Christian Seifert: Auf alles eine Antwort

Forsch und direkt: DFL-Chef Christian Seifert verantwortet zum dritten Mal die Vergabe der Fußball-Bundesliga-Rechte. Und entscheidet damit auch über Veränderungen in der TV-Welt.

Text: Leif Pellikan

- keine Kommentare

Sieben Jahre Bundesliga – so lange steht der inzwischen 42-jährige Christian Seifert an der Spitze des Bundesliga-Unternehmens DFL. In dieser Zeit hat er bereits zweimal die Ausschreibungen der Medienrechte verantwortet. Und beide Male kam es anders als gedacht.

2006 wollte der damalige Premiere-Chef Georg Kofler die Liga nötigen, die ARD Sportschau zu kippen. Nicht mit Seifert. Der blieb hart und vergab die Live-Rechte an einen Neuling, an Arena (was hinterher allerdings schiefging). 2007 verkaufte er die Fußballübertragungsrechte komplett an Leo Kirchs und Dieter Hahns Firma Sirius. Was dann die Kartellwächter in Bonn verhinderten: Wieder ein Fehlschlag. Kritiker sehen darin tatsächlich ein Scheitern, Seifert dagegen hakte es jedes Mal unter Erfahrung ab. Beide Male hatte er die daraus entstandenen Probleme geräuschlos gelöst.

Dieses Mal geht es um eine jährliche Summe von 440 Millionen Euro, zuzüglich Aufschlag. Das ist grob geschätzt der Betrag, der in der kommenden und letzten Saison der aktuellen Rechteperiode an die DFL überwiesen wird. Am 17. April will der Ligaverband entscheiden, wer den Zuschlag erhält. Der Termin ist der frühestmögliche im angedachten Zeitplan.

Dieses forsche Tempo wurde dem gebürtigen Rastatter in die Wiege gelegt. Vom Studium der Kommunikationswissenschaft in Essen zum Produktchef von MGM (heute: SevenOne Media) und zum Marketingleiter von MTV vergingen nur drei Jahre. Wieder zwei Jahre später ging er zu KarstadtQuelle New Media, wo er fünf Jahre verbrachte.

Genauso zielstrebig wie die Karriere des Familienvaters verlief, hält er es in Gesprächen: Nie um den heißen Brei herumreden. Vornehme Zurückhaltung hält er nicht für eine notwendige Tugend. Weder bei sich, noch bei seinen Mitarbeitern. Er fordert Meinung ein – teilt aber auch aus. Nur im Moment, während des laufenden Bieterprozesses, hält er sich wie die komplette DFL an ein striktes Schweigegelübde.

Dabei ist der DFL-Chef Kritik gewohnt. Zumeist aus Richtung des behäbigen DFB. Dass der im März ausgeschiedene Präsident Theo Zwanziger und Seifert keine Freunde waren, ist ein offenes Geheimnis. Seifert mahnte beispielsweise in den letzten Jahren immer wieder eine Professionalisierung des Schiedsrichterwesens an. Die Presse griff das dankbar auf, mit Vokabeln wie "kritisiert" oder "schießt gegen den DFB". Dahinter steckten jedoch stets wohlüberlegte Spitzen, allerdings immer verbunden mit konkreten Vorschlägen oder Forderungen.

Arrogant oder selbstsicher? Seifert scheint auf alles eine Antwort zu haben. Egal, ob er Fußball-Granden wie Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge, Liga-Präsident Reinhard Rauball oder Journalisten gegenübersitzt. In der emotionalen Fußballwelt kam diese berechnende Art lange nicht gut an. Zumal dem Fernsehmann auch der Geruch von Umkleidekabinen fehlt. Lange Zeit hat er sogar seinen Lieblingsklub verheimlicht. Seit ein, zwei Jahren steht er dazu, Fan von Borussia Mönchengladbach zu sein.

Parallel hat auch die Kritik am jungen Fernsehmanager abgenommen. Vereinsbosse wie Frankfurts Heribert Bruchhagen oder Wolfgang Holzhäuser von Leverkusen schießen kaum mehr verbal in Richtung DFL. Ob das auch so bleibt, wird der 17. April zeigen.


Autor:

Leif Pellikan
Leif Pellikan

ist Redakteur beim Kontakter und bei W&V. Er hat sich den Ruf des Lötkolbens erworben - wenn es technisch oder neudeutsch programmatisch wird, kennt er die Antworten. Wenn nicht, fragt er in Interviews bei Leuten wie Larry Page, Sergey Brin oder Yannick Bolloré nach. 



0 Kommentare

Kommentieren

Diskutieren Sie mit