetzung so weit entfernt und so unrealistisch schien.
Zwar ist Schill, der mit seiner Familie in Hamburg lebt, schon bei seinem vorherigen Arbeitgeber Springer & Jacoby erfolgreich gewesen - bis er sich mit Inhaber Konstantin Jacoby so verkrachte, dass er die Agentur verlassen musste. Aber Serviceplan ist nicht S&J. Vielmehr galten die Münchner, die 2006 gerade für Schill und seinen Partner Jörg Schultheis ein neues Büro in Hamburg eröffnet hatten, als Werber, deren Stärke in der Beratung lag. Das zeigt auch der Name, in dem viel von Service aber wenig von Kreation die Rede ist.
Der Name gefällt Schill immer noch nicht, aber er hat sich damit arrangiert. Und sich auf die Veränderungen innerhalb der Agentur konzentriert. Personal hat der 43-Jährige wenig ausgetauscht, sondern vielmehr den kreativen Output gefördert. Seit er da ist, können alle Mitarbeiter ihre Ideen einmal im Monat an eine Wand hängen. Dort werden sie von den Kreativchefs bewertet. Schill entscheidet dann, ob die Idee weiterverfolgt und dem Kunden verkauft wird. Am Ende des Jahres ehrt er auf der Weihnachtsfeier die besten Kreativen.  
Unter den Arbeiten, die Serviceplan seit Schill umfangreich bei Festivals einreicht, sind viele Goldideen. Cases, die entstanden sind, um bei Jurys zu punkten. Dass dem so ist, gibt Schill unumwunden zu. Es gehe darum, Mitarbeiter zu motivieren, ihnen den Freiraum für Ideen zu geben. Und das funktioniere eben besonders gut mit Award-Arbeiten. Für diese Haltung wird er immer wieder angefeindet. Und gleichzeitig bewundern ihn viele für den Mut, diese Haltung öffentlich zu machen und daran festzuhalten.
Schill ist in der Branche hoch angesehen. Es gibt kaum jemanden, der ihm den aktuellen Triumph nicht gönnt - die meisten wissen um sein unrühmliches Ende bei S&J und honorieren die Leistung, die er bei Serviceplan vollbracht hat: 2006, das Jahr, in dem er kam, beendete Serviceplan im Kreativranking von W&V auf Rang 17. Im Jahr darauf gelang der Agentur der Sprung unter die Top Ten. 2010 und 2011 erreichte Serviceplan jeweils den zweiten Platz. Dass es in diesem Jahr trotz der Cannes-Löwen für den obersten Platz auf dem Treppchen reicht, bezweifelt Schill dennoch. Auch das ist typisch für ihn: den Ball flach halten und keine großen Töne spucken. Um am Ende alle zu überraschen.


Autor:

Lena Herrmann
Lena Herrmann

schreibt als Redakteurin für das Marketingressort der W&V unter anderem über Sportmarken und Reisethemen. Beides beschäftigt sie auch in ihrer Freizeit. Dann besteigt sie Berge, fährt mit dem Wohnmobil durch Neuseeland, wandert durch Weinregionen oder sucht nach der perfekten Kletterlinie.



0 Kommentare

Kommentieren

Diskutieren Sie mit